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Karrieresprung : Mailand, Mode, Master

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Marathon-Mann mit angelsächsischen Ambitionen

Bocconi versteht sich als nationale Institution im Dienste der sozialen und ökonomischen Entwicklung Italiens. Dieser selbstgesetzte Auftrag lasse sich nach den Worten des Dean Maurizio Dallocchio bestens mit der internationalen, offenen Ausrichtung der Schule vereinbaren: „Nur eine weltweit anerkannte, sehr gute Ausbildung zieht einerseits genug Studenten und Lehrkräfte aus aller Welt zu uns nach Mailand und stellt andererseits sicher, daß unsere Absolventen überall attraktive Führungspositionen bekleiden können.“ So sei durch ausländische Studenten, die nach ihrer Ausbildung im Lande blieben, eine stete Belebung der italienischen Wirtschaft gewährleistet. Und umgekehrt sei durch die Entsendung der Bocconi-Studenten in Leitungsfunktionen rund um den Globus Italien am besten gedient, die Mission der Schule also erfüllt, sagt Dallocchio.

Der drahtige Dean, dessen Büro die Fotos seiner Zieleinläufe beim New-York-Marathon - er braucht nur knapp über drei Stunden - zieren, hat mit der traditionsreichen Universität einiges vor. Noch vor kurzem finanzierte sich Bocconi weitgehend ohne Drittmittel allein über Studiengebühren und Einnahmen aus den vielen maßgeschneiderten Studiengängen, die Unternehmen für ihre Zwecke und Bedürfnisse bei Bocconi buchen können - ein Besonderheit, die aus der überwiegend von Klein- und Kleinstbetrieben geprägten italienischen Wirtschaft herrührt. Diese Unternehmen sind nicht in der Lage, eigene Akademien für die Fortbildung ihres Managements zu unterhalten, sie werden zahlende Kunden bei SDA.

Alumni-Netzwerk muß noch geknüpft werden

Künftig will man aber auch in Mailand Mittel aus der Wirtschaft einwerben und finanzielles Engagement von dritter Seite zulassen. Die Befürchtung, daß die Freiheit der Forschung und der Lehre darunter leiden könne, teilt Dallocchio nicht: „Die starke freiheitliche Tradition unserer Schule ist stark genug, um jedem Versuch der Einflußnahme von außen zu widerstehen.“ Außerdem zeigten viele Beispiele vor allem aus dem angelsächsischen Raum, daß ein Teil der Finanzierung über Mittel aus der Wirtschaft einer Universität nicht schaden müssen.

Auch an einer weiteren Besonderheit der angelsächsischen Universitäten will sich Dallocchio ein Beispiel nehmen. So soll der Ausbau und die Pflege des Netzwerkes der Absolventen in viel stärkerem Maße betrieben werden als bislang. Derzeit weiß die Schule nicht einmal, wohin es all ihre Studenten verschlagen hat.

Der Aufbau einer Alumni-Datenbank ist im Gange. Regelmäßige Treffen in Mailand und die Bildung lokaler „Bocconianer“-Gruppen in verschiedenen Ländern und Wirtschaftszentren sind zum Teil etabliert oder im Aufbau begriffen. Dies soll die Marke Bocconi weltweit stärken. Dallocchio verspricht sich „von der Bergung dieses ungehobenen Schatzes“ für die Schule, ihre Studenten und Absolventen einen spürbaren Gewinn.

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