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Kampf ums Gas : Europa räumt den LNG-Markt leer

Wertvolle Fracht: Flüssiggas-Tanker nördlich von Qatar Bild: AP

Mit viel Geld kaufen die reichen Industriestaaten das Flüssiggas auf. Die Versorgungsrisiken in den Schwellenländern wachsen entsprechend.

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          Europas Abkehr von Pipelinegas aus Russland und Bemühen um Flüssiggas (LNG) aus Ländern wie Qatar mögen geopolitisch geboten sein. In ärmeren Weltregionen droht dies die ohnehin angespannte Energieversorgung jedoch zu verschärfen. So galt Erdgas dort bislang als zuverlässige und erschwingliche Energiequelle, die eine wachsende Rolle bei der Deckung der steigenden Energienachfrage spielen sollte. Das globale Angebot an LNG lässt sich kurzfristig aber kaum erhöhen. Das schrieb die Internationale Energieagentur in ihrem am Dienstag veröffentlichten Gasmarktbericht.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          „Europas steigende Nachfrage nach LNG als Ersatz für die russische Pipeline-Gasversorgung hat zu einem außergewöhnlich angespannten globalen Markt geführt“, heißt es darin. Die rekordhohen europäischen Gaspreise hätten den Kontinent zu einem „Premiummarkt“ für LNG gemacht, der Lieferungen aus anderen Regionen anziehe, in anderen Märkten aber zu Versorgungsengpässen und einer „Zerstörung“ der Nachfrage führe. Europas LNG-Bedarf wird die Angebotserhöhung in diesem Jahr nach Schätzung der Energieagentur übersteigen und bis zum Jahr 2025 mehr als 60 Prozent des Nettowachstums des globalen LNG-Handels ausmachen.

          Angebot wächst kaum

          Wer glaubt, die florierende Nachfrage nach Flüssiggas führe zumindest in den kommenden Jahren zu einem stark wachsenden Angebot, irrt demnach ebenso. Vielmehr dürfte sich der Ausbau der LNG-Verflüssigungskapazität zunächst „deutlich verlangsamen“, heißt es in dem Bericht der Energieagentur weiter. Grund seien eine Kombination aus eingeschränkten Investitionsentscheidungen während der Zeit niedrigerer Öl- und Gaspreise in der Mitte der 2010er-Jahre sowie coronabedingte Bauverzögerungen.

          Zu den Leidtragenden gehört unter anderem Südostasien. Steigende LNG-Preise hätten dort in den vergangenen Monaten schon zu periodischen Gasknappheiten, Stromausfällen, einer Brennstoffumstellung weg von Gas und einem Nachfragerückgang in bestimmten Branchen geführt, schreiben die Fachleute der Energieagentur weiter. Dennoch werde die hohe Abhängigkeit der asiatischen Schwellenländer von LNG sogar noch zunehmen: Länder wie Vietnam oder die Philippinen hätten bisher keine langfristigen Verträge unterzeichnet und müssten in den kommenden Jahren daher mit Europa und Nordostasien um kurzfristige LNG-Lieferungen konkurrieren.

          Statt russisches Gas einfach nur durch Gas aus anderen Ländern zu ersetzen, sollte Europa aus Sicht der Energieagentur die Energiewende forcieren und so eine Abkehr vom Erdgas beschleunigen. Das würde den Druck auf dessen Weltmarktpreis verringern, „preisbewussten Schwellenländern“ den Zugang zu Lieferungen erleichtern und die Kohleverfeuerung in solchen Regionen früher beenden. In der Folge sänke der CO2-Ausstoß und es verbesserte sich die Luftqualität.

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