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Wirtschaftskriminalität : Kartelle und Korruption sorgen für Milliardenschäden

Bargeldschnüffelhund „Aki“ von der Zoll-Dienststelle am Flughafen Bild: dpa

Eine Untersuchung von Ökonomen zeigt: Illegale Kartelle und Korruption schädigen deutsche Unternehmen immens.

          Auf vielen Großbaustellen in deutschen Städten sind die Einsatzfahrzeuge von Polizei und Zoll mittlerweile ein gewohntes Bild. Viel häufiger als andere Bereiche ist die wirtschaftlich florierende Baubranche von Geschäftspraktiken wie illegalen Preisabsprachen von Baustoffproduzenten und -lieferanten, dem organisierten Einsatz nicht sozialversicherter Arbeitskräfte und Bestechung in der Auftragsvergabe betroffen.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch Wirtschaftskriminalität sorgt branchenübergreifend für hohe Umsatzverluste. In Deutschland liegen diese laut einer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln vorgelegten Studie bei rund 18 Prozent. Für die Erhebung hat das Institut im vergangenen Herbst 853 Unternehmen befragt. Wie schon in der Vergangenheit haben sich die Forscher zunächst eingehend mit der Schwarzarbeit beschäftigt. Alleine hierdurch gehen nach Schätzung der Unternehmen rund 313 Milliarden Euro – oder 5 Prozent des Umsatzes – verloren.

          Deutlich mehr Schaden richten Korruption (412 Milliarden) und unerlaubte Kartelle (472 Milliarden) an. Jedes zweite Unternehmen rechnet wegen Bestechung und Schmiergeldern im geschäftlichen Verkehr mit Einbußen von bis zu 30 Prozent. In den Fällen verbotener Kartellabsprachen gehen die Unternehmen sogar von Verlusten in Höhe von 40 Prozent aus. Wie die IW-Forscher erläutern, steigt mit der Zahl der Mitarbeiter auch die Anfälligkeit für Preis- und Mengenabsprachen deutlich an.

          Umdenken in deutschen Unternehmen

          Die Ergebnisse zeigen, dass Korruption, Kartelle und Schwarzarbeit selbst in gut entwickelten, erfolgreichen Volkswirtschaften eine größere Gefahr darstellen als vielfach vermutet, sagt der Studienautor Dominik Enste vom IW Köln. „Im internationalen Vergleich hat Deutschland sogar relativ wenig mit Wirtschaftskriminalität zu kämpfen und das Vertrauen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft ist hoch“, erklärt der Ökonom.

          Laut Studie haben viele Unternehmen die von der Korruption ausgehende Gefahr für die wirtschaftliche Prosperität erkannt: 2015 habe jedes fünfte Unternehmen Geschäfte durch Korruptionsfälle verloren. 2010 galt dies nur noch für jeden zehnten Betrieb. Auch wenn deutsche Unternehmen Umsatzverluste von bis zu 30 Prozent beklagen würden, dürfte in Ländern mit mehr Korruption und Schattenwirtschaft die Lage „noch weitaus dramatischer sein“, wird Enste in einer Mitteilung zitiert.

          Deutschland belegt im Vergleich mit den anderen Industriestaaten im Zeitraum von 2003 bis 2018 bei der Schattenwirtschaft den 12. Rang, mit einem durchschnittlichen Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt von rund 14 Prozent.

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