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Nachverhandlung : Karstadt Kaufhof macht weniger Filialen dicht

  • -Aktualisiert am

Das Kaufhof-Logo ist an einer Filiale der Warenhandelskette im Stuttgarter Stadtteil Bad-Cannstatt zu sehen. Bild: dpa

Eigentlich wollte Galeria Karstadt Kaufhof 62 seiner Warenhäuser schließen. Nun gibt es für sechs Filialen doch eine Perspektive.

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          Galeria Karstadt Kaufhof will doch sechs Filialen weiterführen, die der angeschlagene Warenhauskonzern ursprünglich schließen wollte. Das teilte Miguel Müllenbach, der Vorsitzende der Geschäftsführung, den Mitarbeitern am Freitag in einem Brief mit. Zunächst nicht geschlossen werden Kaufhof-Filialen in Chemnitz, Leverkusen und Potsdam, sowie die Karstadt-Warenhäuser Dortmund, Goslar und Nürnberg Lorenzkirche. Müllenbach selbst überbrachte den Beschäftigten in Chemnitz am Freitag die Botschaft. Ursprünglich hatte Karstadt Kaufhof mitgeteilt, dass das Unternehmen 62 der verbliebenen 172 Warenhäuser schließen muss. Im „Schulterschluss“ mit dem österreichischen Handelsunternehmen Signa, dem Eigner von Galeria Karstadt Kaufhof, das dem österreichischen Unternehmer René Benko gehört, seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für diese Häuser jedoch angepasst worden. Unter den sechs Warenhäusern sind einige der größten Filialen des Konzerns, dort arbeiten insgesamt 750 Mitarbeiter. Die Gewerkschaft Verdi hatte zuletzt scharf kritisiert, dass 6000 Arbeitsplätze in Gefahr seien.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Für die verbliebenen 56 Filialen bedeutet das allerdings das definitive Aus. Dort verbinden sich nach Müllenbachs Aussage „überdurchschnittlich hohe Mieten“ und Standortnachteile. Aufgrund der anhaltend geringen Frequenz und der gesunkenen Kaufkraft in der Krise gebe es für diese Warenhäuser „leider weiterhin keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive“. Müllenbach zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass der Warenhauskonzern „gestärkt aus der Krise“ hervorgehen könne. „Ich weiß, dass die überlebensnotwendigen Entscheidungen, insbesondere die Schließungen von Filialen, viele von Ihnen ganz unmittelbar persönlich betreffen“, schreibt Müllenbach in dem Brief.

          Insolvenzverfahren im Juli eröffnet

          Das Amtsgericht Essen hatte für die Warenhauskette in dieser Woche ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angeordnet. Das Amtsgericht hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass auch Tochterunternehmen wie Karstadt Sports, Sportarena, Galeria Logistik oder Karstadt Feinkost davon betroffen sind. Das Insolvenzverfahren zum 1. Juli ist der nächste Schritt nach dem Schutzschirmverfahren, das Karstadt Kaufhof am 1. April angemeldet hatte. Damit konnte sich der Konzern zunächst vor direkten Forderungen der Gläubiger schützen.

          Geschäftsführung und Sachwalter hatten drei Monate Zeit, einen Insolvenzplan und ein Sanierungskonzept auszuarbeiten. Nun können Gläubiger Forderungen beim Sachwalter Frank Kebekus anmelden, das erste Gläubigertreffen soll im September stattfinden. Der Konzern hatte durch die Corona-Krise nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Euro Umsatz verloren.

          Müllenbach ist erst seit kurzem der Vorsitzende der Geschäftsführung. Der 44 Jahre alte Manager ist aber schon seit 15 Jahren bei Karstadt und seit acht Jahren in der Geschäftsführung. Müllenbach steuerte das Unternehmen auch schon im Schutzschirmverfahren, weil der ehemalige Vorstandssprecher Stephan Fanderl in dieser Zeit wegen eines Bandscheibenvorfalls in der Reha war. Es soll Unstimmigkeiten mit dem Eigentümer Signa über die Ausrichtung gegeben haben. Am 10. Juni teilte Karstadt Kaufhof mit, dass sich Fanderl und der Warenhauskonzern trennen.

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