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Kassenarzt-Chef : „Wer jederzeit zu jedem Arzt möchte, müsste mehr bezahlen“

  • Aktualisiert am

Alles belegt: Hausarztpraxis im Ruhrgebiet Bild: Picture-Alliance

Radikaler Vorschlag von Kassenarzt-Präsident Gassen: Es könne nicht jedem Patienten „sanktionsfrei gestattet bleiben, jeden Arzt jeder Fachrichtung beliebig oft aufzusuchen“.

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          Kassenarzt-Präsident Andreas Gassen will die freie Arztwahl begrenzen. Es könne dauerhaft kaum jedem Patienten „sanktionsfrei gestattet bleiben, jeden Arzt jeder Fachrichtung beliebig oft aufzusuchen, und oft noch zwei oder drei Ärzte derselben Fachrichtung“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Derzeit werde das nicht kontrolliert.

          Gassen kritisierte, die Gesundheitskarte funktioniere „wie eine Flatrate“, und es gebe Patienten, „die das gnadenlos ausnutzen“. Statt einer Wiedereinführung der Praxisgebühr, die 2013 abgeschafft wurde, schlug der KBV-Präsident eine Versicherungsreform gegen „Ärzte-Hopping“ vor. „Eine Steuerung über ein Wahltarifsystem wäre ein guter Weg.“ Wer sich verpflichte, sich auf einen koordinierenden Arzt zu beschränken, sollte von einem günstigeren Kassentarif profitieren. „Wer jederzeit zu jedem Arzt gehen möchte, müsste mehr bezahlen“, so Gassen.

          „Patientenbeschimpfung ist mit Sicherheit keine Lösung“

          Der KBV-Chef verwies auf sogenannte Selektiv-Verträge, die von privaten Krankenversicherungen bereits angeboten werden. Diese sollte es als Wahlmöglichkeit auch für alle Kassenpatienten geben, sagte er. Jemanden etwa für den Besuch eines zweiten Arztes derselben Fachrichtung zu bestrafen, wäre hingegen „zu aufwändig und vielleicht auch nicht immer sachgerecht“.

          Zugleich beklagte Gassen eine Überlastung der Rettungsstellen von Kliniken vor allem an den Wochenenden, wofür auch viele Patienten verantwortlich seien. „Dann haben sie Zeit. Und sie meinen, im Krankenhaus gibt es das Rundum-sorglos-Paket“, sagte er - und fügte hinzu: „Erst zu Ikea, dann in die Notfallambulanz. Die Anspruchshaltung ist mitunter irrsinnig.“ Das führe dazu, dass das Personal in den Rettungsstellen keine Zeit für die wirklichen Notfälle habe.

          Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) reagierte mit scharfer Kritik. Der Sprecher des GKV, Florian Lanz, sagte zu den Überlegungen Gassens: „Patientenbeschimpfung ist mit Sicherheit keine Lösung für die aktuellen Herausforderungen“, erklärte Lanz. Es sei „keine gute Idee“, „durch die Hintertür Strafzahlungen für kranke Menschen“ vorzubereiten, „die sich hilfesuchend an die vermeintlich falsche Stelle wenden“. Lanz forderte, das Gesundheitswesen müsse sich nach den Bedürfnissen der Patienten richten „und nicht umgekehrt“.

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