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Karrieresprung : Wenn Marken blenden

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Mittelgroße, wenig bekannte Unternehmen haben es schwer, im Kampf um die besten Talente. Dabei haben sie für Berufseinsteiger einiges zu bieten: raschen Zugang zu Entscheidungsebenen und viel Freiraum bei der Gestaltung der eigenen Aufgabe.

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          Die Bewerbungsstrategie mancher Kandidaten folgt einer simplen Logik: Das Unternehmen muß bekannt, das Produkt irgendwie sexy und der Arbeitsplatz sicher sein. Fazit: im Ranking der beliebtesten Arbeitgeber dominieren regelmäßig Deutschlands Vorzeigeunternehmen der Automobilindustrie. Die besten Marken pflegen Image und Produkt mit aufwändigen Werbekampagnen und großen Kommunikationsabteilungen.

          Mittelgroße und weniger bekannte Unternehmen haben es schwer, im Kampf um die besten Talente mitzuhalten. Dabei haben sie gerade für Berufseinsteiger einiges zu bieten - zum Beispiel den raschen Zugang in Entscheidungsebenen, flache Hierarchien und viel Freiraum bei der Gestaltung der eigenen Aufgabe.

          Peter Binder muss sich um die Zukunft eigentlich keine Sorgen machen, seine Geschäfte laufen glänzend. Der Mittelständler ist Weltmarktführer im Bereich der Konzeption und Produktion von Temperatur- und Klimaschränken für die Biomedizin oder Industrie. Seine Zielgruppe ist breit: Die europäische Zentralbank überprüft mit Binders High-Tech-Geräten etwa ob Münzen und Geldscheine auch klirrender Kälte und sengender Hitze standhalten, die Automobilindustrie braucht Informationen über die Auswirkungen direkter Sonneneinstrahlung auf Lenkräder oder ein Pharmakonzern will die Haltbarkeit seiner Medikamente unter unterschiedlichen Umweltbedingungen testen.

          In allen Fällen kommen Simulationsschränke von Binder zum Einsatz und alles ist Made in Germany. Genauer gesagt in Tuttlingen. Und genau hier liegt das Problem von Peter Binder. Denn das landschaftlich schön gelegene Städtchen, erweist sich bei der Suche nach qualifizierten Nachwuchskräften als klarer Standortnachteil. Ob Personalanzeigen, Recruitingmessen, Praktikumsangebote, Betreuung von Diplomarbeiten - Peter Binder spielt die gesamte Klaviatur der professionellen Personalsuche. Allein der Erfolg bleibt aus, noch immer hat er ein Dutzend Stellen nicht besetzt. Ähnlich wie viele andere Mittelständler sucht er vor allem Hochschulabsolventen der Ingenieurswissenschaften, also Elektrotechniker, Maschinenbauer und Thermodynamiker.

          Wer keine Autos baut, hat schon verloren

          Bei den Top-Studenten der Ingenieurswissenschaften steht die Automobilindustrie als Wunscharbeitgeber an erster Stelle. Die drei Premiummarken BMW, Audi, Porsche und DaimlerChrysler führen das Ranking an. Einzige Ausnahme: Siemens. Der Elektronikkonzern zählt bei Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern zu den drei beliebtesten Arbeitgebern: „Das Phänomen ist für uns nicht neu. Auch wenn allerorts über fehlende Arbeitsplätze geklagt wird, haben wir in einigen Bereichen schon längst wieder einen Fachkräftemangel.

          Dabei trifft es den Mittelstand oftmals besonders hart. Viele Berufseinsteiger konzentrieren sich bei ihren ersten Karriereschritten auf Dax-Unternehmen. Ein Weg, der nicht selten in die Sackgasse führt. Denn einerseits können beliebte Arbeitgeber unter einer Vielzahl von hochqualifizierten Kandidaten wählen und andererseits ist längst nicht jeder für eine Karriere in einem Konzern geeignet. Haufenweise Absagen oder völlige Überforderung wirken dann schnell frustrierend.

          Externe Reputation wirkt anziehend

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