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Karen Peetz : Die mächtigste Frau der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Karen Peetz Bild: Everke, Tobias

Karen Peetz von der Bank of New York Mellon hat gute Chancen, als erste Frau eine große amerikanische Bank zu führen. Sie ist fast am Ziel.

          Die 56 Jahre alte Managerin führt die wichtigste Sparte der Bank of New York Mellon Corp., des ältesten amerikanischen Kreditinstituts. Wenn es im amerikanischen Kongress Anhörungen zu komplexen Finanzthemen gibt, schickt die Bank Peetz nach Washington. Als das Finanzsystem vor vier Jahren wankte und das amerikanische Finanzministerium organisatorische Hilfe für die Rettung der Banken brauchte, erhielten Peetz und ihr Team - Fachleute für Finanzmärkte und Wertpapierabwicklung - den Auftrag.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          All das war dem Fachblatt „American Banker“ Grund genug, Peetz im vergangenen Jahr zur „mächtigsten Frau“ in der amerikanischen Bankenlandschaft zu küren. Aber an ihrem Ziel ist Peetz trotzdem noch nicht. Sie will Vorstandsvorsitzende einer großen amerikanischen Bank werden.

          Frauen auf wichtigen Chefposten sind in Amerika keine Exotinnen mehr

          Frauen an der Spitze von großen Unternehmen sind in Amerika zwar immer noch rar, aber sie sind auch keine Exotinnen mehr. Der Computerkonzern IBM hat Virginia Rometty, Konkurrent Hewlett-Packard hat Meg Whitman, und die Geschicke des Getränkeherstellers Pepsico leitet Indra Nooyi. Bei den großen Banken hat es bisher aber noch keine Frau an die Spitze gebracht. Zudem mussten in den Wirren der Finanzkrise einige Kandidatinnen für die Spitzenjobs an der Wall Street ihren Arbeitsplatz räumen.

          Karen Peetz hält das nicht für symptomatisch. „Ich glaube, es gibt bei Banken eine Menge Frauen, die auf die Spitzenrolle vorbereitet sind“, sagt sie in ihrem Büro auf der holzgetäfelten Vorstandsetage der Bank mit der traditionsreichen Adresse „1 Wall Street“. Frauen würden gezielt gefördert, woran Peetz als Leiterin eines internen Netzwerks für Frauen selbst großen Anteil hat. Immerhin sind bei der Bank of New York schon ein Viertel höherer Positionen mit Frauen besetzt. „Unternehmen bemühen sich um den Aufstieg von Frauen und Minderheiten, schon weil Verwaltungsräte und Investoren darauf drängen“, sagt Peetz.

          Ihre Sparte erwirtschaftet zwei Fünftel der Erträge

          Ihre eigene Karriere begann vor dreißig Jahren bei einem Vorläufer der größten amerikanischen Bank JP Morgan Chase, für den sie unter anderem in London tätig war. Seit 1998 arbeitet sie für die Bank of New York, die vor fünf Jahren mit der großen Regionalbank Mellon Financial aus Pittsburgh fusioniert war und zu den zehn größten amerikanischen Banken gehört. Als der Verwaltungsrat der Bank im vergangenen Jahr überraschend den Vorstandsvorsitzenden Robert Kelly vor die Tür setzte, fiel die Wahl des Nachfolgers allerdings wieder auf einen Mann - den jetzt 60 Jahre alten Gerald Hassell. War Peetz damals auch im Rennen? Immerhin erwirtschaftet ihre Sparte zwei Fünftel der Erträge - mehr als jeder andere Geschäftsbereich - und beschäftigt 17.000 Mitarbeiter in 76 Vertretungen auf der ganzen Welt, darunter in Frankfurt und Düsseldorf. „Man weiß das nie“, antwortet sie. Frustration darüber lässt sich Peetz, die eine lockere Intensität ausstrahlt, jedenfalls nicht anmerken. „Gib’ nicht auf“, lautet ihr Mantra.

          Auch ihre Tochter und ihr Sohn, 26 Jahre alte Zwillinge, feuern sie an. Ihre Kinder waren allerdings nicht immer eine derart moralische Stütze. Sie ließen Peetz die ersten Monate in London fast täglich spüren, wie wenig sie von der ungewohnten Umgebung hielten. Auch habe ihr Mann, ein selbständiger Landschaftsarchitekt mit flexiblerem Kalender, viele Termine der Kinder wahrgenommen, als sie noch kleiner waren. Teilzeit oder eine berufliche Pause kamen für Peetz nicht in Frage, auch wenn sie nichts dagegen hat, wenn sich Frauen dafür entscheiden. „Das geht aber nicht, wenn man ganz nach oben will“, macht sie klar. Dafür müsse man rund um die Uhr verfügbar sein. Zögen sich Frauen zu lange aus dem Beruf zurück, machten in dieser Zeit männliche Konkurrenten die entscheidenden Karriereschritte. „Entscheide dich für ein Ziel, bespreche es mit der Familie und mache dann ohne Schuldgefühle weiter“, empfiehlt Peetz. Ein weiterer Rat: „Mach Karriere in der Sparte, die das Geld erwirtschaftet und übernehme dort Führungsverantwortung.“ Peetz zweifelt nicht an ihrer Entscheidung. „Ich hatte schon immer eine Menge Energie, kann mehrere Sachen auf einmal machen und bin unglaublich gut organisiert“, sagt sie.

          Diese Qualifikationen sind auch außerhalb der Wall Street gefragt. Seit Anfang des Jahres sitzt Peetz dem Kuratorium der Universität Penn State vor, die im vergangenen Jahr wegen sexuellen Missbrauchs von Jungen durch einen ehemaligen und mittlerweile verurteilten Football-Assistenztrainer in Verruf geraten war. Peetz hatte in den siebziger Jahren selbst mit einem Sportstipendium an Penn State studiert und dort Feldhockey und Lacrosse gespielt. Sie galt daher als fast zwangsläufige Wahl, um an der Neuausrichtung der Universität mitzuwirken. Die öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Rolle bei der footballbegeisterten Universität übertrifft die für ihre Aufgaben bei der Bank of New York sogar - was wohl daran liegt, dass die Bank kein klassisches Privatkundengeschäft macht. Als ehemalige Sportlerin scheint Peetz große Herausforderungen aber zu genießen. Als das Finanzministerium nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers Vorschläge brauchte, wie die Stützung von Banken ablaufen könnte, zeigte Peetz Wettbewerbsgeist. „Ich dachte damals gleich, dass wir diesen Auftrag gewinnen könnten, da wir dem globalen Kapitalmärkten ohnehin die Infrastruktur zur Verfügung stellen“, sagt sie. Die Bank of New York verwaltete schließlich das Programm für die Staatshilfen, die die Bank auch selbst in Anspruch nahm. „Es war ein Karrierehöhepunkt für jeden, der daran beteiligt war“, sagt Peetz - ein Höhepunkt, den sie noch übertreffen will.

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