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Karrieresprung : Das Anspruchsdenken muß sich ändern

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Die Software-Industrie ist im Umbruch. Edmund Küpper, Vorstandsvorsitzender des Software-Hauses sd&m, über die gestiegenen Anforderungen an Informatiker, Teamfähigkeit und Ziele eines Bewerbungsgesprächs.

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          Die Software-Industrie ist im Umbruch. Edmund Küpper, Vorstandsvorsitzender des Software-Hauses sd&m, über die gestiegenen Anforderungen an Informatiker, Teamfähigkeit und Ziele eines Bewerbungsgesprächs.

          Herr Küpper, wie sieht Ihre Personalplanung für dieses Jahr aus?

          Derzeit arbeiten bei uns im Haus etwa 1093 Menschen. Im letzten Jahr hat sd&m 200 Mitarbeiter eingestellt, allerdings sind wir nicht um diese Zahl gewachsen. Denn man muß die Fluktuation berücksichtigen, die bei uns etwa bei gesunden acht Prozent liegt. Im laufenden Jahr werden wir etwa 300 Mitarbeiter einstellen.

          Edmund Küpper Vorstandsvorsitzender der sd&m
          Edmund Küpper Vorstandsvorsitzender der sd&m : Bild: sd&m AG

          Gilt das allein für den Standort Deutschland?

          Nein, die Zahl gilt für unsere drei Standorte Deutschland, Schweiz und Polen. In Polen haben wir ein sogenanntes Near Shore Entwicklungszentrum, in dem wir auch wachsen, wenn auch nicht im selben Ausmaß, wie an den beiden anderen Standorten. Dennoch ist uns der Standort in Polen sehr wichtig, weil er dazu beiträgt, Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Oder anders formuliert: Das Mitarbeiterwachstum in Deutschland wird auch durch den Standort in Polen ermöglicht.

          Könnten Sie erläutern, wie das funktioniert?

          Die polnischen Kolleginnen und Kollegen produzieren etwa dreimal so günstig wie unsere Mitarbeiter hierzulande. Damit wird der Preis, zu dem wir unsere Produkte anbieten können, attraktiver, ohne daß wir bei der Qualität Abstriche machen müssen.

          Warum entwickeln Sie ihre Software denn überhaupt noch in Deutschland und nicht ausschließlich an kostengünstigeren Standorten?

          Wir liefern ja keine Produkte an einen Vertrieb in Deutschland, die man einfach im Ausland produzieren könnte. Wir sind auf individuelle Lösungen für unsere Kunden spezialisiert, die in engem Kontakt und in intensiver Interaktion mit dem jeweiligen Kunden über die gesamte Zeit des Projekts entwickelt werden. Und, das möchte ich betonen, wir möchten auch nicht auf die gut ausgebildeten deutschen Software-Ingenieure verzichten.

          Für welche Einstiegsebene suchen Sie das Personal?

          Unsere Mannschaft besteht zu 50 Prozent aus Informatikern, des weiteren beschäftigen wir Mathematiker, Physiker und rund zwei Hände voll Wirtschaftsinformatiker. Von unseren Mitarbeitern sind etwa 25 Prozent promoviert. Unsere Eingangsvoraussetzungen sind ein sehr gutes Abitur und ein gutes bis sehr gutes Diplom. Andere Bewerber nehmen wir nicht. Durch diese hohe Eintrittsbarriere sind wir in unserer Auswahl bereits limitiert.

          Von den 300 Neueinstellungen im laufenden Jahr sollten etwa zwei Drittel direkt von der Universität kommen, die wir dann bei uns weiter ausbilden. Diese Menschen können wir durch unsere sehr spezifische Unternehmenskultur prägen.

          In diesem Jahr suchen wir aber auch - und das kommt bei sd&m einem Paradigmenwechsel gleich - erfahrene Leute. Für unsere gewachsene Belegschaft von über 1000 Mitarbeitern brauchen wir künftig mehr „Korsett-Stangen“, sprich Personen, die Teams führen können und über einige Erfahrung verfügen.

          Suchen Sie Spezialisten für ganz bestimmte, eingeschränkte Einsatzbereiche?

          Wir suchen keine Spezialisten, sondern Generalisten. Denn wenn sie zu viele Spezialisten haben, besteht gerade in unserer sich schnell wandelnden Industrie die Gefahr, daß ein bestimmtes Spezialistentum nach ein bis zwei Jahren nicht mehr gebraucht wird. Dieses Problem hatten wir in der Branche um die Jahrtausendwende. Generalisten mit einer sehr breiten wissenschaftlichen Ausbildung können sich aufgrund dieses Fundaments immer wieder neu spezialisieren.

          Wie haben sich die Arbeitsanforderungen und -bedingungen in Ihrer Branche in den letzten Jahren geändert und wie werden sie sich weiterentwickeln?

          Wir haben in unserem Unternehmen immer schon auf eine Ausgewogenheit von Persönlichkeit und fachlicher Kompetenz geachtet. Denn wir haben bei unseren zum Teil sehr schwierigen Projekten die Erfahrung gemacht, daß man sich über die fachlichen Probleme sehr wohl einigen könnte, wenn man denn dann auch noch miteinander sprechen würde. Kurz: Software-Projekte scheitern häufiger daran, daß die Teamfähigkeit und die Gesprächsbasis nicht mehr gegeben sind, als an der Komplexität der Aufgabe. Deshalb achten wir sehr stark auf die Persönlichkeit unserer Mitarbeiter.

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