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Karrieresprung : „2009 wird das Jahr der Nullrunden“

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Deutschland zittert vor der Rezession. Doch wann und wie werden Arbeitnehmer sie im Portemonnaie zu spüren bekommen? Personalberater Marco Reiners hat dazu mehrere Umfragen gemacht. Im Interview erklärt er, in welchen Branchen es als erstes Nullrunden geben wird.

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          Ganz Deutschland zittert vor der Rezession. Doch wann und wie werden Arbeitnehmer sie im Portemonnaie zu spüren bekommen? Personalberater Marco Reiners hat dazu mehrere Umfragen gemacht. Im Interview erklärt er, in welchen Branchen es als erstes Nullrunden geben wird - und wo die Arbeitnehmer weniger stark um ihr Gehalt zittern müssen.

          Herr Reiners, ganz Deutschland diskutiert über gierige Manager und maßlose Gehälter. Ist diese Debatte in den Unternehmen angekommen? Reagieren die Personalabteilungen darauf?

          Definitiv. Das zeigen unsere Umfragen. Wir machen jedes Jahr im Mai und Juni eine Umfrage unter 400 Unternehmen und fragen die Gehaltserhöhungsbudgets für das kommende Jahr ab. Das haben wir auch im vergangenen Jahr getan. Und damals hatte die große Mehrzahl der Unternehmen keine Pläne, ihre Budgets zu reduzieren. Es gab damals im Schnitt noch Gehaltserhöhungsprognosen von etwa vier Prozent. Aber nach der Lehmann-Pleite hat sich die wirtschaftliche Gesamtsituation noch einmal rapide verschlechtert. Deshalb haben wir uns entschlossen, im Oktober und November nochmal zu fragen. Und da hat die große Mehrheit der Unternehmen schon gesagt: Wir reduzieren die Gehaltserhöhungsbudgets um mindestens ein Prozent.

          Hört sich nach gar nicht so viel an, angesichts der derzeitigen Lage...

          Ich diskutiere aktuell sehr viel mit den Personalabteilungen diverser Unternehmen und aus diesen Gesprächen lässt sich schließen: Wenn wir heute ein weiteres Mal nachfragen würden, würde das noch deutlich weiter nach unten gehen.

          Das heißt konkret?

          Es wird das Jahr der Nullrunden. An vielen Stellen sind wir jetzt schon so weit. 60 bis 70 Prozent der Unternehmen sagen: Für 2009 gibt es keine Gehaltserhöhungen. Der Rest wartet noch einmal ab.

          Bei den Grundgehältern geht es also bergab. Was ist mit anderen Gehaltsbestandteilen?

          Wir haben im November auch gefragt, ob die Unternehmen andere Maßnahmen ergreifen, um die Kostensituation in den Griff zu bekommen. Ein Großteil der Unternehmen hat gesagt, dass sich einiges ändert bei den variablen Vergütungen, sprich bei Boni und Tantiemen für 2009. Die werden eingefroren oder sie sinken - in vielen Fällen sicher auch auf Null.

          Gilt das quer über alle Branchen?

          Die Umfrage haben wir zwar nicht branchenspezifisch ausgewertet. Was ich aber aus der Erfahrung sagen kann ist, dass die Finanzbranche am meisten betroffen sein wird. Während für 2008 die Banker-Boni noch Schlagzeilen produzieren, wird die große Mehrheit der Banker 2009 den Gürtel enger schnallen müssen. Einfach weil sie in vielen Fällen durch ihre Gehaltsstruktur sehr stark von der variablen Vergütung abhängig sind.

          Wo gibt es außerhalb der Finanzbranche die größten Effekte?

          In der Automobilindustrie und bei den Zulieferern. In diesen Industrien werden wir 2009 extreme Einbußen für die Unternehmen sehen, was eben auch heißt, dass Gewinnbeteiligungen oder Boni für die Mitarbeiter - vor allem der höheren Hierarchieebenen - gering ausfallen oder auf Null gehen werden.

          Wieviel vom Gehalt fällt denn dann weg?

          Bei den Investmentbankern sind es sicher bis zu 60 oder 70 Prozent. Im Automobilbereich könnte ich mir vorstellen, dass 40 oder 50 Prozent der Gesamtvergütung für die Top-Führungskräfte weg sind.

          Gibt es auch Branchen, die besonders wenig berührt sind?

          Die Pharmabranche. Das ist insofern verständlich als sich hier auf der Nachfrageseite wenig verändert hat. Die Leute werden natürlich weiterhin krank und benötigen Medikamente - Krise hin oder her. Das heißt jetzt nicht notwendigerweise, dass die Pharmaunternehmen komplett um Gehaltsmaßnahmen herumkommen. Aber momentan sind sie nur vergleichsweise wenig betroffen.

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