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Karrieresprung : Gut vernetzt zur Professur

  • -Aktualisiert am

Ein gutes Netzwerk erweist sich auf dem beruflichen Weg nach oben als förderlich. Das gilt auch in der Wissenschaft. Wer mit anderen kooperiert, hat bessere Aussichten auf eine Professur, zeigt eine aktuelle Studie.

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          Hauptsache gut vernetzt. Was in der Wirtschaft als Credo für eine erfolgreiche Karriere gilt, scheint auch Wissenschaftlern den Weg zur Professur zu ebnen. Zwar sind Leistung und Produktivität, ausgedrückt in Form von wissenschaftlichen Publikationen, dort nach wie vor die entscheidenden Erfolgsparameter. Wer aber nicht nur allein im stillen Kämmerlein forscht, sondern mit anderen Wissenschaftlern kooperiert, erhöht seine Chancen auf höchste akademische Weihen deutlich.

          Das fanden die Psychologen Professor Dr. Frieder Lang von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Privatdozent Dr. Franz Neyer von der Humboldt-Universität zu Berlin in einer kürzlich veröffentlichten Studie heraus. Sie untersuchten die Karriereverläufe von 579 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die zwischen 1980 und 1986 ihre Promotion im Fach Psychologie abgeschlossen haben. Fünf Jahre danach waren noch etwas weniger als die Hälfte an einer Hochschule beschäftigt, weitere zehn Jahre später noch 38 Prozent. Hierbei ist freilich zu beachten, daß nicht jeder Promovierte eine wissenschaftliche Karriere anstrebt. Bis zum Jahr 2002 waren 96 der untersuchten Personen habilitiert, 78 hatten eine Professorenstelle.

          Wer kooperiert, wird zitiert

          Dabei handelte es sich in aller Regel um die produktivsten und am häufigsten zitierten Wissenschaftler. Die Studie zeigt jedoch auch, daß die Publikationsleistung insbesondere in den ersten fünf Jahren nach der Promotion wegweisend für den späteren beruflichen Erfolg ist. Vorausgesetzt, sie bleibt zumindest konstant, wird danach ein engmaschiges Kooperationsnetzwerk zum entscheidenden Faktor.

          Denn: Wer mit statusgleichen oder -höheren Wissenschaftlern zusammen arbeitet, kann sicher gehen, daß seine Veröffentlichungen von den Kooperationspartnern zitiert werden. Wer alleine publiziert, muß darauf hoffen, daß seine Arbeit von einem unabhängigen Publikum wahrgenommen wird.
          Hinzu kommt die persönliche Komponente des gemeinsamen Arbeitens: „Darüber verbreitet sich die Reputation einer Person“, sagt Lang.

          Daß sich mäßig produktive Wissenschaftler im Team mit fremden Federn schmücken können, hält er für unwahrscheinlich: „Wer nichts leistet, wird auch nicht mehr für eine Kooperation angefragt“, sagt Lang und fügt an: „Persönlich halte ich Kooperationen für den härtesten Test der eigenen Fähigkeiten.“ Kooperation ist freilich nicht gleich Kooperation. Die besten Aussichten auf eine Professur hat der Studie zufolge, wer mit erfolgreichen Wissenschaftlern zusammen arbeitet, die ihrerseits ebenfalls gut vernetzt sind.

          Weichenstellung in den ersten fünf Jahren

          Der niedrige Frauenanteil in der Professorenschaft liegt nicht in mangelndem Networking begründet, so Lang. Sind sie erst einmal länger als fünf Jahre an der Universität beschäftigt, haben Frauen und Männer etwa die gleichen Chancen auf eine Professur. Zumeist aber scheiden - auch sehr produktive - Frauen kurz nach der Promotion aus der Wissenschaft aus. Lang: „Wir halten dies für einen Hinweis auf die geringe Vereinbarkeit von Beruf und Familie in wissenschaftlichen Berufskontexten.“

          Optimale Ausgangsvoraussetzungen in den entscheidenden ersten fünf Jahren nach der Promotion hat, wer aus einem guten „(Dissertations-)Stall“ kommt. Dazu gehört ein produktiver Doktorvater, der im Idealfall nur wenige Promovenden betreut - was die Chancen auf eine spätere Anstellung erhöht. Einfluß auf den späteren Berufserfolg hat im Sinne der Netzwerkthese auch die Institutsgröße. Sie gilt zum einen als Indikator der Forschungsintensität, die ja in großem Maße von der Höhe der eingeworbenen Drittmittel abhängt.

          Zugleich hat sie eine nachhaltige Wirkung: Der Nachwuchswissenschaftler lernt von Beginn seiner Laufbahn eine ganze Reihe von Wissenschaftlern seines Fachgebiets kennen. Wandern diese im Laufe ihrer Karriere an ein kleineres Institut ab - was in der Praxis zwangsläufig häufiger vorkommt als der Weg in die umgekehrte Richtung - entsteht ein weites räumliches Netzwerk. Langfristig können sich diese „alten Bekanntschaften“ vorteilhaft für den Karriereverlauf auswirken, so die Studie.

          Lang und Neyer gehen davon aus, daß sich ihre Ergebnisse auch auf andere Fächer übertragen lassen. Die beruflichen Qualifikationen in der Wissenschaft beschränken sich damit nicht auf herausragende intellektuelle Leistungen, sondern schließen auch die Fähigkeit zur Teamarbeit und Netzwerkgestaltung mit ein, so ihr Resümee.

          Allerdings fehle es derzeit noch an einem guten Bewertungsmaßstab für die Qualität einzelner Kooperationen, bemerkt Lang. „Erst dies würde es erlauben, die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern gezielter zu fördern - und damit unproduktive 'Seilschaften' von wirklich leistungsfähigen und erfolgreichen Kooperationsbeziehungen zu unterscheiden.“

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