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Karrieresprung : Rundum sorglos ins Ausland

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Unternehmen benötigen grenzenlos mobile Führungskräfte. Auf deren Umzug und Eingewöhnung haben sich Relocation-Agenturen.

          2 Min.

          Märkte wachsen, Unternehmen agieren zunehmend international, die vielzitierte Globalisierung schreitet voran. Müßig zu erwähnen, dass die besten Geschäfte macht, wer Arbeits- und Verhandlungsstil des Partners kennt, seine Sprache spricht und sich für die Kultur interessiert. Begehrt sind demzufolge Mitarbeiter, die willens sind, die Interessen Ihres Arbeitgebers eine Zeit lang im Ausland zu vertreten. Für 64 Prozent der deutschen Unternehmen ist grenzenlose Mobilität ein wichtiges Kriterium bei der Rekrutierung von Führungskräften. Tendenz: steigend.

          Die Manager aber zeigen sich heimatverbunden. Grundsätzlich können sich nur 14 Prozent der Deutschen vorstellen, jenseits der Grenzen zu arbeiten. Die meisten davon sind jung und verfügen über entsprechend wenig Berufserfahrung. Sind die ersten Meriten verdient, lockt das Ausland selten. Unter den Reisewilligen besetzt lediglich jeder Fünfte eine Führungsposition. Das ermittelte die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) in einer aktuellen Studie. Befragt wurden über 400 Firmen und 8.000 Arbeitnehmer in acht Ländern Europas.

          Orientierungsspaziergang inklusive

          Die Studie zeigt aber auch: Im Vergleich zu ihren europäischen Kollegen sind deutsche Manager deutlich mobiler. Möglicherweise, weil Sie von ihrem Arbeitgeber mehr Unterstützung erhalten. Neben vorbereitenden Sprach- und interkulturellen Trainings gewähren einige Firmen auch die Services so genannter Relocation-Agenturen.

          Dabei handelt es sich um spezialisierte Dienstleister, die bei Umzug und Eingewöhnung in die neue Umgebung helfen. Wie weit die Betreuung reicht, variiert je nach Anbieter. Sie beginnt bei der Wohnungssuche. Der „Relocator“ sucht ein Objekt nach den Wünschen des Klienten, regelt die Übernahme, beaufsichtigt die Handwerker und kümmert sich um den Telefonanschluss. So gewünscht, richtet er gleich auch die Einweihungsparty aus.

          Anschließend wird der Neuankömmling auf einem Orientierungsspaziergang mit seiner neuen Umgebung vertraut gemacht: Welche öffentlichen Verkehrsmittel gibt es, wo befindet sich der nächste Briefkasten, Supermarkt, Squash-Club. Wer sich in der Landessprache noch unsicher fühlt, kann sich auch bei Behördengängen oder zur Eröffnung eines Bankkontos begleiten lassen. Der Relocator ist in der Regel einige Wochen lang über eine Hotline mit seinem Schützling verbunden. Erweist sich der Alltag fern deutscher Normen als tückisch - Anruf genügt. Selbst wenn es sich nur um den Wunsch handelt, neben dem ewig labbrigem Weißbrot mal wieder in ein Vollkornbrötchen zu beißen.

          Wohlfühl-Programm für die Familie

          Der entsendete Mitarbeiter lebt sich allmählich ein. Ob sein Aufenthalt von Dauer ist, hängt in großem Maße aber auch davon ab, ob sich die mitgereiste Familie wohlfühlt. Das ergab eine Umfrage der französischen Relocation-Agentur Management Mobility Consulting bei 44 deutschen Firmen. Einige Dienstleister kümmern sich daher auch um Kinderbetreuung, die passende Schule sowie die Integration des Partners - etwa durch Vermittlung von Kontakten zur deutschen „Community“ vor Ort.

          Freilich: Auch in dieser Branche gibt es Spreu und Weizen. Die Berufsbezeichnung des Relocation-Spezialisten ist nicht geschützt, eine offizielle Qualifizierung gibt es nicht - abgesehen von einem eintätigen Crashkurs, den die European Relocation Association anbietet. Der Berufsverband zählt hierzulande 15 Mitglieder.

          Entscheidend ist der Lebensstandard

          Genutzt wird der Rundum-Umzugs-Service in der Regel von großen Unternehmen. Die Investition - je nach Umfang der Dienstleistung um 2.500 Euro - lohne sich, versichern die Spezialisten. Denn: Ohne professionelle Unterstützung koste die Vorbereitung des Auslandsaufenthalts die Zeit der Personalverwaltung sowie die Nerven des vorübergehend entwurzelten Mitarbeiters.

          Auf dessen Idealismus sollte der Arbeitgeber besser nicht bauen. Erweiterung des Horizonts, verbesserte Sprachkenntnisse - alles schön und gut. Größter Anreiz für einen beruflichen Auslandsaufenthalt ist bei Deutschen wie Europäern aber die Aussicht auf einen besseren Lebensstandard, so die PwC-Studie.

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