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Karriere nach der Kündigung : Vom Banker zum Schnitzelwirt

Aus Bankershand: Investmentbanker Oleg Voss verkauft heute Wiener Schnitzel in New York Bild: Roland Lindner / F.A.Z.

Viele Menschen haben in der Wirtschaftskrise ihren Arbeitsplatz verloren. Manche haben ihre Kündigung als Chance begriffen, um sich selbständig zu machen. Drei New Yorker erzählen von ihrem Sprung in eine neue Karriere.

          Oleg Voss hatte schon einen Plan B, lange bevor er entlassen wurde. Es war aber eigentlich nur eine Schnapsidee. Der New Yorker war gerade dabei, eine Stelle in Wien als Investmentbanker anzutreten. An einem seiner letzten Abende in New York feierte er mit einem Kollegen, und den beiden kam ein alberner Gedanke: Wenn das mit dem Investmentbanking nicht klappe, dann könne er ja nach New York zurückkommen und anfangen, Schnitzel zu verkaufen. Schließlich werde er ja wohl in Wien gewiss lernen, wie man Wiener Schnitzel mache. Voss hatte damals nicht die leiseste Ahnung, dass aus der Blödelei einmal Realität werden würde: Nach einem Jahr verlor er seinen Arbeitsplatz in Wien, er ließ seine Finanzkarriere hinter sich und wurde Schnitzelgastronom in New York. Sein Unternehmen heißt „Schnitzel & Things“ und besteht aus einem Imbisswagen, mit dem er durch New York fährt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der 28 Jahre alte Voss strotzt heute vor unternehmerischem Tatendrang, aber der Tag seiner Entlassung ist noch sehr präsent. Es war der 29. Januar 2009, der Geburtstag seiner Frau. Voss erzählt, dass er sich gerade gut eingearbeitet hatte in seiner Aufgabe bei der Raiffeisen Investment AG in Wien. Raiffeisen hatte ihm ein Jahr zuvor ein Praktikum in Wien angeboten, das er nach dem Wirtschaftsstudium an der New York University dankbar angenommen hatte. Aus seinem Praktikum wurde nach drei Monaten eine volle Anstellung, und Voss arbeitete als Analyst an der Beratung von Unternehmen bei Fusionen und Akquisitionen mit. Als im Herbst 2008 die Finanzkrise mit voller Wucht losbrach, blieb es bei Raiffeisen zunächst noch ruhig. Voss sagt, noch zum Jahresende hätten die Chefs der Bank die Mitarbeiter beschwichtigt und auch die gewohnten Boni in Aussicht gestellt. Er habe sich sicher gefühlt, im Dezember zogen sogar noch seine Eltern zu ihm nach Wien. Aber kaum hatte das Jahr 2009 begonnen, machten Gerüchte über Entlassungen die Runde. Und als Voss am 29. Januar von seiner Chefin zur Seite genommen wurde und sie zu ihm sagte: „Ich muss mal mit dir sprechen“, wusste er, dass seine Tage bei Raiffeisen gezählt waren.

          Voss fiel erst einmal in ein tiefes Loch. „Die ersten zwei Wochen nach der Kündigung waren nichts als Grübeln.“ In Wien zu bleiben war keine Alternative, dafür war sein Deutsch nicht gut genug. Er besann sich auf die alte Schnapsidee mit den Schnitzeln, die ihm mangels anderer Optionen auf einmal gar nicht mehr so abwegig erschien. Wie ein Schnitzel zu schmecken hat, hatte er in Wien hinreichend gelernt. Und die Zubereitung traute er sich ohne weiteres zu: Er hatte schon immer eine Leidenschaft fürs Kochen gehabt und sogar einmal die New Yorker Gastronomieschule French Culinary Institute besucht, bevor er dann doch zum vermeintlich solideren Wirtschaftsstudium wechselte.

          Von der Schnapsidee zur Realität: Das Schnitzelmobil von Oleg Voss

          Wie groß ist der Appetit der New Yorker auf Schnitzel?

          Aber die Frage blieb: Wie groß ist der Appetit der New Yorker auf Schnitzel? Deutsche oder österreichische Küche steht in der New Yorker Gastronomie-Hitliste nicht gerade ganz oben. Auch wenn es ein paar populäre deutsche Lokale gibt, ist Schnitzel in der Stadt keineswegs ein allgemein etabliertes ausländisches Gericht wie Sushi oder Lasagne. „Ich habe nicht erwartet, dass das ein Selbstläufer wird“, sagt Voss.

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