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Karrieresprung : Freie Mitarbeit: Durchgangsbahnhof oder Endstation?

  • -Aktualisiert am

Sie hangeln sich von Projekt zu Projekt, haben im Urlaub ein schlechtes Gewissen und hoffen täglich auf genügend Aufträge zum Überleben: Freiberufler. Geniessen sie ihre Freiheit oder sind sie genervt von den Unsicherheiten? FAZ.NET hat sich bei Fachleuten und Betroffenen umgehört.

          So hatte Stefan Szukala* sich sein Berufsleben nicht vorgestellt. Mit dem Bachelor-Abschluss in der Tasche hatte der Informatiker auf eine sichere Arbeitsstelle mit Acht-Stunden-Tag und Urlaubsgeld gehofft. Doch es kam anders: „Während meiner Abschlussarbeit bekam ich das Angebot, als freier Mitarbeiter in einem kleinen Programmierbüro anzufangen.“ Ein bequemer und nahtloser Einstieg in den Beruf, dachte er. „Anfangs hieß es, dass ich nach ein paar Projekten fest angestellt würde.“ Aber das ist nun anderthalb Jahre her.

          Wie Szukala sammeln viele Absolventen ihre ersten Berufserfahrungen als Freiberufler. „In den letzten fünf Jahren betrifft das immer mehr Menschen in allen Branchen - nicht mehr nur in den Medien und im Kulturbereich, sondern auch bei Bürotätigkeiten in großen Konzernen“, sagt die Berliner Karriereberaterin Sabine Hertwig.

          Hangeln von Projekt zu Projekt

          Freie Mitarbeit kann durchaus eine gute Ausgangsbasis für den Traumjob sein. Aber häufig ist das Hangeln von Projekt zu Projekt kein Durchgangsbahnhof, sondern Endstation: Manch einer erkennt, dass er ohne festen Job flexibler ist und durch die Arbeit für mehrere Unternehmen viel Geld verdienen kann. Andere bekommen zu spüren, dass ihr Auftraggeber sie niemals fest anstellen wird. Denn so spart er Lohnnebenkosten.

          Die Journalistin und Volkswirtin Katrin Schulz* hielt sich in der Bewerbungsphase mit Artikeln für Wirtschaftszeitungen über Wasser. „Ich habe so die Zeit zwischen meinem Studienabschluss und der ersten festen Anstellung bei einem Finanzmagazin überbrückt“, erzählt sie. Eine goldene Nase habe sie sich zwar nicht verdient, „aber es hat irgendwie gereicht.“ Die 27-Jährige war froh über diese Möglichkeit. „Ich habe Erfahrungen gesammelt und Kontakte geknüpft - das hat auch bei der Arbeitssuche geholfen.“ Ein Gefühl der Unsicherheit begleitete Schulz in jenem halben Jahr trotzdem. „Ich konnte es mir kaum leisten, einen Auftrag abzulehnen“, sagt sie. Denn weniger Geld hätte kaum fürs tägliche Leben gereicht.

          Auch eine Typfrage

          Wie ein Freiberufler mit der Freiheit umgeht, ist auch eine Typfrage. „Einerseits kann man frei wählen, wann und wo man arbeitet. Andererseits weiß man nicht, wie viel Geld im nächsten Monat da ist. Manche kommen damit besser zurecht, andere schlechter“, sagt Karrierecoach Hertwig.

          Freie Mitarbeit ist nicht nur für Berufseinsteiger ein Thema. Oft geraten auch gestandene Arbeitnehmer in diese Situation. Wer nach einem Arbeitsplatzverlust nur noch einen Werkvertrag angeboten bekommt, sollte trotzdem zugreifen, findet Hertwig. Denn häufig verstecke sich dahinter eine spannende Tätigkeit. Zudem mache sich die praktische Erfahrung im Lebenslauf allemal besser als Arbeitslosigkeit. Allerdings rät sie: „Man sollte den Vertrag juristisch prüfen lassen.“

          Alle Abgaben selbst schultern

          Außerdem ist Rechnen angesagt. Auch wenn der Stundenlohn auf den ersten Blick hoch erscheine, bleibe oft nicht viel mehr als ein Lohn auf Hartz IV-Niveau übrig, so die Expertin. „Schließlich muss der Freie alle Abgaben zur Sozialversicherung selbst tragen und auch Auftragsflauten überbrücken.“ Beim anfallenden Papierkram und der Finanzplanung können Steuer- und Rentenberater helfen.

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