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Karrieresprung : Initiativbewerbung: Gestatten, Ihr Wunschkandidat

  • -Aktualisiert am

Längst nicht alle vakanten Stellen werden öffentlich ausgeschrieben. Wer sich initiativ bewirbt, muß sich und dem Unternehmen klar machen, welchen Job er dort erledigen will.

          Mal ist sie für die ausgeschriebene Stelle überqualifiziert, mal schreckt der Einsatzort in der pfälzischen Provinz. Für Katja P., Architektin mit MBA und Großstadtmensch, hielten die wenigen Job-Angebote in Stellenmärkten und Online-Jobbörsen bislang meist nur Kompromisse bereit. Oder aber sie zog bei 500 und mehr Mitbewerbern den Kürzeren. Nun will sie sich selbst auf die Suche nach dem passenden Job machen.

          Der erste Schritt ist gar nicht so einfach: Was kann ich, was will ich? Diese Fragen muß für sich klären, wer initiativ auf ein Unternehmen zugeht. Experten warnen vor Massenaussendungen mit dem schlichten Betreff „Initiativbewerbung“ - verschickt in der Hoffnung, der Personalverantwortliche werde eine geeignete Stelle im Unternehmen suchen. Dafür ist heute meist keine Zeit: Einer aktuellen Umfrage der Online-Jobbörse StepStone zufolge klagen 70 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, daß mit dem sprunghaften Anstieg der Bewerbungen auch die Zahl der unpassenden Profile gestiegen ist. Die Ablage P ist nah.

          Wissen, was das Unternehmen will

          Uwe Schnierda von der Karriereberatung Püttjer & Schnierda empfiehlt Bewerbern, gedanklich die Seiten zu wechseln und ein Stellenprofil zu entwerfen, das die eigene Wunschposition beschreibt. Hilfreich sei es dabei, Stellenanzeigen zu sammeln, die dieser Position möglichst nahe kommen. Sie zeigen, welche Aufgaben zu erledigen, welche fachlichen Qualifikationen und Soft Skills gefragt sind. „Nur wer weiß, was von ihm erwartet wird, kann in der Bewerbungsmappe belegen, daß er die Erwartungen erfüllen wird“, so Schnierda. Das setzt auch eine umfassende Recherche zum Unternehmen voraus - seinen Produkte und Dienstleitungen, Standorten, Bedürfnissen sowie seiner Kultur.

          Anschreiben und Lebenslauf sollten konsequent auf die persönliche Wunschposition ausgerichtet sein. Vorsicht beim Wechselgrund: Lästereien über den gegenwärtigen Arbeitgeber sind tunlichst zu vermeiden. Um sich vom Stapel der Bewerbungen abzuheben, rät Schierda, vorab Kontakt zum Unternehmen aufzunehmen. Der Anruf bei der Personalabteilung oder ein Gespräch am Messestand liefert nicht nur einen guten Aufhänger und die richtige Adresse für das Anschreiben. Dabei läßt sich auch erfahren, welche Zusatzqualifikationen besonders gefragt sind und ob kurz- und mittelfristig überhaupt Einstellungsbedarf besteht.

          Initiative zahlt sich aus

          Daß längst nicht alle vakanten Stellen öffentlich ausgeschrieben werden, zeigt die Auswertung des gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nur 42 Prozent der westdeutschen Unternehmen schalteten 2003 für die Personalsuche eigene Inserate. Im Jahr davor waren es noch 50 Prozent. Die meisten Unternehmen suchen mehrgleisig, verstärkt auch innerhalb der eigenen Mauern. 28 Prozent schreiben offene Stellen intern aus, 23 Prozent sichten gezielt eingegangene Initiativbewerbungen. Die Erfolgsquote liegt dabei mit 65 Prozent relativ hoch und nur knapp unter der Suche per Inserat. Die größten Chancen haben übrigens Bewerber, die über eigene Mitarbeiter empfohlen wurden (71 Prozent).

          Zahlreiche Unternehmen wie Bertelsmann, Dresdner Bank oder Hilti fordern auf ihrer Website gezielt zur Initiativbewerbung auf, meist in Form eines standardisierten Online-Formulars. Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) regt zur Eigeninitiative an. In Workshops lernen die Klienten etwa, wie sie sich mit Hilfe der sogenannten Engpaßkonzentrierten Strategie (EKS) selbst vermitteln. Ausgangspunkt bildet auch hier eine Zielposition, die der Bewerber mit möglichst viel Querdenken identifiziert. Anschließend arbeitet er heraus, worin er sich von möglichen Mitbewerbern abhebt und welche Zielgruppe er mit seinem Profil adressieren will.

          Hoffen auf den Glückstreffer

          Diese wird möglichst breit mit Hundert und mehr Bewerbungen abgedeckt - in der Hoffnung auf den Zufallstreffer. Verschickt wird keine vollständige Mappe, sondern lediglich ein Brief mit Lebenslauf (ohne Bild) und einem weitgehend standardisierten Anschreiben. Dieses zeichnet sich aus durch eine gefettete, vierzeilige Überschrift, die in einem Satz das Wesentliche über den Bewerber aussagt. „Und damit die rund 20 Sekunden nutzt, die sich ein Personalentscheider für eine Bewerbung Zeit nimmt“, erklärt Ursula Landeck vom EKS-Team der Arbeitsagentur München.

          Der Arbeitsberater und FH-Dozent Walter Bens schwört seit Jahren auf diese Methode und läßt sie derzeit evaluieren. Seiner Erfahrung nach eignet sie sich allerdings „nur für harte Schaffer, die sich durchbeißen können“. Dazu gehörten etwa zehn Prozent der Beschäftigten und zwei Prozent der Arbeitslosen. Begrenzt auf diese Zielgruppe, laufe die Strategie auch nicht Gefahr, eine Mailingflut in den Personalabteilungen auszulösen, so Bens. Fraglich bleibt, ob die Bewerbung nicht schon allein aufgrund ihres unverbindlichen Formats bei vielen Personalern durch das erste Selektionsraster fällt.

          Die Methode sei kein Allheilmittel, dämpft auch Ursula Landeck die Erwartungen: „Aber es gibt nichts zu verlieren.“

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