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Karrieresprung : Ab morgen bin ich dein Chef

  • -Aktualisiert am

Wer vom Kollegen zum Vorgesetzten aufsteigt, hat es mitunter schwer: Werden die anderen Mitarbeiter jemanden aus den gleichen Reihen als Chef akzeptieren? FAZ.NET erklärt, wie der gestern noch Gleichgestellte Stolperfallen auf dem Weg zu seinem neuen Schreibtisch umgeht.

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          Sie verpasst vielleicht eine große Chance - denn genau so einen Job wünscht sich Magdalena Schneider* (*Name geändert) eigentlich. Und doch überlegt sie, das Angebot abzulehnen, zur Hauptbuchhalterin in einer Kosmetikfirma im Rheinland aufzusteigen. Denn die Sache hat einen Haken: Sie wäre künftig die Vorgesetzte ihrer jetzigen Kollegen. Und die sähen jeder lieber sich selbst auf dem Chefsessel.

          „Neider gibt es immer“, sagt Matthias Mohr von der Stuttgarter Management- und Personalberatung Dr. Heimeier & Partner. Das gelte auf der untersten Führungsetage im kleinen Unternehmen wie im Top-Management eines Konzerns. „Auch ganz oben kommt Unmut auf, wenn ein Vorstandsmitglied zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigt. Die anderen wechseln dann oft in ein anderes Unternehmen.“

          „Ich fürchte mich vor der Reaktion“

          Trotz aller Probleme ist die Beförderung aus der Gruppenmitte eine verbreitete Art, den Chefposten zu besetzen. „Gerade in kleinen und mittleren Firmen ist das der klassische Aufstieg: Vom Kollegen zum Vorgesetzten“, weiß der Berliner Karrierecoach Ingolf König-Jablonski. „Der Vorteil: Mitarbeiter und Unternehmen kennen einander bereits.“ Personalberater Mohr ergänzt: „Aufstiegschancen innerhalb der Firma motivieren die Mitarbeiter und fördern ihre Identifikation mit der Firma.“

          Magdalena Schneider erledigt ihre Arbeit gut. So gut, dass der Firmeninhaber sie zur Hauptbuchhalterin befördern möchte, wenn der bisherige Abteilungsleiter in Kürze in Rente geht. Seit fünf Jahren arbeitet die 32-Jährige mit ihren Kollegen zusammen - die allesamt nichts von der geplanten Nachfolge ahnen. Auch die Lästereien der anderen kennt sie zur Genüge. „Ich fürchte mich vor der Reaktion, wenn ich plötzlich die Vorgesetzte bin“, gesteht sie. „Völlig reibungslos würde mein Aufstieg sicher nicht ablaufen.“

          „Wer befördert wird, muss wissen, dass er danach weniger Freunde hat“

          Berufscoach König-Jablonski macht Schneider Mut: „Wenn der Chef jemanden befördern möchte, hat derjenige in der Regel auch das nötige Potential.“ Gerade Frauen unterschätzten oft die eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen. Dennoch, „wer befördert wird, muss wissen, dass er danach weniger Freunde hat. Denn er muss gegen die Ex-Kollegen auch unangenehme Unternehmensentscheidungen durchsetzen“, sagt Personalberater Mohr.

          Plötzlich geht es um Führung und die fachlichen Kenntnisse rücken in den Hintergrund. „Diese neue Rolle muss der Aufsteiger sich bewusst machen, sie annehmen und ausfüllen“, rät König-Jablonski. Wie das geht, bringt er frisch gebackenen Führungskräften in mehrtägigen Seminaren bei. Firmen schicken ganze Riegen von Beförderten zu ihm. In kleinen Gruppen schildern die unerfahrenen Chefs die Situation in ihrer Abteilung, spielen Szenarien à la „was könnte im schlimmsten Fall passieren“ durch und bekommen durch die anderen Seminarteilnehmer eine völlig neue Sichtweise auf das eigene Verhalten präsentiert.

          Die ungewohnte Sandwich-Position

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