https://www.faz.net/-gqe-qd79

Karrieresprung : Wo junge Führungskräfte Chancen haben

  • -Aktualisiert am

In vielen Familienunternehmen in Deutschland steht ein Generationswechsel an. Für junge Führungskräfte liegt hier eine Chance. Die Chance, ein mittelständisches Unternehmen zu leiten.

          3 Min.

          Massenarbeitslosigkeit und keine Besserung in Sicht. Jedenfalls keine wesentliche. Da muß jeder schauen, die besten Möglichkeiten für sich auch dort auszuloten, wo er früher nicht gesucht hätte. Mit viel Phantasie und Kreativität heißt es, neue Wege zu gehen und vielleicht sogar ungeahnte Chancen zu entdecken.

          Zum Beispiel in Familienunternehmen: Der Generationenwechsel in deutschen Familienunternehmen ist in vollem Gange; zwischen 2002 und 2007 werden nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim 14 Prozent, das entspricht einer Zahl von 60.000, der Unternehmer die Staffel an einen Nachfolger übergeben. Wie wichtig eine vorzeitige, gut durchdachte und ausgeführte Nachfolgeregelung ist, ist mittlerweile hinlänglich bekannt.

          Die richtige Person fürs richtige Unternehmen

          Zu viele Unternehmen mußten bislang mangels Nachfolger oder mangels einer geeigneten Regelung schließen, als daß diese Nachrichten die Öffentlichkeit nicht erreicht hätten. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn müssen jährlich rund 6.000 Familienbetriebe mit fast 40.000 Mitarbeitern aufgeben. Dramatisch für die Angestellten, die oftmals in die Arbeitslosigkeit gehen müssen, und schmerzlich für die scheidende Unternehmensführung. Für junge Führungskräfte aber liegt hier eine Chance. Die Chance, ein mittelständisches Unternehmen zu leiten.

          Solche Vakanzen müssen aber erst einmal gefunden werden. Das ist meist nicht einfach, da kleinere mittelständische Unternehmen oftmals auf die professionelle Unterstützung von Personalberatern verzichten und versuchen, die Angelegenheit im Familienkreis zu regeln. Doch werden mittlerweile immer häufiger Beratungsunternehmen hinzugezogen, um einen geeigneten externen Nachfolger fürs Unternehmen zu finden. Entscheidend ist nicht nur die Suche, sondern die qualifizierte Beurteilung und Auswahl der Personen sowie das Zusammenpassen beider Parteien.

          Management von Geschäft und Emotionen

          Ist eine solche Position einmal recherchiert, hat der junge Nachfolger allerdings nicht immer leichtes Spiel. Es ist eine echte Herausforderung, ein familiengeführtes Unternehmen zu übernehmen. Eine Aufgabe für Menschen mit viel Potential: mit unternehmerischem Können, großer sozialer Intelligenz, viel Energie - und hoher Frustrationsgrenze.

          Übernimmt ein externer Nachfolger das Unternehmen, werden zwar meistens auf beiden Verhandlungsseiten erfahrene Anwälte in Anspruch genommen, so daß die rechtliche Situation geklärt ist. Doch bestehen hier anders als in anderen, in größeren Unternehmen emotionale Barrieren, die es zu überwinden gilt. Eine davon ist die Unklarheit in Bezug auf die Zukunft für den Nachfolger ebenso wie für den Übergebenden. Der Nachfolger ist möglicherweise immer wieder mit den Rückzugsgefechten des Alt-Eigentümers konfrontiert. Zudem weiß er nie, was ihn im Unternehmen wirklich erwartet. Er kennt oft die Unternehmenskultur nicht gut genug und unterschätzt die starke persönliche Prägung durch den Alt-Eigentümer.

          Der Alt-Eigentümer dagegen hadert häufig, schreckt oft vor der letzten Unterschrift oder der endgültigen Entscheidung zurück und auch er weiß kaum, was ihm eine Zukunft ohne sein Unternehmen bringen wird. Er hat Angst und Sorge, daß der „Neue“ sein Lebenswerk zerrüttet.

          Professioneller Aufbau der neuen Unternehmensführung

          Unternehmer sind oft der Ansicht, ihr Nachfolger müsse den selben Führungsstil wie sie selbst verfolgen und die traditionsreiche Firmenkultur auf jeden Fall erhalten. Häufig fehlt es an Vertrauen der nächsten Generation gegenüber. Doch ein anderer, ein neuer Führungsstil, muß ermöglicht werden. Selbst anfängliche Fehler müssen gemacht werden dürfen. Der Nachfolger sollte die Chance bekommen, ohne konfliktreiche Auseinandersetzungen mit seinem Vorgänger seine unternehmerischen Kompetenzen zu entwickeln. Er muß zunächst in seine neue Verantwortung wachsen.

          Die Parteien müssen gemeinsam herauszufinden, welche kulturellen Errungenschaften auf jeden Fall erhaltenswert und wo Neuerungen notwendig sind, um den zukünftigen Erfolg des Unternehmens zu sichern. Das Ergebnis muß von beiden Seite nicht nur akzeptiert, sondern gelebt werden, um auch der Belegschaft gegenüber gemeinsam Glaubwürdigkeit vermitteln zu können. Ratsam ist, zu Beginn des gesamten Prozesses eine Übergabezeit zu vereinbaren, damit die Übergabe nicht auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben werden kann. Möglicherweise ist auch eine zeitweise Aufteilung der Verantwortung zwischen dem Übergeber und seinem Nachfolger sinnvoll.

          Das Idealbild einer abgeschlossenen Nachfolgeregelung ist ein florierendes Unternehmen, ein geschickter und erfolgreicher Nachfolger und die wirtschaftliche und emotionale Sicherheit des Alt-Eigentümers. Erreicht werden kann das allein durch den professionellen Umgang mit und das ganzheitliche Verständnis von unternehmerischen wie menschlichen Herausforderungen. Offene Kommunikation und professionelle Begleitung sind dabei die Schlüssel zum Erfolg.

          Weitere Themen

          Platz da, Boomer! Video-Seite öffnen

          F.A.Z. Woche : Platz da, Boomer!

          Keine Generation hat in Deutschland so viel Macht wie die der Babyboomer. Doch bald gehen sie in Rente. Wie verändert sich dann unser Arbeitsmarkt?

          Topmeldungen

          Gefeiert wie ein Popstar: Heinz-Christian Strache am Donnerstagabend in Wien.

          Strache-Auftritt in Wien : „Hier steht das Original“

          Heinz-Christian Strache will in Österreich mit einer neuen „Bürgerbewegung“ in die Politik zurückkehren und seiner früheren Partei FPÖ das Leben schwer machen. Doch noch lässt er seine Anhänger zappeln – und vermeidet Festlegungen.

          Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

          Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.