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Karrieresprung: Wendepunkte (4) : Freie Bahn für Forscherdrang

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Wo geht die Sonne abends hin? Und der Mond am Morgen? Heike Schettler und Sonja Stuchtey haben ihre Jobs als Unternehmensberaterinnen an den Nagel gehängt und widmen sich nun hauptberuflich dem Forscherdrang von Kindern. Vierter Teil unserer Serie über berufliche Neuanfänge.

          Warum brennt die Kerze nach oben? Wo geht die Sonne abends hin? Und der Mond am Morgen? Es waren neugierige Fragen wie diese, die Heike Schettler und Sonja Stuchtey dazu bewegten, ihren Job als Unternehmensberaterinnen an den Nagel zu hängen und sich nicht nur als Mütter, sondern auch beruflich dem Forscherdrang von Kindern zu widmen. Im Jahr 2002 gründeten sie in Starnberg bei München die private Bildungsinitiative Science Lab, mit der sie in Experimentierkursen bundesweit auf spielerische Weise naturwissenschaftliche Inhalte vermittelten.

          Kennen gelernt hatten sich die promovierte Chemikerin und die Diplom-Kauffrau beim Kinderturnen. Schnell waren sie sich einig: Ihre Sprößlinge beobachten ihre Umwelt aufmerksam und verlangen nach Erklärungen zu naturwissenschaftlichen Phänomenen - die sie im Kindergarten aber oft nicht in befriedigender Form erhalten. Schettler und Stuchtey trafen sich zum gemeinsamen Experimentieren, bald darauf luden sie auch Kinder aus der Nachbarschaft ein. Deren Begeisterung war groß, die beiden Frauen erkannten: Hier gibt es viel zu bewegen. Dass die frühkindliche Bildung in Deutschland stärker gefördert werden muss, darüber herrscht mittlerweile auch in Wissenschaft und Politik Konsens.

          Professionell von Anfang an

          Den beiden Beraterinnen war von vornherein klar: „Wenn wir uns in dem Bereich weiter engagieren, dann so professionell, wie wir bislang gearbeitet haben“, erzählt Schettler. Nach ihrer Promotion am Tübinger Max-Planck-Institut hatte sie in die Wirtschaft gewechselt - eine Rückkehr zu ihren naturwissenschaftlichen Wurzeln schien ihr reizvoll. Auch wenn damit der Abschied von einem guten Gehalt verbunden war. Die Ehemänner hegten zunächst Zweifel. „Meiner hat mich ausgelacht“, erinnert sich Stuchtey. Rückendeckung gaben sie ihren Frauen dennoch.

          Sonja Stuchtey und Heike Schettler

          Schettler und Stuchtey erarbeiteten ein spiralförmig aufgebautes Curriculum, das Kindern zwischen vier und zehn Jahren einen altersgerechten Zugang zu Fragen aus Biologie, Chemie, Physik, Astronomie und Geologie bietet. Während die Vierjährigen etwa die Beschaffenheit verschiedener Flüssigkeiten untersuchen, experimentieren die Grundschüler mit Luftdruck und -strömung. In punkto Didaktik setzt Science Lab auf die Methode des untersuchenden („inquiry based“) Lernens. „Die Kinder sollen nicht Wissen inhalieren und ausspucken, sondern fragen und forschen“, erläutert Stuchtey und vermittelt dabei eine Begeisterung, die anstecken kann.

          Fachliche Unterstützung - und zugleich Reputation - holten sich die beiden Frauen bei namhaften Wissenschaftlern: Schettler überzeugte ihren Doktorvater, den Kieler Werkstoffwissenschaftler Werner Weppner, sowie den Physikprofessor Gisbert zu Putlitz von ihrem Vorhaben. Die wiederum gewannen renommierte Kollegen für den wissenschaftlichen Beirat von Science Lab. Schirmherr der Initiative ist seit kurzem Erwin Neher, der Nobelpreisträger für Medizin aus dem Jahr 1991.

          Überzeugungstäter für die Bildung

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