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Karrieresprung : Harmonie ohne Getöns

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Spitzenkräfte arbeiten in perfekter Harmonie zusammen, stets im Dienste des gemeinsamen Erfolgs. Eine Utopie? Im Gespräch mit FAZ.NET erläutert der Dirigent und Musikmanager Christian Gansch, wie das in einem Orchester funktioniert.

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          Höchst individualistisch ausgebildete Spitzenkräfte arbeiten auf engstem Raum in perfekter Harmonie zusammen - stets den gemeinsamen Erfolg im Blick. Was Führungskräfte von Orchestermusikern lernen können, erläutert Christian Gansch im Gespräch mit FAZ.NET.

          Der gebürtige Österreicher kennt das Spannungsfeld zwischen Musik und Wirtschaft: Nach dem Musikstudium war er jahrelang führendes Mitglied der Münchner Philharmoniker, bevor er 1990 in die Musikindustrie wechselte. Für die Deutsche Grammophon GmbH produzierte er über 180 CDs und wurde dafür unter anderem mit fünf Grammy Awards ausgezeichnet. Heute leitet Gansch als ständiger Dirigent das Russian National Orchestra und arbeitet als Coach und Referent für international tätige Firmen.

          Der Dirigent steht mit großem Habitus vor 100 Musikern und alle folgen in harmonischer Einheit seinen Einsätzen. So manche Führungskraft dürfte Sie beneiden...

          Dieses äußere Bild der Einheit hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Ein Orchester besteht aus verschiedenen Abteilungen mit solistisch orientierten Führungskräften und oft gegensätzlichen Interessen. Da finden viele subtile Führungsprozesse statt, die der Dirigent gar nicht leiten kann, weil er nicht 40 Hände hat. Allein durch Blickkontakt, Aufeinanderhören und Körperbewegungen dirigieren sich einzelne Gruppen streckenweise selbst.

          Wie funktioniert diese Selbstregulierung?

          Ein waches, gegenseitiges Aufeinanderhören ist die Basis des Musizierens. Hinzu kommt der große Vorteil des unmittelbaren Feedbacks. Im Orchester sitzt man täglich auf engstem Raum zusammen. Was nicht gemeinsam umgesetzt wird, wird als trostloser Stillstand erlebt. Keiner kann sich zurück ziehen und sagen: Langweiliges Meeting, jetzt mach ich mein eigenes Ding. Im Unternehmen täuscht dieser Freiraum dem Einzelnen oft fruchtbare Möglichkeiten vor, obwohl nichts voran geht. Zudem ist jedem Orchestermusiker klar, daß er im Dienst des gemeinsamen Erfolgs steht. Das ist im Unternehmen zwar genauso. Nur dort sind Feedback und Resultate oft zeitlich verzögert. Im Orchester zeigen sich die Prozesse zeitlich und räumlich verkürzt, wie unter einem Brennglas.

          Diese Verdichtung läßt sich im Unternehmen freilich nicht erreichen...

          Es geht auch nicht um eine 1:1-Übersetzung. Anhand der Metapher Orchester will ich aufzeigen, daß es einem Unternehmen und dem Einzelnen nicht hilft, Konflikten auszuweichen - in der Hoffnung, sie werden sich totlaufen.

          Gibt es im Orchester denn keine Konflikte?

          Doch, aber dort herrscht ein wertfreierer Dialog. Nehmen Sie die Geigen: Sie spielen jeweils in Zweiergruppen an einem Pult. Da ist es üblich zu sagen: Du, wir harmonieren bei Brahms nicht so ideal. Durch Rotation finden sich passende Zweier-Teams innerhalb der Gruppen. Und die sind dann im Kopf frei für das Wesentliche - nämlich, auf andere Gruppen reaktionsfähig zu hören.

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