https://www.faz.net/-gqe-6zqjk

Kapitallücke geschlossen : Commerzbank hakt den Stresstest ab

  • Aktualisiert am

Die Commerzbank hat sich ganz auf die Anforderungen der Bankenaufsicht konzentriert Bild: dpa

Drei Monate vor Ablauf der Frist hat die Commerzbank die von der Europäischen Bankenaufsicht ermittelte Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro schließen können. Der Nettogewinn ging im ersten Quartal allerdings deutlich zurück, die Gewinnprognose für das erste Halbjahr ist gesenkt.

          Commerzbank-Chef Martin Blessing hat die Prognose für das erste Halbjahr 2012 gesenkt. Die Bank geht von „einem niedriger als ursprünglich geplanten Halbjahresergebnis 2012“ aus, heißt es in dem an diesem Mittwoch veröffentlichten Quartalsbericht. Die Vorgaben der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) kann die Commerzbank trotz eines Gewinneinbruchs im ersten Quartal vorzeitig erfüllen. Die zweitgrößte deutsche Bank habe die von der EBA Ende 2011 festgestellte Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro Ende März geschlossen und sogar einen zusätzlichen Puffer von 1,1 Milliarden Euro aufgebaut, erklärte die Commerzbank weiter.

          Der Nettogewinn nach Anteilen Dritter schrumpfte in den ersten drei Monaten des Jahres um 63 Prozent auf 369 (Vorjahr: 985) Millionen Euro und blieb noch hinter den ohnehin niedrigen Erwartungen der Analysten zurück. Vorstandschef Blessing entschuldigte das Ergebnis mit den Anstrengungen, die Bilanzrisiken zu reduzieren, was auf Kosten des Gewinns gegangen sei. „Im ersten Quartal lag unsere Priorität auf der Erreichung des EBA-Kapitalziels“ sagte er. Das von der EBA vorgegebene Kapitalziel sei vorzeitig erreicht worden. Die Kernkapitalquote Tier 1 stieg im ersten Quartal auf 11,3 Prozent.

          Europas Banken müssen bis 30. Juni eine Kernkapitalquote von neun Prozent einschließlich eines Puffers für eine Verschärfung der Euro-Staatschuldenkrise erreichen. Dazu war die Bank scharf durch ihre Bilanz gegangen und hatte Kapitalbestandteile, die nach den neuen Kapitalregeln ab Anfang 2013 ohnehin nicht mehr anerkannt werden, abgebaut oder getauscht. Die neuen Griechenland-Anleihen wurden postwendend komplett verkauft, in den anderen Schuldenstaaten Südeuropas hält die Commerzbank nur noch Staatsanleihen im Wert von 12,1 Milliarden Euro. Anfang des kommenden Jahres soll der harte Kapitalpuffer bei zehn Prozent liegen, obwohl die Hürden dann noch
          einmal nach oben geschraubt werden.

          Gewinnziele in die Ferne gerückt

          In ihrem Plan für die EBA hatte die Bank für die ersten sechs Monate 2012 einen Nettogewinn von 1,2 Milliarden Euro vorgesehen - das sei aber nicht mehr zu schaffen, räumte sie nun ein. Blessing bezeichnete die Quartalszahlen trotzdem als solide.

          Zwei Sondereffekte verzerrten das Ergebnis um insgesamt knapp eine halbe Milliarde Euro. Zum einen musste die Commerzbank ihre Schulden um 158 Millionen Euro höher bewerten, weil diese an den Märkten als sicherer eingestuft werden, zum anderen brachte ein Rückkauf von Hybridpapieren in diesem Jahr weniger als 100 Millionen Euro Gewinn, eine ähnliche Aktion vor einem Jahr hatte 358 Millionen gebracht. Vor allem der Zinsüberschuss - eine der wichtigsten Ertragsquellen des größten deutschen Kreditgebers - blieb hinter den Erwartungen zurück. „Die Erträge wurden durch die konsequente Risikoreduzierung, das schwache Zinsumfeld und die anhaltende Kundenzurückhaltung insbesondere im Wertpapier-Geschäft belastet“, sagte der neue Finanzvorstand Stephan Engels.

          Das machte die Bank nur teilweise durch weiter rückläufige Rückstellungen für faule Kredite und Kostensenkungen wett. Die Risikovorsorge sank um 30 Prozent auf 212 Millionen Euro, obwohl sich die Lage in der Schiffsfinanzierung verdüstert. Zum Ende des Jahres soll die Risikovorsorge maximal 1,7 Milliarden Euro betragen. Die Kosten seien im ersten Quartal um 400 Millionen Euro gesenkt worden. Damit werde die Bank voraussichtlich unter den angepeilten 7,6 Milliarden Euro im Gesamtjahr bleiben.

          Schuldenkrise belastet weiter das Geschäft

          Bei der Prognose blieb Blessing trotzdem vage: Die Commerzbank werde 2012 ein solides operatives Ergebnis im Kerngeschäft erreichen, bekräftigte er. „Die mit der europäischen Staatsschuldenkrise einhergehende hohe Unsicherheit wird die Ertragslage der Bank aber weiterhin vor Herausforderungen stellen“, hieß es im Zwischenbericht.
           

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eckpunktepapier : Ist das Klimapaket eine Mogelpackung?

          Umweltverbände halten das „Klimaschutzprogramm 2030“ für unzureichend und werfen der Bundesregierung Ignoranz vor. Aus der Wirtschaft gibt es mehr Lob, doch auch dort gibt es Zweifel an dem Paket.
          Den Jakobsweg läuft man nicht an einem Wochenende. Das geht nur mit einer Auszeit.

          Die Karrierefrage : Wie komme ich an ein Sabbatical?

          Einfach mal die Seele baumeln lassen, Kraft tanken, den Horizont erweitern: Eine Auszeit vom Beruf wollen viele. Wie aus dem Wunsch Wirklichkeit wird, erfahren Sie hier.
          Das Baden ist untersagt, aber es kostet nichts: Schwanenpaar mit menschlichen Passagieren auf dem Eisbach im Englischen Garten

          Aufwachsen in München : Ja mei, die jungen Leute

          München ist das teuerste Pflaster Deutschlands. Das ist hart für Jugendliche und Heranwachsende, die noch kaum Geld verdienen. Die Stadt hilft ihnen, indem sie bei zivilem Ungehorsam wegschaut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.