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Karrieresprung : Mailand, Mode, Master

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Mode gehört zu Mailand ebenso wie das Teatro alla Scala und der Dom. Die Hauptstadt der Lombardei steht auch für eine der angesehensten privaten Hochschulen Italiens. Dort werden Führungskräfte der Modebranche gemacht.

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          Mode gehört zu Mailand ebenso wie das Teatro alla Scala und der Dom. Die Hauptstadt der Lombardei steht aber auch für eine der angesehensten privaten Hochschulen Italiens, die in den großen internationalen Ranglisten regelmäßig einen führenden Rang einnimmt: die Bocconi Universität und deren Ableger für Managementausbildung, die Scuola di Direzione Aziendale dell' Universita, kurz SDA Bocconi.

          Unweit des Zentrums der Wirtschaftsmetropole, wenige Fußminuten von der Piazza del Duomo gelegen, verbinden sich an dieser Schule die Mode-Industrie und eine Ausbildung von internationalem Renomee zu einem ganz besonderen Ausbildungsfach. SDA Bocconi bietet den Studiengang zum Master in Fashion, Experience & Design Management (Mafed). Der Mafed wendet sich an Studenten, die bereits ein Hochschulstudium absolviert haben und auf mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, nicht aber zwingend in der Modebranche, verweisen können.

          Gutes Preis-Leistungsverhältnis in Mailand

          Ein Jahr lang, immer von Januar bis Dezember, werden in Vollzeit-Ausbildung die Fähigkeiten vermittelt werden, die heute für Führungskräfte in der Mode- und Designbranche unverzichtbar sind. Unterrichtssprache ist englisch. Dabei nutzen die Mailander die Infrastuktur ihrer Branche vor Ort. In Zusammenarbeit mit dem italienischen Unternehmensnetzwerk Altagamma gestalten sie die Ausbildung möglichst praxisnah. Altagamma unterstützt die Ausbildung durch Gastredner und Stipendien und ermöglicht Unternehmensbesuche sowie Feldstudien.

          Gegründet im Jahre 1902 von dem Industriellen Luigi Bocconi widmet sich die Hochschule traditionell der Forschung und Lehre in den Wirtschafts-, Verwaltungs- und Rechtswissenschaften. 1971 wurde zusätzlich SDA ins Leben gerufen, um gezielt den Führungsnachwuchs für Unternehmen auszubilden. Die Schule hat sich einen sehr guten Ruf erarbeitet. In der Rangliste der Financial Times 2005 belegte die MBA-Ausbildung der Mailänder den 42. Platz weltweit und Platz elf in Europa. Besonders stolz ist man bei Bocconi auf den ersten Rang des Forbes Rankings MBA 2003 für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aller Schulen. Die aktuelle Rangliste der Financial Times 2005 erkennt SDA in dieser Kategorie weltweit den 25. Rang zu. Das ist unter den europäischen Spitzenhochschulen ein sechster Platz.

          Nationale Institution im Dienste Italiens

          Für das Studienjahr 2006 muß jeder Student 19.500 Euro an die Schule zahlen. Damit sind alle wesentlichen Aufwendungen für den Lehrbetrieb und die -materialien abgedeckt, einschließlich italienischer Sprachkurse und eine mögliche Teilnahme am Standardtest für Italienisch CILS. Einige Bücher müssen allerdings extra bezahlt werden. Die Lebenshaltungskosten für einen Monat in Mailand veranschlagt die Schule mit etwa 1.400 Euro pro Person.

          Die Bewerbung verläuft in zwei Phasen: In der ersten reicht man die Unterlagen ein. Ist alles in Ordnung, wird man zum Eignungstest zugelassen, der die persönliche Einstellung und die Fähigkeiten des Kandidaten ermitteln will. Der Test beinhaltet eine Fallstudie und eine Diskussion und wird per E-Mail zu den Kandidaten geschickt. Einzelheiten über die Aufnahmevoraussetzungen finden sich unter www.sdabocconi.it.

          Marathon-Mann mit angelsächsischen Ambitionen

          Bocconi versteht sich als nationale Institution im Dienste der sozialen und ökonomischen Entwicklung Italiens. Dieser selbstgesetzte Auftrag lasse sich nach den Worten des Dean Maurizio Dallocchio bestens mit der internationalen, offenen Ausrichtung der Schule vereinbaren: „Nur eine weltweit anerkannte, sehr gute Ausbildung zieht einerseits genug Studenten und Lehrkräfte aus aller Welt zu uns nach Mailand und stellt andererseits sicher, daß unsere Absolventen überall attraktive Führungspositionen bekleiden können.“ So sei durch ausländische Studenten, die nach ihrer Ausbildung im Lande blieben, eine stete Belebung der italienischen Wirtschaft gewährleistet. Und umgekehrt sei durch die Entsendung der Bocconi-Studenten in Leitungsfunktionen rund um den Globus Italien am besten gedient, die Mission der Schule also erfüllt, sagt Dallocchio.

          Der drahtige Dean, dessen Büro die Fotos seiner Zieleinläufe beim New-York-Marathon - er braucht nur knapp über drei Stunden - zieren, hat mit der traditionsreichen Universität einiges vor. Noch vor kurzem finanzierte sich Bocconi weitgehend ohne Drittmittel allein über Studiengebühren und Einnahmen aus den vielen maßgeschneiderten Studiengängen, die Unternehmen für ihre Zwecke und Bedürfnisse bei Bocconi buchen können - ein Besonderheit, die aus der überwiegend von Klein- und Kleinstbetrieben geprägten italienischen Wirtschaft herrührt. Diese Unternehmen sind nicht in der Lage, eigene Akademien für die Fortbildung ihres Managements zu unterhalten, sie werden zahlende Kunden bei SDA.

          Alumni-Netzwerk muß noch geknüpft werden

          Künftig will man aber auch in Mailand Mittel aus der Wirtschaft einwerben und finanzielles Engagement von dritter Seite zulassen. Die Befürchtung, daß die Freiheit der Forschung und der Lehre darunter leiden könne, teilt Dallocchio nicht: „Die starke freiheitliche Tradition unserer Schule ist stark genug, um jedem Versuch der Einflußnahme von außen zu widerstehen.“ Außerdem zeigten viele Beispiele vor allem aus dem angelsächsischen Raum, daß ein Teil der Finanzierung über Mittel aus der Wirtschaft einer Universität nicht schaden müssen.

          Auch an einer weiteren Besonderheit der angelsächsischen Universitäten will sich Dallocchio ein Beispiel nehmen. So soll der Ausbau und die Pflege des Netzwerkes der Absolventen in viel stärkerem Maße betrieben werden als bislang. Derzeit weiß die Schule nicht einmal, wohin es all ihre Studenten verschlagen hat.

          Der Aufbau einer Alumni-Datenbank ist im Gange. Regelmäßige Treffen in Mailand und die Bildung lokaler „Bocconianer“-Gruppen in verschiedenen Ländern und Wirtschaftszentren sind zum Teil etabliert oder im Aufbau begriffen. Dies soll die Marke Bocconi weltweit stärken. Dallocchio verspricht sich „von der Bergung dieses ungehobenen Schatzes“ für die Schule, ihre Studenten und Absolventen einen spürbaren Gewinn.

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