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In der Corona-Krise : Indien setzt 20.000.000.000.000 Rupien gegen die Pandemie ein

Erste Lockerungen nach dem Lockdown: Gestrandete Wanderarbeiter stehen Schlange vor dem Bahnhof von Neu-Delhi an, um einen Zug in ihre Heimat zu ergattern. Bild: AFP

Ministerpräsident Narendra Modi will nun ein Zehntel der Wirtschaftsleistung für Corona-Hilfsprogramme aufbringen. Zugleich will er Asiens drittgrößte Volkswirtschaft unabhängiger von der Weltwirtschaft machen.

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          Sieben Wochen nachdem die indische Regierung eine Ausgangssperre über den Subkontinent verhängt hat, kündigt sie ein riesiges Hilfsprogramm für die Wirtschaft an. Ministerpräsident Narendra Modi erklärte, das Land werde umgerechnet rund 245 Milliarden Euro einsetzen. Mit 20 Billionen Rupien entspräche das Vorhaben einem Zehntel der jährlichen Wirtschaftsleistung Indiens. Zum Vergleich: Amerika bietet bislang rund 13 Prozent seiner Wirtschaftsleistung, Japan etwa 20 Prozent im Kampf gegen Corona auf.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Modi rechnete nicht nur die direkten Hilfen des Staates in den Betrag ein, sondern auch die Unterstützung durch die Notenbank – ohne näher zu erläutern, wie sich die Gesamtsumme zusammensetzt. Einzelheiten würden „binnen Tagen“ bekannt gegeben werden. „Es wird auch Rechte für Land und Arbeit sowie für die Liquidität umfassen. Es wird sich an verschiedene Bereiche wenden, wie die Baumwollindustrie, kleine und mittlere Unternehmen, Arbeiter, die Mittelschicht, die Industrie und andere“, sagte Modi.

          Analysten reagierten zurückhaltend, weil Modi immer wieder überwältigende Ankündigung macht, dann aber wenig davon umgesetzt wird: „Sehr häufig, wenn die Regierung solche riesigen Ansagen macht, waren die reinen Zahlen geschönt. Bislang haben wir nicht mehr als eine Absichtserklärung“, sagte der Oppositionspolitiker Yogendra Yadav. In seiner fünften nationalen Ansprache seit Ausbruch von Corona betonte Modi auch, Indien müsse sich künftig mehr auf sich selbst verlassen – wolle aber nicht den Protektionismus vorantreiben: Das Programm Aatmanirbhar Bharat ziele auf das Stärken der heimischen Nachfrage, die jungen Bürger und den Ausbau von Infrastruktur und Technologie. „Wir werden die besten Güter herstellen, die Qualität heben und unsere Lieferketten ausbauen.“ 

          Warnung vor Überziehung der Schulden

          Im März hatte Modi angekündigt, den Indern 1,7 Billionen Rupien an Barauszahlungen zukommen zu lassen. Die Notenbank hatte Liquiditätsmaßnahmen in Höhe von 6,5 Billionen Rupien veranlasst. So kamen Analysten zu der Sicht, Modi habe nun zusätzliche Hilfen von knapp 12 Billionen Rupien bereitgestellt. Erst vergangene Woche hatte das Finanzministerium angekündigt, die Kreditaufnahme in diesem Jahr aufgrund der Krise von 7,8 auf 12 Billionen Rupien auszudehnen. Die Ratingagentur Fitch hat schon davor gewarnt, dass Asiens drittgrößte Volkswirtschaft – die schon vor dem Ausbruch von Corona in einer Wirtschaftskrise steckte – die Verschuldung nun überziehe. Zumal das Steueraufkommen durch das künstliche Koma des Landes noch geringer als zuvor ausfallen wird.

          Derweil setzt sich das Elend der Armen weiter fort. Indische Journalisten berichten stündlich von den Zuständen in den Slums und auf den Straßen, auf denen Arbeitsmigranten immer noch teils über hunderte von Kilometern nach Hause marschieren. Zwar fahren nach langer Zeit wieder erste Züge, die sie in ihre Heimatorte bringen sollen. Doch fehlen ihnen dort Arbeit und Ansehen. Offiziell meldet Indien mehr als 70.000 Ansteckungsfälle unter seinen fast 1,4 Milliarden Bürgern.

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