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Karrieresprung : Neustart in Toronto

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Und ewig lockt das Ausland - China, Singapur, Kanada. Doch wie lebt und arbeitet es sich dort wirklich? Was läuft besser, schlechter, anders als hierzulande? FAZ.NET berichtet in den kommenden Wochen über Menschen, die einen beruflichen Neuanfang im Ausland gewagt haben.

          Wie führt man eine Abteilung im nordchinesischen Shenyan, ohne ein Wort Mandarin zu sprechen? Wie lassen sich in Singapur Kind und Karriere auf einen Nenner bringen? Welche Erfahrungen macht ein Mittdreißiger, der der Liebe wegen seine lukrative Festanstellung aufgibt und sich in Toronto in die Selbständigkeit wagt? FAZ.NET lässt in den kommenden Wochen Menschen zu Wort kommen, die den Sprung ins ferne Ausland gewagt haben. Sie schildern, wie sich die globalisierte Arbeitswelt konkret anfühlt.

          Markus Kastner* (38), Toronto

          „Es gibt viele Gründe, zu kündigen: 'Mal was anderes' machen, 'sich verbessern' oder weil man - wie es heißt - in den ersten Berufsjahren sowieso alle zwei Jahre wechseln sollte, sonst wird das nichts mit der Karriere. Andere haben einen doofen Chef, Burn-out, Bore-out, oder alles zusammen. Ich habe gekündigt, weil meine Freundin versetzt worden ist.

          Nach Toronto in Kanada. Bevor ich mich Familie, Freunden und dem Chef gegenüber offenbarte und ihren nahe liegenden Fragen nach der eigenen beruflichen Zukunft stellte, hatte ich mich selbst gefragt, ob der Plan aufgehen kann: Freundin macht Karriere, ich schmeiß' hin. Natürlich kann das aufgehen, aber ich bin anders erzogen worden: Finanzielle Sicherheit kommt vor Abenteuerlust und Risikofreude.

          Erfahrungen sammeln, jeden Tag

          Mittlerweile bin ich sechs Monate in Kanada, meine Freundin fast ein Jahr. Die Entscheidung haben wir gemeinsam getroffen, in einem längeren Prozeß und anhand einer sich ständig verfeinernden Pro/Contra-Matrix. Bereut haben wir den Schritt bislang kein einziges Mal. Was im Umkehrschluß nicht heißt, dass wir hier ein völlig sorgenfreies Leben führen. Aber unsere guten Gründe haben nichts von ihrer Argumentationskraft verloren: Wir wollten Arbeits- und Lebenserfahrung im Ausland sammeln - und das tun wir jeden Tag.

          Meine Freundin in ihrem Job mit extrem steiler Lernkurve, ich mit meiner Ein-Mann-Unternehmung („Sole Proprietorship“ heißt das hier). Und beide gemeinsam in unserem sich stetig vergrößernden sozialen Netz. Ein begrüßenswerter Nebeneffekt unseres zunächst auf drei Jahre begrenzten Ausflugs könnte sein, dass wir beide unsere Position auf dem internationalen Arbeitsmarkt verbessern. Interkulturelle Versiertheit und Mehrsprachigkeit sind schließlich die Schlüßel zur globalen Wirtschaft, oder?

          Toronto ist der ideale Ort, um Globalisierung zu üben. Nirgendwo sonst habe ich mich bislang so zu Hause und gleichzeitig auf Reisen gefühlt. Mit ihren fünfeinhalb Millionen Einwohnern ist die Greater Toronto Area eine der größten nordamerikanischen Megastädte. Dabei aber um ein Vielfaches sicherer, die sozialen Unterschiede sind weniger stark ausgeprägt. Die Region (vielleicht auch ganz Kanada) hat einen Weg gefunden, Menschen eine neue Heimat zu bieten, ohne ihnen ihre alte zu nehmen. Die Einwanderer sind jung, kommen aus der ganzen Welt und prägen das gesamte Stadtleben. Selbst der Supermarkt bietet eine Vielfalt an Gemüse- und Reissorten, die mich anfangs überfordert hat. Restaurants auszuprobieren und sich darüber auszutauschen gehört fast zu jedem Gespräch mit Bekannten. Mein hiesiges Leben hat mehr Würze.

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