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Karrieresprung : Teamplay in der Multikulti-Mannschaft

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Auch wenn die Welt scheinbar zum globalen Dorf geschrumpft ist: In multinationalen Teams kann es schnell zu kulturell bedingten Missverständnissen oder Konflikten kommen.

          Klingelt im Büro von Beck et al. Services das Telefon, kann man gespannt sein, in welcher Sprache geantwortet wird. Englisch, Italienisch, Französisch oder Portugisisch? Vielleicht aber auch Dänisch oder Kroatisch. Je nachdem, woher der Anrufer stammt, der Unterstützung bei einer bestimmten Software-Anwendung benötigt. Der Münchner Dienstleister bietet IT-Support für globale Firmen in neun Sprachen. Ebenso viele Nationen sind in dem 30köpfigen Team vertreten.

          Multikulturelle Teams sind die logische Konsequenz international ausgerichteter Unternehmen. Für die Mitarbeiter sind gute Englisch-Kenntnisse Pflicht - für offizielle Besprechungen, aber auch um mit den Kollegen über mehr als nur das Wetter reden zu können. Hinreichend für das wechselseitige Verständnis ist die gemeinsame Arbeitssprache aber nicht: In der Großindustrie kursiert die Schätzung, dass etwa zwei Drittel aller internationalen Joint Ventures an interkulturellen Unverträglichkeiten kranken. „Es gibt nun mal Mentalitätsunterschiede - da muss jeder im Team dazulernen“, weiß Gerry Wallner, deutsch-amerikanischer Teamleiter bei Beck et al. Services.

          Vom Sprachtalent zum Kosmopoliten

          Interkulturelle Kompetenz heißt das Zauberwort, das den sprachbegabten Mitarbeiter zum echten Kosmopoliten macht. Es besitzt sie, „wer in einem fremdkulturellen Kontext souverän agiert, das heißt, erfolgreich seine Interessen und Ziele verfolgt“, definiert Jürgen Beneke, Professor für Interkulturelle Kommunikation an der Universität Hildesheim. Erwerben kann diese Souveränität nur, wer lernfähig und offen ist. Oberstes Gebot: Sich selbst als Produkt der eigenen Sozialisation und Kultur wahrnehmen. „Ein universell gültiges 'normales Verhalten' gibt es nicht“, so Beneke. Weitere wichtige Persönlichkeitsmerkmale: Eine realistische Einschätzung der eigenen Wirkung auf andere, die Fähigkeit, dem Kontext entsprechend unterschiedliche Rollen anzunehmen sowie ein gewisses Maß an Sensibilität für die Situation und das Empfinden anderer. Selbstredend vermeidet der Weltbürger vorschnelle Urteile und erhebt seine eigene Kultur nicht über andere.

          Kulturwissenschaftler unterscheiden derer im Wesentlichen drei: In so genannten linear-aktiven Kulturen wie Deutschland oder Schweden werden einzelne Handlungsschritte auf Basis von Fakten geplant, organisiert und Schritt für Schritt erledigt. Redselige, lebhafte Völker wie in Italien, Lateinamerika oder den arabischen Ländern (multi-aktive Kulturen) generieren Informationen vorzugsweise über persönliche Kontakte, deren Bedeutung oder Unterhaltsamkeit auch schon mal Prioritäten in der weiteren Vorgehensweise setzen. In reaktiven Kulturen wie Japan oder China dominieren auch in der Geschäftswelt Höflichkeit und Respekt. Vorschläge werden aufmerksam und einfühlsam aufgenommen, freilich aber auch nie mit einem klaren Nein abgelehnt.

          Gespür für Emotionen

          Für den Leiter eines multikulturellen Teams lautet die Herausforderung: Gut beobachten, Emotionen spüren und möglichst rasch kulturbedingte von fachlichen Differenzen unterscheiden können. Er müsse wie ein Fußballtrainer besondere Begabungen und Schwächen des Einzelnen erkennen und die Mannschaft so aufstellen, dass jeder in der Position spielt, in der er am meisten zum Gesamterfolg beitragen kann, so Beneke.

          Führung wie auch das Teamplay in Multikulti-Mannschaften lässt sich lernen oder zumindest üben. Das versprechen spezialisierte Seminaranbieter wie das Institut für Interkulturelles Management (IFIM) oder das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa). In zwei Tagen vermitteln sie kulturtypische Besonderheiten in Kommunikations- und Informationsverhalten, Teamverständnis, Arbeits- und Führungsstil sowie Strategien für erfolgreiches Verhandeln und Nutzung interkultureller Synergien.

          Lehrbuchwissen reicht nicht aus

          Theoretisches Wissen mag hilfreich sein, für sich allein reiche ein „enzyklopädischer Ansatz“ aber keinesfalls aus, warnt Kommunikations-Experte Beneke. Wer andere Kulturen und ihre Variationen verstehen will, muss mit eigenen Augen schauen und systematisch beobachten: Welche Rolle spielt der Smalltalk, wie weit berühren Fragen das Privatleben, welche Varianten der Begrüßung gibt es? Um dann zu vergleichen: Wie unterscheidet sich dies vom eigenen Kommunikationsverhalten?

          Ob man freilich die grundlegende Voraussetzung für kulturelles Verständnis - Offenheit - lernen kann, ist zu bezweifeln. „Ernst gemeintes Interesse spürt man“, weiß Rafael Maja, brasilianischer Mitarbeiter bei Beck et al. Services.

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