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Karrieresprung: Wendepunkte (5) : Vom Mensch zum Mammut

  • -Aktualisiert am

Der Frisörin Jutta Höfer wird schnell klar, dass sie nicht ihr Leben lang Dauerwellen legen wollte. Der Besuch eines Weihnachtsmarktes bringt die Wende. Elfenbeinschnitzerin, das ist es. Fünfter Teil der Serie über berufliche Neuanfänge.

          Wenn Jutta Höfer zu ihren Werkzeugen greift, sieht es aus, als wäre man beim Zahnarzt. Mit einem leistungsstarken Dentalbohrer bearbeitet sie ihr steinhartes Werkstück, dass sie sich zuvor aus einem größeren Klotz zurechtgesägt hat.

          Auch das Material, mit dem die Künstlerin arbeitet, ist im Prinzip nichts anderes als das, woran ein Dentist jeden Tag arbeitet - es ist nur mehr als 20.000 Jahre älter. Denn Jutta Höfer ist Elfenbeinschnitzerin. Sie arbeitet an Figuren, die sie aus den Stoßzähnen von Mammuts, selten auch aus denen von Elefanten, Walrossen oder Wildschweinen fertigt.

          Metzgereifachverkäuferin oder Frisörin?

          Bevor sie zu Säge, Bohrer und Feilen griff, war die heute 42 Jahre alte Künstlerin Frisörin. In Miltenberg, einer Kleinstadt am bayerischen Untermain, wo Jutta Höfer aufwächst, kommt es damals noch häufig vor, dass viele Schüler nicht auf Realschule oder Gymnasium gehen, obwohl sie das Potential dazu hätten - so auch Jutta Höfer.

          Jutta Höfer bei der Arbeit: Ähnlich wie Holz wird Elfenbein mit verschiedenen Feilen bearbeitet, nur ist es viel härter

          Die Familie hat vier Kinder zu versorgen, den Eltern liegt daran, dass ihre Sprösslinge schnell einen sicheren Beruf ergreifen und finanziell unabhängig sind. Als Jutta 1981 ihren Hauptschulabschluss macht, fragt die Mutter: „Was willst du werden, Metzgereifachverkäuferin oder Frisörin?“ Das 15 Jahre alte Mädchen ist schüchtern, weiß selbst noch nicht, wohin ihr Lebensweg sie führen soll. „Da habe ich mich dann lieber für Frisörin entschieden“, lacht Jutta Höfer heute.

          „Die reinste Massenabfertigung“

          Sie beginnt eine dreijährige Ausbildung im Nachbarort Klingenberg, schneidet Ponys, legt Dauerwellen oder färbt Haare. Der Beruf macht ihr Spaß, ihr Ausbilder ist gut, die Kollegen nett. Nach ihrer Lehre geht Jutta Höfer für ein Jahr nach München in einen renommierten Frisörsalon.

          „Das war schlimm“, erzählt sie. „Das war die reinste Massenabfertigung. Die Leute kamen rein und wir haben dafür sorgen müssen, dass sie möglichst schnell wieder gingen - und das mit einem schlechten Haarschnitt.“ Das, was ihr an ihrem Beruf noch am besten gefällt, der Kontakt mit Menschen, geht vollends verloren.

          Trotz dieser schlechten Erfahrung bleibt Jutta Höfer weiter Frisörin. 1987 geht sie mit ihrem Bruder für acht Monate nach Südafrika, steht mit Klappstuhl und Blumenspritze auf einem Flohmarkt und schneidet den Besuchern die Haare, später arbeitet sie in einem Frisörsalon in Johannesburg, lernt Englisch. „Da hat mir mein Beruf endlich wieder Spaß gemacht“, sagt sie. Dennoch nimmt sie, als sie wieder zurück in Deutschland ist, eine EDV-Stelle in einem Büro der amerikanischen Streitkräfte an, die in ihrem Heimatort stationiert sind - schließlich sind ihre Englisch-Kenntnisse gerade besonders frisch.

          Sie will etwas anderes machen - egal was

          Doch in den drei Jahre, in denen sie im Büro arbeitet, gärt es in Jutta Höfer. „Ich wusste, dass noch mehr Potential in mir steckt. Ich wusste nur nicht, wofür“, erkennt sie heute. In ihr reift der Wunsch, einen weiteren Beruf zu erlernen: „Mir war egal, welchen und mir war egal, ob ich ihn später hätte ausüben können. Ich wollte einfach noch etwas lernen.“

          Damals sei es sogar ihr Traum gewesen, einfach immer wieder einen neuen Beruf zu erlernen, sich immer weiterzuentwickeln, erzählt die Künstlerin heute mit einem Augenzwinkern. Um diesen Traum verwirklichen zu können, holt sie 1990 die Mittlere Reife nach.

          Die Wende kommt auf dem Weihnachtsmarkt

          Die Wende in ihrem Leben kommt ein Jahr später: Sie besucht den Weihnachtsmarkt in Michelstadt, einer kleinen Stadt im Odenwald. Dort stellen Schüler der Berufsfachschule für Holz und Elfenbein in Erbach ihre Stücke aus. Jutta Höfer, die sich privat schon immer fürs Handwerkliche interessiert hat, ist fasziniert von der kreativen Arbeit der Schüler, beginnt, sich näher mit dem Beruf zu beschäftigen. Sie erfährt, dass die Schule in Erbach die einzige ist, die europaweit noch das Elfenbeinschnitzen lehrt - und bewirbt sich. Die Aufnahmeprüfung besteht sie. Drei Jahre lang besucht sie nun die Schule, arbeitet nebenbei jedoch weiter als Frisörin, um sich ihren Traum zu finanzieren.

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