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Karrieren : Was Powerfrauen wirklich wollen

Bild: plainpicture/Monaco

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere steigen Frauen plötzlich aus. Sie sind nicht frustriert, sie haben nur keine Lust mehr auf die männliche Arbeitswelt. Und suchen ihr Glück woanders.

          7 Min.

          Diese kleine Geburtstagsfeier würde das Herz einer jeden Feministin höher schlagen lassen. In einem Garten außerhalb Berlins sitzen acht Frauen. Sie haben sich zum Tee getroffen mit Sekt und Kuchen und plaudern über die Euro-Krise, die französische Präsidentschaftswahl, über ihre Jobs. Diese acht Frauen im Alter zwischen 45 und 55 sind alle sehr gut ausgebildet, haben Jura, Ökonomie oder Architektur studiert. Einige von ihnen sind promoviert. Sie sind berufstätig und unübersehbar selbstbewusst - Frauen von just dem Kaliber, das die leidige Debatte um Frauen in Führungspositionen obsolet erscheinen ließe. Hier, so könnte man meinen, seien endlich einmal einige von ihnen versammelt. Aber so einfach ist die Sache nicht.

          Inge Kloepfer
          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Diese Frauen sind längst nicht mehr dort, wo sie ihre berufliche Karriere gestartet haben. Sie arbeiten nicht mehr in einem Angestelltenverhältnis. Und schon gar nicht in einem großen Konzern. Sie sind ausgestiegen, haben sich selbständig gemacht und ihre alte Berufswelt hinter sich gelassen.

          Die Opt-Out-Revolution

          Vor einigen Jahren erschien in der „New York Times“ ein vielfach diskutierter Artikel über ein neues Phänomen weiblicher Eliten: The Opt-Out Revolution. Er handelte von dem Sinneswandel junger, an den Spitzenuniversitäten des Landes ausgebildeter Frauen, die aus freien Stücken beschlossen, sich der Familie und ihren Kindern zu widmen. „Sie werden von den Top-Unternehmen des Landes rekrutiert, starten ihre Turbo-Karriere und hören plötzlich einfach auf“, klagte die Autorin. Dabei hatte man gerade diesen Frauen doch eigentlich zugetraut, in die Kreise wirtschaftlicher Führungseliten aufzusteigen, um die weibliche Präsenz dort endlich zu erhöhen. Sie aber zögen nun - ganz emanzipiert von jeglichen Erwartungen - die Familien-Option.

          Ähnliches findet seit einiger Zeit auch in Deutschland statt. Nur geht es hier nicht um Mütter mit einem Harvard-Universitätsabschluss, die die Familie entdecken, sondern um beruflich sehr erfolgreiche Frauen in der Mitte ihres Lebens, die sich plötzlich selbst entdecken. Als Führungskräfte, die das Zeug zu Top-Managerinnen hätten, verlassen sie die Konzerne oder kehren Anwaltskanzleien und Unternehmensberatungen nach Jahrzehnten erfolgreicher Zugehörigkeit den Rücken, um sich völlig neu zu orientieren. Kein öffentlichkeitswirksamer Abtritt, kein Paukenschlag, kein Streit - diese Frauen tauchen ohne viel Aufsehen einfach ab.

          Bilderstrecke

          In den großen Konzernen kennt man dieses Phänomen. Nicht überall lässt es der Vorstand zu, offen darüber zu reden. Manch einer will diese neue Zeiterscheinung auch gar nicht wahrhaben. „Es gibt zwei Phasen, in denen Frauen bestimmter Alterskohorten verschwinden“, berichtet Mechthilde Maier, die das Diversity Management der Deutschen Telekom leitet. „Einmal, wenn sie Kinder bekommen, und dann mit Mitte 40 oder Anfang 50.“ Bei den Frauen im Garten sind Kinder längst kein dominierendes Thema mehr. Sie gehören allesamt zu der zweiten Kohorte, die bereits eine beachtliche Karriere hinter sich haben und plötzlich das Interesse genau daran verlieren.

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