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Karrieresprung : Flow - Arbeiten wie im Rausch

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Der Mensch ist hochkonzentriert, geht völlig in seinem Tun auf und vergisst dabei alles um sich herum. Flow heißt dieser Zustand höchster Motivation.

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          Es gibt Firmenchefs, die schicken ihre Mitarbeiter in teuren Seminaren über Glasscherben. Andere fliegen mit der gesamten Belegschaft für ein verlängertes Wochenende nach Mallorca. Wieder andere winken mit einem dicken Geldbündel, das die Mitarbeiter zu bestimmten Bedingungen erhaschen können. Das alles, um das kostbare wie flüchtige Gut Motivation zu erhalten oder anzufachen.

          Dabei kann alles ganz von selbst gehen. Flow heißt der Zustand, in dem der Mensch hochmotiviert und allein aus innerem Antrieb völlig in einer Tätigkeit aufgeht. Erforscht und populär gemacht hat das Flow-Prinzip der US-Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi in den 70er Jahren. Er beobachtete Künstler, die geradezu fanatisch Bilder malten. Sie erhielten dafür weder Geld noch hofften sie auf Ruhm. War ein Bild fertig, wanderte es in die Ecke - das Interesse daran schien schlagartig erloschen. Des Forschers Erkenntnis: Allein die persönliche Herausforderung und die Befriedigung durch das Malen versetzte die Künstler in den Rausch des Schaffens.

          Weitere Forschungen zeigten, dass Flow auch bei anderen Tätigkeiten entstehen kann - beim Sportklettern, Schachspielen, Motorradfahren oder bei der Arbeit. Erstaunlicherweise erleben Menschen diesen erfüllenden Zustand dort sogar häufiger als in der Freizeit. Insbesondere Manager kennen das Gefühl, ohne subjektive Anstrengung in einer Tätigkeit zu versinken. Ob dabei Minuten oder Stunden vergangenen sind, können sie hinterher nicht sagen.

          Optimale Beanspruchung nötig

          Psychologen begründen das so genannte „Paradox der Arbeit“ damit, dass Menschen heute vor allem im Job mit besonderen Anforderungen konfrontiert sind - und damit die entscheidende Bedingung für das Entstehen von Flow vorfinden. Allerdings: Die Herausforderung muss optimal zu den Fähigkeiten des Mitarbeiters passen. Übersteigt sie sein Können, fühlt er sich überfordert und gestresst. Liegt die Aufgabe unter seinen Fähigkeiten, macht sich das Gefühl der Unterforderung oder Langeweile breit. In Flow kann der Mitarbeiter nur geraten, wenn er das sichere Gefühl hat, eine schwierige Aufgabe bewältigen zu können.

          Als weitere Bedingung gilt nach Csikszentmihalyi ein klar definiertes Ziel - sei es eine persönliche sportliche Bestmarke oder der Abschluss eines Projekts. Ein Mensch im Flow geht mit diesem Ziel vor Augen hochkonzentriert und nach einer inneren Leitlinie vor. Das muss für Außenstehende nicht unbedingt nachvollziehbar sein. Hauptsache, der Handelnde selbst hat das Gefühl, dass ein Schritt flüssig und ohne Unterbrechung in den nächsten übergeht und ihn seinem Ziel näher bringt. Willentlich konzentrieren muss er sich dazu nicht, die Konzentration kommt von selbst.

          Kein dauerhafter Zustand

          Damit es nicht zu schön klingt, um wahr zu sein: Flow ist ein Ausnahmezustand, sich weder zwingend einstellt noch einen ganzen Tag über anhält. Er beschränkt sich vielmehr auf bestimmte Phasen. Und: Nicht jeder Mensch erlebt ihn bei ein und derselben Tätigkeit. Patentrezepte für Unternehmen, ihre Mitarbeiter in Flow zu versetzen, gibt es folglich nicht. Wohl aber können sie Bedingungen schaffen, die für ein derart intrinsisch motiviertes Arbeiten förderlich sind, rät die Hamburger Pädagogin Inken Plöhn.

          Dazu gehört die Möglichkeit, sich ungestört zurückziehen zu können. Bleibt der Mitarbeiter für einen gewissen Zeitraum von Fragen oder Anrufen verschont, kann er sich besser auf seine Arbeit konzentrieren. Sein Vorgesetzter sollte ihm klar die Ziele seiner Aufgabe verdeutlichen: Was genau ist zu tun? Bis wann? Warum ich und nicht ein Kollege? „Transparenz ist wichtig, damit keine Fragen offen bleiben, die das Denken und Handeln von der eigentlichen Aufgabe ablenken“, begründet Plöhn.

          Freiheiten fördern Flow

          Denselben Effekt haben klare Regeln - die aber die Freiheit des Mitarbeiters nicht einschränken dürfen. Sinnvoll können etwa Gleitzeitregelungen sein, bei denen sich der Einzelne die für ihn „beste“ Arbeitszeit wählt. Eine gewisse Freiheit sollte dem Mitarbeiter auch bei der Lösung von Aufgaben zugestanden sein - schließlich führen meist mehrere Wege zum Ziel. Macht er seine Sache gut, sollte er das auch wissen. „Regelmäßige, konstruktive Feedbacks tragen zu einer Flow-förderlichen Unternehmenskultur bei“, sagt Plöhn.

          Und schließlich müssen Unternehmen darauf achten, ihren Mitarbeitern stets neue Herausforderungen zu bieten. Denn, so Flow-Papst Csikszentmihalyi: Bei jeder noch so anspruchsvollen Tätigkeit tritt irgendwann ein Gewöhnungseffekt ein. Ob die Mitarbeiter die Chance nutzen, ihre Arbeit wie im Rausch zu verrichten, bleibt letztlich ihnen überlassen.

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