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Karrieresprung : Neustart in Shenyang

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Fünf Arten, ja zu sagen gibt es China - zu diesem Schluss ist jedenfalls Ulrike Peters gekommen. Als sie ihre neue Arbeit in der chinesischen Industriemetropole Shenyang antrat, musste sie einiges lernen - nicht nur über Kommunikation. Vierter Teil unserer Serie über berufliche Neuanfänge im Ausland.

          Ein paar Wände einziehen und verputzen, Boden verlegen, Möbel einbauen - es kann so schwierig nicht sein, dachte sie. Doch Chinaneuling Ulrike Peters*, frischgebackene Laborleiterin eines deutsch-chinesischen Unternehmens in der nordchinesischen Industriemetropole Shenyang wurde prompt eines Besseren belehrt.

          Blauäugig sei die Entscheidung gewesen, die Verantwortung für den Bau des Labors „blind“ den zuständigen Abteilungen und Mitarbeitern zu übertragen, sagt sie heute. Der Schreiner war fast fertig, als sie gegen Ende der ohnehin schon überzogenen Bauzeit die Baustelle besichtigte, nur leider lag in den Räumen noch immer kein Boden. Die Lösung der chinesischen Mitarbeiter nach einstündiger Diskussion: Man beschloss, den Boden einfach um die Möbel herumzulegen. Schlussendlich wurden auf Peters Anweisung die Möbel wieder herausgerissen, der Möbelbauer machte sich ohne mit der Wimper zu zucken auf die 2000 km lange Heimreise, um zwei Wochen später wieder anzureisen und sein Werk zu vollenden. Denn Zeit, auch das hat die 38jährige, ledige Niederbayerin mittlerweile gelernt, „davon gibt es in China genug. Es ist alles möglich, aber es braucht seine Zeit, und die muss man sich halt nehmen. Geduld üben ist eine der Tugenden, die man sich hier als Erstes aneignet. “

          Kultur der Eigenverantwortung existiert nicht

          Sämtliche Arbeitsschritte en detail vorgeben, nichts als logisch und selbstverständlich voraussetzen - wer als Führungskraft bestehen will, muss diese Lektion schnell verinnerlichen. Eine selbständige Entscheidung treffen, Stellung beziehen, nachhaken, wenn etwas nicht verstanden wurde, entspricht nicht chinesischer Mentalität, so Peters Erfahrung nach fast drei Jahren in China. „Ganz typisch ist, dass Aufgaben dann einfach liegengelassen werden, wenn die Mitarbeiter nicht mehr weiter wissen“, sagt sie. In einer Mappe für jeden Mitarbeiter ist daher jede ihm übertragene Aufgabe dokumentiert. In regelmäßigen Abständen fragt sie den Stand des Projekts ab, bietet ihre Unterstützung an, mischt sich - was bei ihren chinesischen Mitarbeitern „dankbar“ angenommen wird - haarklein in deren täglichen Aufgaben ein.

          Sind die notwendigen Prozesse aber einmal eingespielt „geht es in einem rasenden Tempo voran. Da kommen wir mit unserer „deutschen Gründlichkeit“ gar nicht mehr nach“ relativiert sie zugleich. Eine weitere Eigenheit besteht im „Geschichten erzählen“, wie sie die Fertigkeit bezeichnet, die auch jeder Taxifahrer selbst dann noch meisterhaft beherrscht, wenn längst schon klar ist, dass er nicht weiß, wo die Fahrt eigentlich hingehen soll. „Man bekommt auf jede Frage eine Antwort. Ob es die richtige ist, sei dahin gestellt“, beschreibt sie ein Verhaltensmuster, das sie „anfangs oft in den Wahnsinn getrieben hat.“

          Fünf Arten, ja zu sagen

          Mittlerweile weiß sie damit umzugehen. „In heiklen Dingen mache ich eine repräsentative Umfrage. Wenn Antworten identisch ausfallen, bin ich zumindest etwas sicherer, dass es sich auch um die richtige Antwort handeln könnte.“ Dabei ist gerade in Meetings Geduld gefragt, befördert doch allein eine einfache Frage ausgiebige, dann oft ins Chinesische abdriftende Diskussionen. Ursächlich für deren Dauer ist ein wesentliches, auch im Alltagsleben gültiges Kommunikationsritual. „Es muss alles immer wieder bestätigt werden. Was nicht mindestens dreimal bestätigt wurde, ist nicht wichtig.“

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