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Karrieresprung : Zu früh zu hoch hinausgewollt

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Nicht jeder Karriereverlauf ist eine Erfolgsgeschichte. Viele Talente scheitern aus Gründen, die aus den Voraussetzungen für eine gelungene Laufbahn erwachsen. Karriere zu machen, ist oft eine Frage des Timings.

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          Es gibt tausend Gründe und viele Wege, die eigentlich hoffnungsvolle Karrieren zum Scheitern bringen können. Ganz offensichtliche, klare externe Gründe wie Krankheit, ein Unfall, familiäre Anforderung, aber auch Gründe, die aus dem Karrieremachen selbst entstehen, die aus den besonderen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Laufbahn erwachsen.

          Solche Gründe zu kennen, hält Luc De Causmaecker, Partner bei der Unternehmensberatung Dr. Weber & Partner in Frankfurt, für enorm wichtig. Denn sie betreffen gerade die, die doch scheinbar alles richtig machen. De Causmaecker ist Personalberater und hatte selbst früher Positionen im leitenden Management in der Industrie inne. Er hat viele berufliche Lebenswege analysiert.

          „Zu früh zu hoch“ - „zu schnell zu oft gewechselt“

          Woran scheitern Karrieren insbesondere bei den sogenannten Spitzenleuten? Was verhindert den Weg nach ganz oben, auch wenn das Potential für den Aufstieg gegeben ist? De Causmaecker sagt: "Es sind immer wieder dieselben zwei Gründe. Ich fasse sie in Kurzform unter den Stichworten ,Zu früh zu hoch' und ,Zu schnell zu oft gewechselt' zusammen. Zunächst läuft alles nach Plan: Schule, Ausbildung, Studium, Promotion, Berufseinstieg, ob Single oder zu zweit, der private Rückhalt ist gegeben, erste Schritte auf der Karriereleiter sind absolviert. Aber dann stolpern viele über die gleichen Fußangeln."

          Eine typische tüchtige junge Führungskraft steigt in fünf bis maximal zehn Jahren auf eine Position in der Hierarchie, auf der die Luft anfängt, dünner zu werden. Wenig später stellt sich heraus, daß sie den Anforderungen nicht gewachsen ist. Im schlimmsten Fall wird sie ausgetauscht. In der Regel aber gelingt es durch enorm hohes Engagement, die Position zu behalten. Aber bis dahin ist klargeworden, daß ein Niveau erreicht ist, das die Kompetenz übersteigt. Das Berufsleben geht zwar irgendwie weiter, für den Weg nach oben war das jedoch mit ziemlicher Sicherheit das Aus.

          Auch unter Managern kennt man das Phänomen des „Verheizt“-Werdens

          Später wird der oder die Betroffene begreifen, daß es nicht fehlende fachliche Qualifikationen waren, an denen die Karriere scheiterte. Vielmehr blieben durch einen Mangel an praktischer Erfahrung innerhalb der komplexen Situation, die der Posten darstellte, zu viele Aspekte des Handelns unberücksichtigt.

          Die Situation des Managers läßt sich durchaus mit der eines Spitzensportlers vergleichen. Selbst wenn er das Talent und den Ehrgeiz zu einem ganz Großen seines Fachs hat, zunächst muß er seine Anlagen ausbilden, sie an wachsenden Herausforderungen und stärkeren Gegnern schulen, allmählich perfektionieren, ihre Anwendung verstetigen. "Im Sport kennt man das Phänomen, daß Talente, wie man sagt, verheizt werden. Ein Manager, der sich zu schnell auf zu hohe Posten drängt, verheizt sich selbst."

          Oft trifft es die besonders Engagierten

          So etwas passiert bei Management-Karrieren nicht selten, und es sind vor allem die besonders Fähigen, die schnell ihre Ausbildung abgeschlossen haben, die mit den sehr geraden Lebensläufen, die sehr Konzentrierten und sehr Engagierten, denen dieser Fehler unterläuft. "Die Verlockung, jede Möglichkeit zum Aufstieg zu nutzen, ist groß, aber man muß sich ein paar grundlegende Parameter vor Augen halten, die bei der Karriereplanung jederzeit berücksichtigt werden müssen."

          Und auf noch etwas weist De Causmaecker hin. Der Einstieg ins Berufsleben eines Managers finde in der Regel im Alter von 25 Jahren unmittelbar nach dem Studium statt. Die höchsten Posten in den Vorständen der großen Unternehmen erreichten die meisten etwa im Alter von 45 an und aufwärts. Es bleiben also mindestens 20 Jahre, um ans Ziel zu kommen.

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