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Karrieren : Thomas Middelhoff: Der Antreiber

Macht Tempo: Middelhoff Bild: dpa

Thomas Middelhoff hat einst Bertelsmann auf Trab gebracht. Jetzt versucht er es als Sanierer bei Karstadt-Quelle. Und riskiert bei dem Konzern, der 4000 Stellen streichen will, seinen Ruf.

          5 Min.

          Thomas Middelhoff ist zurück. Zwei Jahre nach seinem spektakulären Abschied von Bertelsmann ist er wieder an der Spitze eines großen deutschen Konzerns. Vorige Woche hat ihn der Aufsichtsrat von Karstadt-Quelle zu seinem Vorsitzenden gewählt.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Was treibt einen Manager wie Middelhoff, einst ein gefeierter Superstar der New Economy, der sich schlafwandlerisch sicher auf internationalem Parkett bewegte und die Medienindustrie zu neuen Ufern führen wollte, in die Niederungen des deutschen Einzelhandels? Zu einem Unternehmen, das zwischen Ladenschlußgesetz und Konsumflaute als Paradebeispiel für den Stillstand der deutschen Wirtschaft stehen kann?

          Middelhoff kommt als Sanierer. Madeleine Schickedanz, die Großaktionärin von Karstadt-Quelle, habe ihn in Sorge um ihr Investment gefragt, ob er das machen könne, heißt es. Middelhoff ist Oberaufseher und gleichzeitig Coach des neuen, 46 Jahre alten Vorstandsvorsitzenden Christoph Achenbach. Und er ist ganz sicher noch einmal zurückgekommen, um es seinen Kritikern zu zeigen. In der Karstadt-Quelle-Zentrale in Essen-Bredeney sehen viele in ihm einen Hoffnungsträger. Denn der Warenhaus- und Versandhandelsgigant steckt in einer schweren Krise.

          Geschwindigkeit zählt

          Deshalb macht Middelhoff bei Karstadt-Quelle zunächst das, was er am besten kann: Tempo. Bei Middelhoff muß alles schnell gehen. Schon Ende August muß Karstadt-Chef Achenbach ein Sanierungskonzept vorlegen für den breit aufgestellten Kaufhaus-Konzern mit "Starbucks"-Coffeeshops, Deutschem Sportfernsehen (DSF) und Thomas-Cook-Reisebüros. Geschwindigkeit zählt.

          Am vergangenen Montag konnten sich die 170 Konzernführungskräfte ein Bild vom neuen Aufsichtsratsvorsitzenden machen. Middelhoff überließ Achenbach die Aufgabe, die "Karstädter" auf einen schmerzhaften Sanierungskurs vorzubereiten, um dann doch selbst ein paar Minuten zu ihnen zu sprechen. In solchen Situationen wirkt Middelhoff ruhig, oft geradezu aufreizend gelassen. Der hoch aufgeschossene Manager spricht monoton, ohne große Gesten. Sein Charisma wirkt überzeugend, seine Souveränität vielleicht ein wenig antrainiert. Die Haare ordentlich zurückgekämmt, der perfekt sitzende Anzug, Manschettenknöpfe und Einstecktuch - der heute Einundfünfzigjährige sieht aus wie der Prototyp des smarten Turbomanagers. Er kann Mitarbeiter begeistern. Und er hört ihnen zu. Aber er drückt unaufhörlich aufs Tempo.

          Drei Stunden Schlaf reichen

          Früher, zu Zeiten der New Economy, hat Middelhoff "High Speed" gefordert, sich selbst nicht ausgenommen. Mit drei, vier Stunden Schlaf komme der "Thommes" aus, sagt ein Vertrauter. Wenn Thommes nicht arbeitet, verbringt er viel Zeit auf Flughäfen, ist viel im Ausland, oft in London, bei seinem neuen Unternehmen.

          Denn im Hauptberuf kümmert sich Middelhoff seit einem Jahr um das Geld anderer Leute. Als Europachef der Private-Equity-Gesellschaft Investcorp in London agiert er allerdings im Hintergrund. Die Publicity, die er als Bertelsmann-Chef hatte, fehlt. Nun sagt Middelhoff selbst über sich, Galas und Societypartys aus tiefster Überzeugung zu meiden. Aber den Rummel um seine Person hat er in der Öffentlichkeit wenn schon nicht heraufbeschworen, dann zumindest immer gut ausgehalten. Die Sanierung von Karstadt-Quelle rückt ihn jetzt wieder ins Rampenlicht.

          Interessenskonflikt

          Bei Investcorp ist Middelhoff verantwortlich für europäische Unternehmensbeteiligungen. In Karstadt-Quelle wird er wohl nicht investieren, er muß einen Konflikt vermeiden. Er sitzt dort schließlich im Aufsichtsrat, um die Interessen der Familie Schickedanz zu vertreten, nicht die von Investcorp.

          Die Londoner Gesellschaft, 1982 von einem Exil-Iraker gegründet, besitzt auch schon Beteiligungen an Handelsunternehmen, etwa die Luxuskette Saks 5th Avenue, ein Unternehmen, das vor zehn Jahren wie Karstadt-Quelle in einem schlimmen Zustand war, heute aber wieder stattliche Renditen abwirft.

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