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Karrieresprung : Vorsicht Falle: Karrierekiller Weihnachtsfeier

  • -Aktualisiert am

Freuen Sie sich schon auf die Weihnachtsfeier? Vorsicht... Selbst der geschickteste und erfolgversprechendste Angestellte kann alles, was er während eines Jahres mühsam für sein berufliches Vorankommen erreicht hat, an einem Abend im Glühwein ertränken.

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          Der Dezember ist da. Das bedeutet zunächst einmal turbulente Arbeitstage, weil das Jahresendgeschäft den ganzen Einsatz der Mitarbeiter fordert. Doch zur Freude vieler wird auch in keinem anderen Monat so viel gefeiert: Hier ein kleiner Nikolausumtrunk, dort eine Einladung beim Kunden - und natürlich bleibt auch die große Betriebsweihnachtsfeier nicht aus. Wer aber nun glaubt, dort bei Wein und Jägertee ein bißchen Dampf ablassen zu können, der irrt.

          Auf Weihnachtsfeiern ist in der Regel viel erlaubt: Es darf über alle Abteilungen hinweg geplaudert, angestoßen, getanzt und auch ein wenig geflirtet werden. Doch die Grenzen für jeden Mitarbeiter mit Karrierehoffnungen sind enger gesteckt als die meisten annehmen. Das liegt unter anderem daran, daß Vorgesetzte neugierig sind und ab und an ein Auge auf das Benehmen ihrer Mitarbeiter außerhalb der Büroräume werfen. Dazu gibt es in der Regel wenig Gelegenheit, also muß die Betriebsfeier als Maßstab herhalten. Gerät nun ein Kollege auf Festen gerne einmal außer Rand und Band, wird er schnell in die Schublade mit der Aufschrift „Vorsicht: peinlich!“ gesteckt. Das hilft seiner Karriere sicher nicht weiter - oder er gerät sogar auf die Abschußliste eines abstinenten Vorgesetzten.

          Das Rheinland ist nicht die hessische Bankenmetropole

          Natürlich ist das Etikett „außer Rand und Band“ Definitionssache. Die Manager einer rheinischen Werbeagentur sehen das mit Sicherheit entspannter als die einer Frankfurter Bankenzentrale. Jedes Unternehmen hat seine individuelle Feiertradition - die Palette reicht von staubtrocken bis hin zu feucht-fröhlich. Doch selbst, wenn am Ende der Veranstaltung einander alle trunken in den Armen liegen, sollte sich der Karrierebewußte zu dem Zeitpunkt schon davongemacht haben.

          Denn die Zeiten, in denen partyfreudige Jungvorstände in ihren Internet-Start-ups hierarchiefrei bis in die Morgenstunden mit Kollegen und dem Reinigungspersonal feierten, sind erst mal vorbei. In nahezu allen Unternehmen weht ein kälterer Wind, Karrieren wollen härter erkämpft werden, und der Führungsstil ist wieder sehr viel konservativer geworden, als er noch vor drei, vier Jahren war.

          Zehn Wege zum vorzeitigen Karriereknick

          Erfahrungsgemäß gibt es zehn Todsünden, die ein Mitarbeiter auf einer Weihnachtsfeier begehen kann, um seiner Karriere im Unternehmen ein vorzeitiges und unrühmliches Ende zu bereiten:

          - Langeweile demonstrieren: Ich stehe nur schweigend herum und schaue ständig auf die Uhr

          - Vorfeiern: Ich laufe schon mit einem Schwips ein

          - Miesmachen: Ich habe an allem etwas auszusetzen (falsches Lokal, schreckliche Musik, schlimme Dekoration, zu lange Vorrede, etc.)

          - Rüpelhaftigkeit: Wenn der Chef auf mich zukommt, ergreife ich die Flucht

          - Themen töten: Ich suche mir eine fröhliche Gruppe von Leuten und schildere ihnen minutiös den Verlauf meines stressigen, unerfreulichen Arbeitstags

          - Zu tief schürfen: Weil mir die Themen bei Tisch zu oberflächlich sind, bringe ich das Gespräch auf die Hungerhilfe für Afrika

          - Den Gastgeber düpieren: Ich bringe unangemeldet zwei Freunde mit

          - Auf die Pirsch gehen: Ich trage mein heißestes Club-Outfit und eröffne die Jagd auf attraktive Kollegen beziehungsweise Kolleginnen

          - Verweigern: Ich komme zwar widerwillig, trage aber demonstrativ meine Schlumpfklamotten (Garfield-Shirt, die Shorts mit der Didl-Maus, das Sweatshirt mit Loch und Flicken, etc.)

          - Kampftrinken: Ich bin der letzte, der geht - beziehungsweise schwankt

          Nicht umsonst lernen Manager in ihren Führungsseminaren schon frühzeitig, sich von Feiern mit Kollegen tunlichst fix und nüchtern zurück zu ziehen: Zu groß ist die Gefahr, hier auf Dauer sein Gesicht oder auch jeglichen Respekt der Mitarbeiter zu verlieren. Wer so auf seinen eigenen Ruf bedacht ist, betrachtet auch das Verhalten anderer mit Argusaugen. Die verpöntesten Tabus auf der Weihnachtsfeier für überlebenswillige Mitarbeiter heißen also: zu viel Alkohol, ungebremstes Halali auf fesche Kolleginnen/Kollegen oder peinliche Showeinlagen.

          Auch Drückeberger verlieren Punkte

          Allerdings wird auch das Gegenteil - also demonstrative Eigenbrötelei - von Vorgesetzten und Kollegen oft mit Befremden aufgenommen. Dazu gehört beispielsweise das Absondern von allen Gruppen oder augenfällige Miesepetrigkeit. Schon fragt sich manch ein Abteilungsleiter: Ist der Kollege vielleicht nicht teamfähig?

          Nun ist es nicht jedermanns Sache, in den partyüblichen Smalltalk mit einzustimmen. Doch drücken gilt nicht. Auf Betriebs- und Kundenfeiern wird nun einmal viel geredet. Über das Geschäft natürlich. Aber auch gerne über das Wetter, die Anfahrt oder die Party-Räumlichkeiten. Wenn Ihnen Smalltalk allerdings zuwider ist - und dazu gehören eine ganze Reihe von Kollegen - machen Sie am besten trotzdem gute Miene und hören wenigstens interessiert zu. Denn eine Betriebsfeier eignet sich einfach nicht dazu, für den Weltfrieden zu demonstrieren oder ernste Themen zu wälzen.

          Ein Trick, der auch in vielen Kommunikationsstudien beschrieben wird, funktioniert so gut wie immer: Wenn es Ihnen durch aufmerksames Zuhören und geschicktes Nachfragen gelingt, daß Ihr Gegenüber mit Leidenschaft und Temperament erzählt, brauchen Sie selber gar nicht viel von sich zu geben. Es ist erwiesen, daß der andere Sie trotzdem - oder gerade deshalb? - nach einem solchen Gespräch für intelligent und sehr sympathisch hält.

          Fazit: Bleiben Sie sittsam

          Kurz: Auch auf der Weihnachtsfeier sind Büro-Etikette und Hackordnung nicht aufgehoben. Jede Auffälligkeit von Kollegen wird registriert und am nächsten Tag in der Kantine genüßlich diskutiert. Wer ernsthafte Karriereambitionen hat, sollte daher zu diesen Anlässen sicherheitshalber zum lammfrommen Apostel mutieren. Selbst, wenn er privat jeden Matrosen unter den Tisch trinken könnte - hier sollte er sittsam bleiben.

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