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Karrieresprung : Zeitkonten für große Träume

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Mit einem neuen Gesetzentwurf will die Regierung Arbeitszeitkonten attraktiver machen. Doch wie funktionieren solche Regelungen überhaupt? Warum sind sie zuweilen unbeliebt? Was sagen die Mitarbeiter? Martin Dieckmann hat sich in einem Unternehmen und bei Fachleuten umgehört.

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          Einmal schon hat sich Matthias Brunschede eine siebenwöchige Auszeit vom Job genommen. Urlaubstage und Jahresurlaub staute der Informatiker an, bis er sich seinen Traum von einer Australienreise erfüllen konnte. Bei seiner Reiseplanung war Brunschede allerdings auf die Gnade seines Vorgesetzten angewiesen. Der hätte ihm durchaus seine Zustimmung zu einem so langen Urlaub verweigern können.

          Wenn Brunschede das nächste Mal über den üblichen Jahresurlaub hinaus seinem Unternehmen, der Software Design & Management AG (SD & M) mit Hauptsitz in München, fern bleiben will, ist das anders: „Mit Einführung des Zeitwertkontos muss ich die Auszeit zwar auch mit meinem Vorgesetzten absprechen, aber ich habe grundsätzlich einen Anspruch darauf.“ Denn inzwischen hat SD & M das so genannte Zeitwertkonto eingeführt. Mit ihm können Mitarbeiter über den gesetzlich vorgeschriebenen Mindesturlaub hinaus gehende Auszeiten, Sabbatjahre, eine Frühverrentung oder Teilzeitphasen zusammensparen.

          Regierung will Konten mit Neuregelung attraktiver machen

          Bisher sind solche Modelle vor allem in größeren Konzernen üblich. Bei kleineren deutschen Unternehmen verbreitet sich das Konzept eher langsam. Die Bundesregierung reagiert nun und hat Mitte dieser Woche einen neuen Gesetzentwurf verabschiedet, der das Abschließen von Arbeitszeitkonten attraktiver machen soll. Das Regelwerk mit dem sperrigen Namen „Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen“ soll Arbeitnehmer davor schützen, angesammelte Arbeitsstunden im Fall einer Unternehmensinsolvenz zu verlieren. Außerdem soll die Mitnahme der Konten bei einem Wechsel des Arbeitgebers leichter werden (siehe dazu auch: Regierung will Arbeitszeitkonten vor Pleiten schützen).

          Dass Arbeitszeitkonten noch relativ selten sind und - wo es sie gibt - längst nicht immer genutzt werden, hat aber auch psychologische Gründe. Nach Einschätzung der Sozialwissenschaftlerin Barbara Siemers liegt die Zurückhaltung der Arbeitnehmer auch daran, dass die Zeitwertkonten nicht immer Teil der Unternehmenskultur sind: „Es gibt Unsicherheiten. Zum Beispiel: Wie kommt das bei den Kollegen an?“ Wo Freigestellte als Weichlinge gälten, nähme kaum jemand ein Modell wie das Zeitwertkonto in Anspruch.

          Wer heute schon flexible Arbeitszeitmodelle praktiziert, verfolgt meist das Ziel, die Zufriedenheit der Arbeitnehmer zu erhöhen und Ausbrennen und Frustration vorzubeugen. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Arbeitszeitkonten tatsächlich die gewünschten Effekte bringen: „Sabbaticals als ein zeitlich befristeter Ausstieg aus der Erwerbsarbeit versprechen besondere Chancen, aus engen Zeitkorsetts auszubrechen und den Traum vom Zeitwohlstand wahr zu machen,“ heißt es in einer im Jahr 2005 veröffentlichten Untersuchung von Sozialwissenschaftlerin Siemers. Sie hat 100 Sabbatjahr-Erfahrene befragt. Ihre Interviews deuten darauf hin, dass sich durch die Einführung von Arbeitszeitkonten das Betriebsklima verbessert.

          Arbeitszeitkonten sollen Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen

          Bei SD & M haben Personaler und Betriebsrat gemeinsam mit externen Beratern das Zeitwertkonto gestaltet. „Am Anfang stand die Diskussion: Was können wir an attraktiven Lohnnebenleistungen anbieten?“ erinnert sich Personalleiter Christoph Reuther an den Beginn des Projekts vor knapp zwei Jahren. „Es ist sehr, sehr wichtig, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.“

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