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Karrieresprung : Schwierige Jagd nach dem hehren Ideal

  • -Aktualisiert am

Nach Jahren der Flaute zieht das Geschäft der Headhunter wieder an. Hohe Ansprüche der Unternehmen und zögerliche Kandidaten machen die Suche nach den besten Köpfen jedoch schwierig.

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          Die Jagd nach den besten Köpfen gewinnt wieder an Schwung. Nach dem Ausnahmejahr 2000 und der darauf folgenden Flaute verzeichneten die Personalberater in Deutschland 2004 erstmals wieder Wachstum. Der Gesamtumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 16 Prozent auf 880 Millionen Euro, die Zahl der Suchaufträge auf 41.500. Das zeigt eine aktuelle Marktstudie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU).

          Das Gros der Stellen wurde von kleinen Personalberatungen mit einem Jahresumsatz von weniger als einer halben Million Euro besetzt. Sie machen rund 1.500 der bundesweit etwa 1.700 Anbieter aus. Häufig handelt es sich dabei um Einzelkämpfer, nicht selten um Ex-Manager oder -Personalleiter. Die lukrativen Posten werden meist von den großen Beratungen vergeben. Zu den Branchenführern zählen hierzulande Kienbaum Executive Consultants, gefolgt von Egon Zehnder International, Heidrick & Struggles sowie der Baumann Unternehmensberatung. Gemeinsam halten die Top 20 Berater einen Marktanteil von 40 Prozent.

          Hochspezialisierte Alleskönner gesucht

          Zu den wichtigsten Auftraggebern der Headhunter zählten im vergangenen Jahr Unternehmen aus den Branchen Hightech, Automobil, Investitions- und Konsumgüter. Besonders gefragt waren erfahrene Ingenieure, technische Spezialisten, Verkaufsleiter und Controller. Freilich keine mit Standardprofil: Neben ihren Kernkompetenzen sollten die Kandidaten auch unternehmerisches Denken mitbringen, um den Vertrieb anzukurbeln. „Die Kombination aus technischem Know-how und Vertriebserfahrung ist aber immer noch ein Mangelmarkt“, so BDU-Vizepräsident Joachim Staude.

          Generell, so klagen die in der Studie befragten Berater, definieren die Auftraggeber ihre Anforderungsprofile zunehmend eng und zugleich komplex. Das geforderte, exakt auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnittene Spezialistentum lasse sich nicht immer komplett extern einkaufen, sagt Staude. Die Bereitschaft zur Personalentwicklung aber sei in den vergangenen Jahren häufig einem allzu vorsichtigen Taktieren geopfert worden. Dem Berater bleibt die schwierige Aufgabe, den Kunden von seinem idealisierten Wunschprofil abzubringen. Staude: „Das ist wie bei der Partnerwahl - da muß man in der Realität auch hie und da Abstriche machen.“

          Globalisierung auf Ebene der Mitarbeiter

          Oder weiter werben und das Balzrevier ausdehnen: „Im Top-Segment wird der Personalmarkt immer internationaler“, sagt Hendrik Balonier, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kienbaum Executive Consultants. Im Zuge des Strukturwandels richten sich viele Unternehmen - von Banken über Pharmafirmen bis hin zu Mittelständlern - global aus. Dafür suchen sie Manager mit internationaler Erfahrung. In Deutschland aber gebe es nur wenig echte Global Player, bei denen man die versierten Köpfe könnte, meint Balonier. „Die Globalisierung ist bei der Suche nach einzelnen Mitarbeitern angekommen“, bestätigt Staude.

          Wachsende Ansprüche und ein internationales Suchfeld machen für die Headhunter die Suche langwierig. Hinzu kommt, daß die angesprochenen Kandidaten nicht gerade mit wehenden Fahnen überlaufen: „Die Wechselwilligkeit ist in unsicheren Zeiten auch bei Schlüssel- und Top-Positionen nicht sehr groß“, sagt Balonier. Geld allein lockt nicht. Hoch im Kurs stehen der BDU-Studie zufolge attraktive Angebote zur Weiterbildung sowie Programme zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit bzw. Familie.

          Kandidaten mit Erfahrung aus der Wirtschaft

          Auch wenn die tägliche Arbeit der Headhunter nach ihrem Empfinden schwieriger geworden ist: Für das laufende Jahr gibt sich die Branche trotz anhaltend schlechter Konjunktur weiter optimistisch. Beflügelt zum einen durch das wachsende Auslandgeschäft. Aber auch hierzulande gebe es viel zu tun, sagt Staude: „Viele Personalentscheidungen sind lange zurückgehalten worden.“

          Neben Wachstum in angestammten Kundenbranchen erwarten sich die Headhunter verstärkt auch Aufträge von der Öffentlichen Hand. Denn, so die Hoffnung: Wo mit spitzer Feder gerechnet werden muß, sind Kandidaten mit Erfahrung aus der Wirtschaft gefragt.

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