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Handelsstreit mit Nachbar : Kanada kündigt Vergeltungszölle gegen Vereinigte Staaten an

  • Aktualisiert am

Kanadas stellvertretende Premierministerin Chrystia Freeland Bild: AP

Amerikas Präsident Trump lässt kanadisches Aluminium verzollen, die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten: Die stellvertretende kanadische Premierministerin Freeland kündigt Sonderabgaben für amerikanische Waren in Milliardenhöhe an.

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          Einen Tag, nachdem Amerikas Präsident Donald Trump neue Zölle auf den Import von kanadischem Aluminium ausgerufen hat, kündigte Kanada am Freitag neue Gegenzölle an. „Wir werden nicht eskalieren und wir werden nicht zurückstecken“, sagte die stellvertretende Premierministerin Chrystia Freeland am Freitag. Kanada werde „entschieden und stark“ in der Verteidigung seiner Aluminium-Branche agieren und auf amerikanische Produkte im Volumen von rund 3,6 Milliarden Kanadischen Dollar (2,3 Milliarden Euro) Zölle einführen, sagte Freeland. „Für jeden aufgeschlagenen Dollar der Vereinigten Staaten auf kanadische Importe werden wir eine entsprechende Gebühr erheben.“

          In den nächsten dreißig Tagen soll eine Liste mit möglichen Gütern diskutiert werden, hieß es weiter. Regierungschef  Justin Trudeau werde zunächst Beratungen darüber führen. Trumps Strafzölle seien „unnötig, ungerechtfertigt und vollständig inakzeptabel“, sagte Freeland. „Kanadisches Aluminium ist elementar für die US-Industrie, inklusive der US-Militär-Industrie.“ Bereits am vergangenem Donnerstag hatte sie Trumps Entscheidung kritisiert. In Zeiten einer globalen Pandemie und einer Wirtschaftskrise sei ein neuer Zoll, der die Kosten für Hersteller und Verbraucher erhöht, den freien Handelsfluss behindert und die Wirtschaft in den Provinzen und Staaten beeinträchtigt, das Letzte, was kanadische und amerikanische Arbeitnehmer brauchten.

          Trump hatte seine Exekutivorder am Donnerstag beim Besuch einer Waschmaschinen-Fabrik in Ohio angekündigt und geklagt, Kanada nutze die Vereinigten Staaten aus. Er wolle „die amerikanische Industrie verteidigen“. Schon 2018 hatte es in den Vereinigten Staaten Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl und Aluminium aus Kanada und Mexiko gegeben, diese waren aber im Folgejahr aufgehoben worden. Gegner kritisieren, dass durch die Zölle Produkte für amerikanische Firmen und Konsumenten im Inland teurer würden. Trump sagte nun, er habe der Aufhebung der Zölle damals unter der Bedingung zugestimmt, dass Kanada „nicht unser Land mit Exporten überschwemmt und alle unsere Aluminium-Jobs tötet“. Die kanadischen Produzenten hätten diese Zusage aber „gebrochen“. Nach Angaben der amerikanischen Regierung sind die kanadischen Aluminium-Exporte in die Vereinigten Staaten um 27 Prozent gestiegen. Freeland bezeichnete Trumps Vorwürfe als „absurd“.

          Trumps Ankündigung erfolgt gerade einmal einen knappen Monat nach Inkrafttreten des USMCA-Freihandelsabkommen zwischen Amerika, Kanada und Mexiko. Dieses gilt als „Neues Nafta“, nachdem sich der amerikanische Präsident durch das alte Abkommen massiv benachteiligt gesehen hatte. 

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