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Karrieresprung: Wendepunkte (5) : Vom Mensch zum Mammut

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Nach der Ausbildung bekommt Jutta Höfer eine Tochter und nimmt Erziehungsurlaub, danach arbeitet sie drei Jahre lang in der Werkstatt des Erbacher Elfenbeinmuseums. „Doch Busladungen von Menschen immer wieder dieselben Handgriffe vorzuführen, war ermüdend und unkreativ“, erinnert sie sich. Sie gibt den Job auf, ist ein Jahr lang arbeitslos. Mit ihrem Mann Harald, der eine gut gehende Spenglerei besitzt, hat sie mittlerweile ein Haus gebaut. In dessen Einliegerwohnung richtet sie sich schließlich eine kleine Werkstatt ein und macht sich selbstständig.

Konserviert im sibirischen Eis

Jutta Höfer hat einen der ältesten Berufe erlernt, den es überhaupt gibt: „Der älteste Fund aus geschnitztem Elfenbein, ein Mädchenkopf, ist 30.000 Jahre alt“, erzählt sie. Die Ideen für ihre modernen, manchmal eigenwilligen, aber immer einzigartigen Figuren kommen ihr im Alltag. Beim Spazierengehen sieht sie einen Stein, dessen Form ihr gefällt, ein Tier, dass sie nachbildet oder eine Pflanze, die die leidenschaftliche Gärtnerin im eigenen Refugium entdeckt. Auch das Material, mit dem sie arbeitet, fasziniert sie immer wieder aufs Neue: „Die Vorstellung, dass das Elfenbein, das ich in den Händen halte, zehntausende von Jahren alt ist, ist inspirierend“, erzählt sie.

Das „weiße Gold“, wie Elfenbein seit dem frühen Mittelalter genannt wird, weil es wegen seines damals unschätzbaren Werts mit Gold aufgewogen wurde, besteht zum größten Teil aus Calciumphosphat, besser bekannt als Dentin oder Zahnbein, woraus auch die menschlichen Zähne bestehen. Da Elfenbein sehr robust ist und zudem nicht brennt, muss man ihm schon mit schwerem Gerät zu Leibe rücken, um es zu zerstören.

Das ist ein Glück für die Garde der Elfenbeinschnitzer. Denn der Großteil des Elfenbeins, mit Höfer und ihre Kollegen heute arbeiten, stammt von Mammuts. Deren Überreste sind seit zehntausenden von Jahren im sibirischen Eis konserviert. In den Sommermonaten, wenn das Eis schmilzt, fördert der natürliche Gefrierschrank jedoch etwa zwei bis drei Tonnen jährlich an die Oberfläche. „Genug für die 50 bis 100 Elfenbeinschnitzer, die es in Europa überhaupt noch gibt“, sagt die Künstlerin. Etwa 500 Euro zahlt man für ein Kilo Elfenbein.

Luxus, den sich kaum jemand leistet

Wie viele Kunsthandwerke stirbt das Elfenbeinschnitzen langsam aus. Jutta Höfer ist froh, dass ihre Existenz unabhängig von ihrem Beruf ist. „Wenn ich davon leben wollte, müsste ich jedes Wochenende auf Märkten und Messen einen Stand aufbauen und in Geschäften meine Werke in Vitrinen anbieten.“ Aus den Anfängen ihrer Laufbahn als Elfenbeinschnitzerin weiß sie jedoch, wie hart das ist. „Die Menschen schauen meine Stücke an, sind begeistert - aber kaufen kaum etwas“, bedauert sie. „Ein Stück aus Elfenbein ist ein Luxus, den sich heute kaum jemand mehr leisten kann oder will.“

Trotzdem ist es der Elfenbeinschnitzerin gelungen, sich durch ihre handwerkliche und künstlerische Ausbildung ein zweites Standbein aufzubauen: Seit 2001 ist sie Dozentin im „Kunstnetz“ ihrer Heimatstadt und in einer Kunsttischlerei, leitet Kurse und Workshops für Zeichnen und Bildhauerei und führt durch Kunstaustellungen eines Museums. „Haareschneiden war nie das Wahre“, reüssiert Jutta Höfer heute. Sie ist froh, dass sie damals den mutigen Schritt in einen exotischen Beruf gewagt hat, denn: „Heute bin ich beruflich angekommen.“

Will ich beruflich auch die nächsten Jahre noch das machen, was ich jetzt mache? Viele kennen diese Zweifel. Wir stellen in einer Serie Menschen vor, die sich in der Mitte ihres Karrierewegs um 180 Grad gedreht haben haben. Lesen Sie nächste Woche an dieser Stelle: Von der Controllerin zur philanthropischen Beraterin

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