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Karrieresprung : Bewertung des Faktors Mensch

  • -Aktualisiert am

Das Humankapital wird häufig zwar als wichtiges Gut eines Unternehmens beschrieben, fällt jedoch gleichzeitig rigiden Sparmaßnahmen zum Opfer, ohne daß die damit einhergehende Wertvernichtung auch nur ins Kalkül gezogen würde.

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          Nahezu unbestritten stellen immaterielle Werte einen beachtlichen Teil des Vermögens vieler Unternehmen dar. Einer einheitlichen und standardisierten Bewertung entziehen sich diese Werte jedoch hartnäckig.

          Insbesondere das Humankapital wird häufig zwar als wichtiges Asset beschrieben, fällt jedoch gleichzeitig rigiden Kostensenkungsprogrammen zum Opfer, ohne daß die damit einhergehende Wertvernichtung auch nur ins Kalkül gezogen würde.

          Mitarbeiter nach Personalkosten und Freisetzungskosten betrachtet

          Von Henri Ford ist noch der Satz überliefert: Selbst wenn mir meine Produktionsanlagen und alle meine Gebäude verloren gehen, so bin ich doch zusammen mit meinen Mitarbeitern jederzeit in der Lage, mein Unternehmen wieder aufzubauen.

          Heute hat man bei vielen Unternehmenstransaktionen den Eindruck, daß der Käufer eher ein Interesse an einem Unternehmen ohne Mitarbeiter hat. Mitarbeiter werden - insbesondere gegenwärtig - ausschließlich nach Personalkosten und zukünftigen Freisetzungskosten betrachtet.

          Der immaterielle Wert einer Belegschaft ist, solange er nicht monetär beziffert werden kann, kein Entscheidungskriterium für eine Transaktion. Zudem erfolgen Investitionen in Personalentwicklung und Management-Qualifikation in wirtschaftlich schwierigen Zeiten generell eher zögerlich. Der Return on Investment ist zu ungewiß beziehungsweise in seinem Wert nicht meß- und dokumentierbar.

          Detailliert über das Humankapital berichten

          Die unzureichende Transparenz der immateriellen Vermögenswerte hat inzwischen auch den Gesetzgeber veranlaßt, Empfehlungen für eine bessere Information des Kapitalmarkts auszusprechen. Demnach soll der Lagebericht des Jahrsabschlusses zukünftig detailliert über das Humankapital berichten. Andere immaterielle Vermögenswerte wie Lizenzen, Patente und Marken müssen beim Erwerb - sofern sie also nicht selbst geschaffen sind - in der Bilanz aktiviert werden. Personal gilt jedoch nicht als veräußerbares Asset.

          Um welche Erkenntnis sind wir also reicher, wenn wir den Wert des Humankapitals ermittelt haben?

          Unversehens kommen dann auch moralische Bedenken auf: Dürfen wir den Wert des Humankapitals überhaupt messen? Ist Humankapital vielleicht doch ein Unwort, weil mit ihm die letzte Bastion von Menschlichkeit ökonomischen Prinzipien unterworfen wird? Sollte nicht immer noch der Satz gelten: Jeder Wert hat seinen Preis. Menschen haben keinen Wert, sondern eine Würde (und deshalb also keinen Preis)? Diesen überaus berechtigten Bedenken seien zwei Einwände gegenüber gestellt:

          1. Die Befürworter der Bewertung von Humankapital fordern nicht, individuelle Kompetenz nun endlich ökonomischen Prinzipien zu unterwerfen. Dies geschieht vielmehr immer schon, wenn jemand einen Arbeitsvertrag unterschreibt und ein regelmäßiges Einkommen erwartet. Die Diskussion um das Humankapital ist eher eine Reaktion auf die bereits vorhandene ökonomische (Kosten-)Bewertung. Gefordert wird lediglich eine ausgewogene ökonomische "Bilanzierung" gemäß Kapital und Vermögen.

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