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Karrieresprung : Neustart in Toronto

  • Aktualisiert am

Zugegeben: Ich habe leicht reden. Nach acht Jahren Vollzeitarbeit im deutschen Medien- und PR-Bereich genieße ich jetzt wieder mehr Autonomie. In meinem Kopf ist Platz für neue Eindrücke - auch für die Wiederentdeckung des Geschmackssinns.

Selbständig ohne Druck

Da meine Freundin und ich nicht gleichermaßen Arbeitgeber, Karrierestufe und Gehalt ins Ausland mitnehmen konnten, bin ich es, der beruflich hier zunächst kleinere Brötchen backt. Ich hatte großes Glück und kann noch einige Aufgaben für meinen alten Arbeitgeber in Deutschland erledigen. Über Kontakte in der Firma meiner Freundin kam ich zudem an einen Auftrag, aus dem gerade eine interessante Perspektive entsteht.

Damit alles seine Ordnung hat, habe ich vor einigen Monaten eine Firma gegründet. Dabei war die Selbständigkeit nie mein besonderes Ziel. Lernen kann man besser in einem Umfeld mit klugen Köpfen, das ist nach wie vor meine Vorstellung. Und das ist es auch, was ich am meisten vermisse. Doch erstens macht es Kanada einem Neuankömmling wirklich sehr leicht, Unternehmer zu werden: zwei Stunden auf dem Amt, 80 kanadische Dollar bezahlen, das war's. Und zweitens lohnt sich die Firmengründung steuerlich.

Der persönliche Auftritt zählt

Zwei Aufträge habe ich mittlerweile abgeschlossen, die Erfahrungen sind ungeheuer wertvoll. Ich weiß jetzt wesentlich besser, was ich kann (Erfahrung, ein klarer Kopf und schnelles Internet sind ein guter Anfang) und was nicht (PowerPoint-Arbeiten kaufe ich lieber ein, das geht schneller). In den ersten Meetings mit Kunden und Zulieferern bekam ich Einblick in die kanadische Art, Geschäfte zu machen. Auch wenn pauschale Urteile schwierig sind: Meiner Erfahrung nach hängt hier mehr vom persönlichen Auftritt ab als in Deutschland.

Und: Viele Dinge funktionieren kanadisch-spontaner. Wer sich's schön reden will, nennt es „entrepreneurial culture“, ich nenne es „under-managed“. In der Regionalorganisation des Konzerns, für den meine Freundin arbeitet, wachsen Organisation und Personal nicht im gleichen Tempo wie von der deutschen Unternehmensführung geplant. Eine gewisse Atemlosigkeit im Tagesgeschäft läßt anscheinend wenig Zeit für strategische Aufgaben

Wenig Zeit zu zweit

Die Zeit zu zweit ist hier knapper bemessen als es in Deutschland der Fall war. Wenn wir es während der Woche schaffen, in den frühen Abendstunden eine Runde Tennis zu spielen, spazieren oder Essen zu gehen, ist das ein guter Tag. Die letzten Stunden des Tages gehören dann wieder Laptop und Mailbox. Allerdings hat das bisher unserem Gemeinschaftsgefühl noch keinen Abbruch getan, wage ich zu behaupten. Gemeinsam ins Ausland zu ziehen, schweißt zusammen.

Auch in Kanada geht die ewige Suche nach der perfekten „Work-Life-Balance“ natürlich weiter. Meine Freundin könnte mich engagieren und ich nehme ihr Arbeit ab, denn davon hat sie reichlich. Vielleicht finde ich wieder eine Festanstellung. Oder: Ich nutze die gewonnene Freiheit und mache noch einen kanadischen Abschluß, vielleicht einen Executive MBA. Das würde mir gefallen. So könnte ich in einigen Jahren, unabhängig vom Ort, wieder in einer spannenden Position einsteigen. Das ist vielleicht nicht das perfekte Modell, aber ein nahezu perfektes: das gemeinsame Lebensarbeitszeitkonto.

* Name geändert

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