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Karrieresprung : Ende der blogfreien Zone

  • -Aktualisiert am

Bloggen gilt vielen noch als Zeitvertreib von Web-Junkies. Allmählich versuchen sich aber auch Unternehmen an Online-Tagebüchern - sei es, um ihre Mitarbeiter besser miteinander zu vernetzen oder einen persönlichen Draht zum Kunden aufzubauen.

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          Nun wird also auch bei BASF gebloggt. Vor wenigen Wochen startete der Konzern ein internes Online-Tagebuch - auch Weblog oder kurz Blog genannt - in dem Mitarbeiter über Fachinhalte und Projektfortschritte austauschen sollen. Die Themen setzen ausgewählte Blogger, lesen und kommentieren sollen die Beiträge alle Mitarbeiter. Anekdötchen über Kinder, Katzen oder was immer sie gerade bewegt, sind dabei ausdrücklich erwünscht. In Maßen versteht sich.

          Primär soll der Blog „transparent machen, wer an welchen Themen arbeitet und Wissen aggregieren“, sagt Michael Scheuermann, verantwortlich für die Web 2.0-Aktivitäten bei BASF. Wissen in einem Unternehmen zu teilen und verfügbar zu machen, ist ein zähes Unterfangen. Die persönliche Färbung von Blogs soll die Hemmschwelle senken, hofft Scheuermann.

          Das neue Zauberwort: Corporate Blogging

          Beim Münchner IT-Dienstleister Pentos AG ist Bloggen seit einigen Jahren sogar Teil der Zielvereinbarungen der 35 Mitarbeiter. Einmal wöchentlich berichten sie - auch der Vorstand - über Projekte und Privates. Inhaltliche Richtlinien und Schulungen für neue Mitarbeiter sorgen dafür, daß das Mitteilungsbedürfnis nicht ausufert. Effizienz und Teamgeist im Unternehmen seien dank des Blogs deutlich gestiegen, versichert Pentos-Vorstand Nikolaus Krasser.

          An betrieblichen Kommunikationsmöglichkeiten mangelt es im Online-Zeitalter nicht: Angefangen von Mails (gerne auch per Cc großzügig an nicht involvierte Kollegen versandt) über Newsletter und Communities bis hin zum Intranet. Und nun auch noch Blogs. Sie lassen sich höchst nutzbringend einsetzen, jubeln Berater - sei es als Wissensspeicher oder transparente Dialogplattform. Corporate Blogging heißt das neue Zauberwort.

          Banalitätensammlung oder Medienrevolution?

          Bloggen gilt hierzulande noch als Zeitvertreib von Web-Junkies. Nur ein Bruchteil der Internet-Nutzer führt ein eigenes Online-Tagebuch, sieben Prozent lesen darin - insbesondere Jugendliche, so die repräsentativ erhobene ARD/ZDF-Online-Studie 2006. Andere Studien ermittelten zwar höhere Nutzungsraten, in jedem Fall aber hinken die Deutschen beim Bloggen international hinterher. Weltweit ist die Zahl der Blogs nach Angaben der Blog-Suchmaschine Technorati in den vergangenen Jahren rasant auf aktuell rund 91 Millionen angestiegen.

          Über Sinn und Unsinn von Online-Tagebüchern scheiden sich die Geister: Für die einen handelt es sich dabei um die verbalen Ergüsse von Selbstdarstellern und Möchtegern-Experten. Tatsächlich scheint kein Inhalt zu banal für Blogs, die meisten erzielen entsprechend nur eine Handvoll Leser. Zugleich gibt es aber auch fundierte Fachblogs sowie so genannte Watchblogs, die die Berichterstattung in den klassischen Medien kritisch beobachten und kommentieren.

          Für die anderen bedeuten Blogs daher nichts weniger als eine Revolution der Medienwelt. Dank kostenloser und einfach zu bedienender Software kann heute jeder einen Blog starten - und damit vom Empfänger zum Sender werden. Weil Blogs über Stichwörter stark untereinander verlinkt werden („Blogospähre“), sind sie über Suchmaschinen gut auffindbar. Der Schritt aus den Untiefen des Internet in die breite Öffentlichkeit ist dadurch oftmals nur ein kleiner. Das amerikanische Magazin Time kürte die Internet-Nutzer vergangenes Jahr zur „Person of the Year“ - weil sie endlich die Kontrolle über das Medium gewonnen haben.

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