https://www.faz.net/-gqe-plv6

Karrieresprung : Ein gutes Team braucht einen Traum

  • -Aktualisiert am

Gruppenarbeit ist in, führt bei den Beteiligten aber häufig zu Frust. Der Psychologie-Professor Guido Hertel erläutert im Gespräch mit FAZ.NET, was ein gutes Team auszeichnet und was es dazu braucht.

          3 Min.

          Gruppenarbeit ist in, Teamfähigkeit eine der zentralen Anforderungen, die Unternehmen an ihre Mitarbeiter stellen. In der psychologischen Forschung dominieren hingegen Befunde, wonach bei vielen Menschen die Arbeitsmotivation im Team sinkt - weil sie etwa das Gefühl entwickeln, daß es auf ihren Beitrag nicht ankommt oder sich über Kollegen ärgern, die es sich in der Gruppe bequem machen.

          Unter welchen Bedingungen ein Team tatsächlich über sich hinaus wachsen kann, erfuhr FAZ.NET im Gespräch mit Professor Dr. Guido Hertel, Inhaber des Lehrstuhls für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der Universität Würzburg.

          Braucht ein Dream Team einen großen Traum?

          Ja, so könnte man sagen. Dieser Traum läßt sich in zwei wichtige Konzepte übersetzen. Das eine sind klare Ziele: Jedes Mitglied muß sie kennen, akzeptieren - und wissen, daß es die anderen auch tun. Zweites Element ist die Begeisterung für die Sache. Sie ist immens wichtig, um Menschen über einen längeren Zeitraum und auch bei Schwierigkeiten zusammen zu halten.

          In Deutschland herrscht eine gewisse Skepsis gegenüber zu hoher Begeisterung. Das liegt ein Stück weit an unserer Geschichte und ist verständlich. Gleichzeitig schneiden wir uns damit ins eigene Fleisch: Das gegenseitige Mitreißen führt nicht nur zu besseren Ergebnissen, sondern macht letztlich auch den Spaß an der Arbeit aus.

          Wie kann ein Unternehmen diese Begeisterung hervorrufen? Seine Ziele decken sich ja nicht per se mit denen der Mitarbeiter.

          Niemand agiert selbstlos, schon gar nicht im Job. Bei aller Gewinnorientierung sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern daher etwas geben, worauf sie stolz sein können. Gute Antworten etwa auf Fragen wie: Was treibt uns an? Welche Werte vertreten wir? In der täglichen Arbeit müssen die Teammitglieder den Eindruck haben, daß ihre Interessen berücksichtigt werden, indem sie etwa nach ihrer Einschätzung zur Realisierbarkeit des Projekts gefragt werden. Das setzt eine Unternehmenskultur voraus, in der die Prinzipien Kooperation und Partizipation fest verankert sind.

          Die Forschung zeigt, daß Gruppenarbeit häufig zu Motivations- und Leistungsverlusten führt, insbesondere bei stärkeren Mitgliedern. Wie läßt sich das verhindern?

          Entscheidend ist, daß sich jedes Mitglied über seinen unverzichtbaren Beitrag im Klaren ist. Das setzt eine möglichst ökonomische Aufgabengestaltung voraus, beginnend mit den Fragen: Wie viele Leute brauchen wir? Welche Kenntnisse? Überflüssige Mitglieder lassen nicht nur Arbeitskraft brach liegen, sondern wirken sich auch desaströs auf das Arbeitsklima aus.

          Dem Team muß vermittelt werden: Wer seinen Beitrag nicht leistet, blockiert und schadet allen anderen. Wichtig ist auch regelmäßiges Feedback: Wo stehen wir gerade, was machen die anderen? Gerade zu Beginn muß man den Teammitgliedern zeigen, daß sie hier nicht die einzigen sind, die schuften. Unter optimalen Voraussetzungen sind Menschen in der Gruppe bereit, mehr zu arbeiten als sie es für sich allein tun würden.

          Wie kann man den persönlichen Beitrag für sich und nach außen sichtbar machen?

          Das ist eine heikle Geschichte. Zunächst wird der Erfolg nach außen hin auf das Team zurückgeführt. Nun gibt es aber oft Leistungsträger, die mehr machen - weil es die Aufgabe verlangt oder sie besonders fähig sind. Das muß herausgestellt werden, sonst riskiert man, daß sie demotiviert sind und irgendwann aussteigen.

          Hier besteht die Aufgabe, faire Lösungen zu finden, etwa in Form von zusätzlichen Incentives. Besondere Leistung wird gewürdigt, der Hauptteil der Incentives sollte aber auf Teamebene herunter gebrochen brechen.

          Dann darf der Einzelne also auch mal aus der Gruppe herausstechen?

          Ja, absolut. Wichtig ist, daß es transparent für alle ist und auf einem Konsens beruht, der zu Beginn ausgehandelt wurde. Das geht freilich nur in überschaubaren Gruppen von weniger als zehn Leuten.

          Braucht ein Dream Team einen äußeren „Feind“, wie es der amerikanische Psychologe Warren G. Bennis fordert?

          Generell ist Wettbewerb ein sehr starker Motivator. Studien zeigen, daß sich Menschen mehr anstrengen, wenn sie als Vertreter einer Gruppe agieren. Die Zugehörigkeit wirkt offenbar zusätzlich motivierend. Wettbewerb innerhalb einer Gruppe hingegen ist langfristig tödlich für das Team.

          Kann man Teamfähigkeit lernen?

          Teamfähigkeit, das klingt nach Persönlichkeitsattribut - die hat man oder hat man nicht. In der Tat zeigen Befunde, daß Persönlichkeitsattribute wie Extraversion oder Verträglichkeit hilfreich für Teamarbeit sind. Darüber hinaus ist es aber auf jeden Fall auch möglich, mit bestimmten Teams arbeiten zu lernen.

          Oder auch umgekehrt: Ein Team kann lernen, mit bestimmten Mitgliedern zu arbeiten. Auch für scheinbare Einzelgänger lassen sich Arbeitformen finden, in denen sie sich wohl fühlen. In virtuellen Teams etwa können sie sich, ohne viele persönliche Kontakte zu pflegen, als vollständiges Mitglied fühlen.

          Läßt sich ein Dream Team nach psychologischen Erkenntnissen zusammenstellen?

          Man kann viele Voraussetzungen erfüllen. Gruppenprozesse sind aber extrem komplex und lassen sich niemals komplett steuern. Dream Teams funktionieren zudem oft nur für eine bestimmte Zeit - ein Projekt, ein Turnier, weil da alles gepaßt hat. Kurze Zeit später kann der Zusammenhalt weg sein. Das ist ständig im Fluß.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Münchner Spezialität : Ein Bayern-Luxus, der Nerven und Geld spart

          Andere geben ein Vermögen aus für Außenverteidiger, die Bayern finden seit Jahren Weltklasse zum Schnäppchenpreis. Wie machen die das nur? Einer der Außenspieler ist schon jetzt eine Entdeckung dieser Saison.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.