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Karrieresprung : Mit Erfolg verkaufen

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Erfolgreich ein Unternehmen zu gründen und Arbeitsplätze zu schaffen ist auch in Krisenzeiten möglich. Entrepreneur Georg Nagl im Interview über seine Einstellung zum Spaß bei der Arbeit und die Schattenseiten des Unternehmertums.

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          Erfolgreich ein Unternehmen zu gründen und Arbeitsplätze zu schaffen ist auch in sogenannten Krisenzeiten möglich. Georg Nagl, 40 Jahre, Diplom-Biologe, hat es vorgemacht. Der Gründer und Geschäftsführer der pharmexx GmbH wurde 2002 bei einer Veranstaltung der Unternehmensberatung Ernst & Young zum Entrepreneur des Jahres in der Kategorie Start-up Unternehmen gewählt. Pharmexx bietet Vertriebskapazitäten für die pharmazeutische Industrie bis hin zur eigenverantwortlichen Vermarktung pharmazeutischer Produkte an. Im europäischen Wettbewerb „Europe´s 500 Job Creating Companies“ in Deutschland erreichte er im Jahr 2003 Platz 2 und 2004 Platz 1.

          Im Interview spricht Nagl über seine Gründungsphilosophie, seine Einstellung zum Spaß bei der Arbeit, den Schattenseiten des Unternehmertums und Tipps für angehende Neu-Gründer.

          Sie haben sich 1999 selbständig gemacht. Derzeit beschäftigen Sie rund 1.500 Mitarbeiter, Ende des Jahres sollen es voraussichtlich 2.800 Mitarbeiter sein. Überrascht Sie der Erfolg?

          Die Dynamik überrascht mich. Am Erfolg selbst habe ich jedoch nie gezweifelt. Die Kunden flexibel in ihrer Vertriebsstrategie zu unterstützen, ist für mich nach wie vor eine wirklich tragfähige Geschäftsidee. Und dann haben wir ganz konservativ geplant. Die Kosten, die wir am Anfang hatten, die waren absolut minimal. 50qm, drei Leute, die gerade mal 4.000 DM Brutto verdient haben - da hätten wir lange, sehr lange aushalten können. Und wenn man es lange aushalten kann, dann ist die Wahrscheinlichkeit zu scheitern extrem gering.

           Georg Nagl
          Georg Nagl :

          Worin sehen Sie das Geheimnis Ihres Erfolgs?

          Wir haben die richtigen Mitarbeiter eingestellt, und wir führen sie so, daß ihnen die Arbeit Spaß macht. Arbeit macht nämlich Spaß oder krank. Das ist Fakt. Diese Freude an der Tätigkeit muß auch als hoher Wert über allem stehen. Wichtig ist auch, daß wir langfristige Ziele verfolgen und finanziell auf dem Boden bleiben. Glück gehört natürlich auch dazu.

          Wie führen Sie denn, damit den Mitarbeitern der Spaß an der Arbeit nicht vergeht?

          Wir nutzen die natürliche Energie eines jeden Mitarbeiters. Meiner Meinung nach ist jeder Mensch ein bestimmter Typ. Es gibt die Rationalen, bei uns die Blautypen, die sind nicht so gut im Führen, sie kommen auch nicht so gut mit der Community zurecht, aber sie können sich bestimmte Sachen perfekt merken - wie Paragraphen oder Verordnungen. Diese Menschen können Sie nicht mit viel Geld motivieren, auch nicht mit Freiräumen. Bei diesen Menschen ist es wichtig, dass Sie ihnen ein Heim-Gefühl geben und ganz konkrete Arbeitsaufgaben. Anderen Typen sind Freiheiten, das Ansehen oder Geld wichtig. Das müssen Sie immer individuell einschätzen und dann diesem Menschen gerecht werden.

          Sie hatten vor Ihrer Selbständigkeit eine hoch dotierte Stelle im Vertrieb einer Pharmafirma. Was reizte Sie daran, sich selbständig zu machen?

          In meiner alten Firma hatte sich mental etwas geändert. Zuerst war es eine Dienstleistungsfirma, die relativ ideal gelaufen ist. Dann wurde sie von den Amerikanern aufgekauft und plötzlich hingen an den Wänden so dumme Sprüche wie „Du bist der Beste“ oder „Glaube an Dich“. Da habe ich mich nicht mehr so wohl gefühlt. Dazu kam noch, dass ich eine Stelle im europäischen Ausland antreten sollte. Als sehr bodenständiger Mensch wollte ich jedoch nicht mein halbes Leben im Flugzeug verbringen. Da reifte der Entschluß, mich selbständig zu machen.

          Sehen Sie trotz des Erfolgs Schattenseiten am Unternehmer Dasein?

          Die Firma wird einem extrem wichtig. Das kann man nicht halbtags machen. Manchmal fühle ich mich als Gehetzter. In manchen Zeiten gelingt mir der Spagat zwischen den Anforderungen der Firma und den Bedürfnissen der Familie kaum. Meine Frau versteht nicht immer, warum ich 14 Stunden am Tag arbeite, wenn doch alles so gut läuft.

          Sie haben Biologie studiert. Hilft Ihnen dieser Hintergrund für Ihre jetzigen Aufgaben?

          Ja. In der Biologie lernt man große Probenreihen zu machen, die dabei erhobenen Daten zu interpretieren und aus den Ergebnissen wieder Rückschlüsse für das weitere Vorgehen zu ziehen. Außerdem arbeitet man schon früh sehr selbständig. Im Nachhinein betrachtet, ist es genau das, was man auch als Unternehmer macht. Aber mich hat auch die Erfahrung geprägt, daß ich nach dem Examen nicht in der Gentechnologie arbeiten konnte - es gab einfach keine Stellen. Ich habe mich also umorientiert und bin einen anderen Weg gegangen. Dabei hat mich immer geärgert, daß in Deutschland formale fachliche Abschlüsse so wichtig genommen werden. Wir bei pharmexx gehen einen anderen Weg. Wir bilden unsere Mitarbeiter nicht fachlich weiter. Immer nur persönlich. Wer persönlich wächst, der hat auch die besten Voraussetzungen, um sich das fachliche Know-how sehr schnell selber anzueignen.

          Sie haben auf dem 17. Gründermarkt des Forum Kiedrich vor Start-ups und Mentoren, Business Angels und Unternehmern gesprochen. Was haben Sie den Neu-Gründern mit auf dem Weg gegeben?

          Es gibt keinen Grund zum Jammern. Auch in Krisenzeiten. Krisen sind etwas ganz Natürliches. Sie gehören zum Leben. Sie zeigen an, daß Veränderungen angebracht sind. Auch die Konkurrenz gehört zum Leben. Dabei sollte jeder nur auf sich schauen und das ausbauen, was er besonders gut kann. Eingebunden in eine langfristige Unternehmensstrategie ist dies eine gute Voraussetzung, mit der eigenen Firma erfolgreich zu werden.

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