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Karrieresprung : Willkommen im Club

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„Das ist mein Schreibtisch“. Diese Art der Besitzstandswahrung hat in modernen Bürokonzepten ausgedient. Für viele Unternehmen ist es lukrativ, eine Reihe von Büro-Arbeitsplätzen vorzuhalten, die sich die Mitarbeiter wechselweise teilen. Gewöhnungsbedürftig, aber im Kommen.

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          Das Familienfoto steht auf dem Schreibtisch, an der Wand ein Mix aus Buntstiftversuchen der Sprößlinge, Urlaubspostkarten, tiefgründelnden Lebenshilfen oder witzigen Sprüchen. Mensch umgibt sich auch und gerade am Arbeitsplatz gerne mit vertrauten Dingen, die nicht zuletzt eines signalisieren: Der Platz gehört mir. Doch diese Art der Besitzstandswahrung hat in modernen Bürokonzepten ausgedient.

          Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, mein Büro - beim laut Werbung vor allem unter Männern gerne gespielten materiellen Beauty-Contest müßte ein Münchner Mitarbeiter der Unternehmensberatung Accenture beim letzten Punkt definitiv passen. Oder schwindeln. Denn das Possesivpronomen existiert für ihn in diesem Zusammenhang nicht mehr. Er ist ein sogenannter „Business Clubber“ und damit Nutznießer eines Bürokonzepts, das „für jede Tätigkeit den optimalen Arbeitsplatz bietet“, wie Markus Huber, Office Location Manager der Münchner Niederlassung des amerikanischen Beratungsunternehmens erklärt.

          Das in den Vereinigten Staaten gängige Büromodell, von Accenture seit 1999 auch in seinen deutschen Niederlassungen realisiert, beinhaltet viele Optionen: Geschlossene Einzelbüros für ungestörtes Arbeiten genauso wie den Platz in der Zweier- oder Vierergruppe im „open space“, Projekträume für sechs bis acht Mitarbeiter, Videokonferenzzimmer oder das exklusiv ausgestattete Besprechungszimmer für externe Besucher. Dazu kommen als Lounges gestaltete Ruhe- beziehungsweise Kommunikationsbereiche und Servicestationen mit Drucker und Kleinküche. Clubatmosphäre eben.

          Freitags wird es eng

          Das Konzept erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation. Buchen müssen die rund 930 Münchner Clubmitglieder von Accenture ihren Arbeitsplatz nämlich selbst und im Voraus. Von Montag bis Donnerstag ist der Anspruch vom optimalen Arbeitsplatz auch meist realisierbar. Denn wie in der Beraterbranche üblich, kommt ein Großteil der Mitarbeiter gar nicht oder nur selten ins Büro. An Freitagen stößt das System indes gelegentlich an seine Grenzen. Denn der Freitag, das ist in der Beraterbranche der klassische Schreibtischarbeitstag. Dann kann es vor allem bei den Einzelbüros spannend werden. „Hier kommt es gelegentlich zu Überbuchungen“, bestätigt Huber. Alternativ würde dann dem abgeblitzten Mitarbeiter eben ein Platz im offenen Bereich angeboten. Drängt es allzu viele Berater zurück ins Büro, spuckt das Buchungssystem ab und an auch eine Komplettabsage aus. Denn die Kapazitäten sind insgesamt äußerst begrenzt. „Unser Konzept ist auf ein Verhältnis von 1:7 ausgerichtet“, erklärt Huber. Sprich: Mehr als 150 Arbeitsplätze hat er nicht zu vergeben.

          Durch Flexibilität Kosten sparen

          Statt vom „Business Club“ spricht Huber denn auch lieber vom „flexible office workspace“ oder „new workplace concept“. Doch egal welche Wortwahl man präferiert - das Konzept rechnet sich durch die dadurch erzielte Flächenoptimierung. Denn auch ein nur vorübergehend verwaister Schreibtisch kostet, und das nicht zu knapp. „Ohne dieses Konzept bräuchten wir die dreifache Fläche“, rechnet Huber vor. Entsprechend höher fielen dann auch die jährlichen Mietausgaben der Münchner Niederlassung aus, die derzeit bei rund 1,4 Millionen Euro liegen.

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