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Karrieresprung : Chefin in Teilzeit

  • -Aktualisiert am

Ganz oder gar nicht: Vor diese Wahl werden Frauen in Führungspositionen oft gestellt, wenn sie nach der Elternzeit wieder zurück in den Job wollen. Es geht aber auch anders, beweisen Unternehmen.

          Prokuristen verbringen viel Zeit über ihren Büchern. Das galt lange Jahre auch für Beate Haller, die bei der Nürnberger Umweltbank den Bereich Beteiligungen leitet. Dann kündigte sich ein Baby an und mit ihm die Frage: Wie geht es nach der Geburt beruflich weiter? Schnell, soviel war der Mittdreißigerin klar. Acht Wochen nach der Entbindung saß sie wieder am Schreibtisch, vier Tage die Woche. Ihren Sohn versorgte in dieser Zeit eine Tagesmutter. Als zwei Jahre später das zweite Kind kam, gönnte sich Haller ein gutes halbes Jahr Auszeit. Seither erledigt sie ihren - um ein paar Aufgabengebiete abgespeckten - Leitungsjob an drei Tagen mit insgesamt 20 Wochenstunden.

          Chefin in Teilzeit? Wie soll denn das gehen, dürften viele Unternehmer und Manager abwiegeln. Eine Führungskraft hat mindestens 50 Wochenstunden zu arbeiten, stets im Unternehmen präsent zu sein und Termine auch nach Feierabend wahrzunehmen. Außerdem: Personalverantwortung ist nicht teilbar. Ganz oder gar nicht, Punkt. Wie frau da noch ihren Kinderwunsch unterbringen will, muß sie selbst sehen.

          Familienphase killt Karrieren

          Der geforderte Spagat in Zahlen: Geschätzte 40 Prozent der Akademikerinnen bleiben gegenwärtig kinderlos. Nur 13 Prozent aller Frauen in Führungspositionen haben Kinder unter zehn Jahren, selten mehr als eines. Von ihren männlichen Kollegen haben doppelt so viele Nachwuchs. „Ausgedrückt in Karrierechancen, sind Kinder für Frauen ein großes Hindernis“, resümieren Corinna Kleinert und Susanne Kohaut vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in ihrem Buch über die Arbeitsbedingungen und Lebenslagen weiblicher Führungskräfte.

          Viele weibliche Karrieren versacken in der so genannten Familienphase: Sind Frauen bis zum dreißigsten Lebensjahr ebenso häufig wie Männer in Führungspositionen vertreten (7 Prozent), steigt ihr Anteil im Alterssegment der 30-45jährigen auf 14 Prozent - verglichen mit 23 Prozent bei den Männern. Allein ihre kollektiv höhere Wahrscheinlichkeit, wegen Kindern auszufallen, steht dem beruflichen Aufstieg von Frauen oft im Weg (siehe dazu auch: Karriererisiko: Weiblich, 30 plus). Entscheiden sie sich für Kinder und einen sanften Wiedereinstieg in Teilzeit, sind sie ihre Verantwortung im Job schnell los. So lange Frauen deutlich weniger arbeiten als Männer, haben sie schlechtere Karriereaussichten, bestätigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey.

          Planungsaufwand rechnet sich

          So frustrierend das Hopp-oder-Top-Prinzip für ambitionierte Mütter ist, so leichtfertig ist es von den Unternehmen, ihnen in der Familienphase nicht durch flexible Arbeitszeitmodelle entgegen zu kommen. Eine verläßliche Führungskraft ist nicht von heute auf morgen zu ersetzen, schon gar nicht ohne beachtlichen Kostenaufwand für Suche, Auswahl und Einarbeitung des Nachfolgers. Die demographische Entwicklung macht dies in Zukunft nicht leichter. „Der anfängliche Planungsaufwand für eine Teilzeitlösung rechnet sich betriebswirtschaftlich schnell“, meint Angela Fauth-Herkner, Leiterin der gleichnamigen Arbeitszeitberatung in München.

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