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Karrieresprung : Leistung und Lebensgenuss

  • -Aktualisiert am

Arbeiten mit Genuss Bild: Henthorn/STOCK4B

Entweder Karriere oder Freizeit, lautete früher die Wahl. Heutige Berufstätige wollen beides miteinander vereinbaren.

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          Früher lagen die Dinge klar: Wer eine berufliche Karriere anstrebt, dem winken Geld, Ansehen und Macht. Wer sich dagegen entscheidet, dem bleibt Zeit für sich, seine Hobbies, Freunde und Familie. Entweder-oder lautete die Gewissensfrage, die sich aufstrebenden Nachwuchskräften an einem bestimmten Punkt ihrer beruflichen Laufbahn stellte. Beides lässt sich nun mal schwer vereinen.

          Beides muss sich vereinen lassen, fordern viele qualifizierte Mitarbeiter heute. Nicht, dass sie karrieremüde wären: Der Job ist nach wie vor sehr wichtig, ja sogar ein zentraler Lebensinhalt. Aber eben nicht der einzige, so eine Erkenntnis der Delphi-Studie, die die Gesellschaft für Innovative Marktforschung (GIM) in Heidelberg durchgeführt hat. In einem mehrstufigen Experten-Rating versuchten dabei Fachleute aus Soziologie, Psychologie und Marketing, die Entwicklung der Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft zu skizzieren.

          Balance als neues Leitbild

          Als zentrale Leitbilder der kommenden Jahre gelten demnach: Balance, Stimmigkeit, Souveränität. Für ein „gutes Leben“ muss man nicht mehr alles haben, keinesfalls jedoch auf die „wirklich wichtigen Dinge“ im Leben verzichten. Beispiel Kinder: Väter wollen mehr Zeit mit ihnen verbringen, Mütter dafür nicht den Job an den Nagel hängen. Und so gilt heute in nahezu allen Lebensbereichen: Die Regeln sind nicht mehr fix, sondern müssen individuell ausgehandelt werden. Die Kunst besteht darin, die teilweise widersprüchlichen Anforderungen permanent auszutarieren.

          Leistung und Karrierestreben sind damit keineswegs passé, im Gegenteil. Eine gute Ausbildung allein reicht heute nicht mehr aus, das ist qualifizierten Mitarbeitern bewusst. Wer dauerhaft Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben will, muss selbst für einen hohen „Verkaufswert“ sorgen. Der Einzelne ist gefordert, seine persönlichen Ressourcen bestmöglichst ausschöpfen. Die permanente fachliche Weiterbildung gehört dabei ebenso dazu wie der Blick über den Tellerrand - also die Erweiterung des persönlichen Horizonts - oder die Entwicklung so genannter „soft skills“ wie Team- und Kommunikationsfähigkeit.

          In höheren Bildungsschichten, so die Experten der Delphi-Studie, habe sich dieses „evolutionäre Persönlichkeitsideal“ bereits etabliert. Nicht stehen bleiben, sich ständig weiterentwickeln führt auch dazu, dass berufliche Laufbahnen nicht mehr geradlinig verlaufen. Wichtiger als der schnellste Weg nach oben ist für viele der Wunsch nach Selbstentfaltung. Gefragt sind abwechslungsreiche, herausfordernde und selbstbestimmte Tätigkeiten - für deren Ergebnis die Mitarbeiter gerne die Verantwortung übernehmen wollen.

          Personalmanagement: Auf lange Sicht gedacht

          Um dem Anspruch an lebenslanges Lernen und Verantwortlichkeit auf Dauer gerecht werden zu können, ohne dabei die angestrebte Balance zu verlieren, sind freilich auch die Unternehmen gefragt. Sie müssen - auch in ihrem eigenen Sinne - Strukturen schaffen, um ihr Humankapital zu sichern und zu steigern. Professor Norbert Thom vom Institut für Organisation und Personal (IOP) an der Universität Bern fordert daher ein „nachhaltiges Personalmanagement“. Er versteht darunter „Denk- und Handlungsgrundsätze, die die langfristige, sozial verantwortliche und wirtschaftlich zweckmäßige Gewinnung, Entwicklung, Erhaltung und Freistellung von Mitarbeitern zum Ziel haben.“

          Die drei wesentlichen Ziele einer nachhaltigen Personalpolitik lauten demnach: Den Wert der Mitarbeiter durch konsequente Weiterbildung steigern, ihre Selbstverantwortung durch partizipative Führungssysteme erhöhen und durch Modelle wie Job-Sharing oder Langzeitarbeitskonten eine angemessene Work-Life-Balance gewährleisten. Eine Befragung des IOP von mehr als 1.000 europäischen Unternehmen zeigte, dass gegenwärtig die wenigsten dieses Prinzip systematisch betreiben. Aber, so die Forscher zuversichtlich: Einzelne Instrumente eines nachhaltigen Personalmanagements seien bereits realisiert - und das Interesse der Personalverantwortlichen groß.

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