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Karnevalsmanager : Der Kölner Oberjeck

  • -Aktualisiert am

In seinem Element: Markus Ritterbach Bild: F.A.Z. - Henning Bode

Karneval ist eine ernste Sache, das weiß man nicht nur in Köln. Denn es geht auch immer um viel Geld. Markus Ritterbach ist der wichtigste Karnevalsmanager der Domstadt und muss bestens organisiert sein - wie im richtigen Wirtschaftsleben.

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          Die Session ist kurz in diesem Jahr, die Terminpläne noch enger getaktet als sonst. Freitags mittags schnell noch das Prinzenessen, am frühen Abend der Sternmarsch der vielen in den einzelnen Stadtvierteln beheimateten Vereine in der Kölner Innenstadt. Dann die beiden Höhepunkte im Straßenkarneval: die traditionellen, bei den Insidern ganz besonders beliebten „Schull- und Veedelszöch“ (hochdeutsch: Schul- und Viertelsumzüge) am Sonntag, dann der Rosenmontagszug.

          Wer sich an vorderster Front im Kölner Karneval engagiert, muss sich nicht nur bester Konstitution erfreuen, sondern auch sitzungserprobt und bestens organisiert sein. Wie eben im richtigen Wirtschaftsleben. Markus Ritterbach ist der wichtigste Karnevalsmanager in der Domstadt. Er ist der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval. Und dieses 185 Jahre alte Gremium ist die Gesamtinteressenvertretung von mehr als hundert Kölner Karnevalsgesellschaften und damit die höchste Instanz während der fünften Jahreszeit.

          Der Rosenmontagszug als millionenschweres Geschäft

          Karneval ist eine verdammt ernste Sache, weiß man nicht nur in Köln. Denn es geht auch immer um viel Geld. Die tollen Tage sind für die Stadt ein touristisches Großereignis, das Massen von Besuchern in Stadt und Kneipen spült. Karneval ist für die Stadt ein riesiger Wirtschaftsfaktor, ähnlich wie die in der Domstadt residierenden Unternehmen, von den Versicherungen über die Messe bis hin zu Rewe, Deutz, Kaufhof oder Ford. Mit der Wahl Ritterbachs haben sich die Kölner für das höchste zu vergebende Amt vor drei Jahren einen Wirtschaftsprofi geholt. Der Mittvierziger ist Unternehmensberater und führt einen unter anderem auf Schulbücher spezialisierten Verlag.

          Unter seiner ehrenamtlichen Leitung hat das Komitee dafür zu sorgen, die Tradition und das Brauchtum des Kölner Karnevals zu pflegen und die kölsche Eigenart und Ursprünglichkeit zu erhalten, so ist in den Statuten zu lesen. Und was besonders wichtig ist: Es gilt, den Rosenmontagszug zu organisieren, den größten Karnevalsumzug Deutschlands. Mehr als sechs Kilometer wird er wieder lang sein und unter dem unaussprechlichen, an die vielen Kulturleckerbissen der Stadt erinnernden Motto „Jeschenke för Kölle - uns Kulturkamelle“ stehen. Allein die TV-Rechte dafür auszuhandeln ist ein millionenschweres Geschäft. Als Präsident schlüpft er alljährlich in die Rolle des Personalchefs, wenn es darum geht, das Dreigestirn auszuwählen.

          Frischer Wind, straffe Zügel

          Dann werden veritable Vorstellungsgespräche mit den (durchweg männlichen) Kandidaten geführt, damit sich die Kölner mit ihren Tollitäten Prinz, Bauer und Jungfrau auch identifizieren können. Überhaupt steckt hinter der Riesenparty viel ernste Arbeit: Es geht um eine solide Finanzplanung, die Schulung der Mitglieder in Steuerrecht und Finanzwesen, die Verbesserung der finanziellen Basis der vielen bunten Vereine oder die Nachwuchsförderung. Selbst intelligente Toilettenkonzepte gehören dazu, wenn in der heißen Schlussphase das Kölsch in Strömen fließt.

          Er habe für viel frischen Wind gesorgt, heißt es in Köln. Und er führe mit straffen Zügeln. Als er sein Ehrenamt antrat, geschah dies mit dem Anspruch, es zwar professioneller zu gestalten, aber nicht kühler. Das Kulturgut Karneval solle strategisch noch besser vermarktet werden, hat der damals frischgebackene Präsident vor zweieinhalb Jahren in einem Interview gesagt.

          Auch den Ausbau von Sponsoring und Marketing hat er auf seine Agenda gehoben. Nach dem Geschmack des dreifachen Familienvaters sollen noch viel mehr Menschen möglichst aus der ganzen Republik nach Köln kommen, nicht auf die Straßen, sondern auch in die Sitzungssäle. Am Rosenmontag wird er auf seinem Präsidentenwagen im wahrsten Sinne alle Hände voll zu tun haben: Vom einem Festkomitee-Präsidenten erwarten die Jecken am Zugsrand schon Besseres als nur schnöde Kamelle.

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