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Kampf gegen Corona : Ärzte warnen vor neuem Lockdown

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen sind die Gesundheitsämter vielerorts überlastet. Bild: ZB

Vor dem Treffen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten schlagen Fachleute Alarm: Die Strategie, die Pandemie einzugrenzen durch die Nachverfolgung der Kontaktpersonen, halten sie für gescheitert.

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          Niedergelassene Ärzte und Virologen warnen vor den Folgen eines weiteren Lockdowns in der Corona-Krise und fordern stattdessen ein einheitliches Warnsystem nach dem Vorbild einer Ampel. Vor der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder, die weitere Einschränkungen im öffentlichen Leben beschließen dürfte, mahnte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), ein neuer Lockdown wäre nicht mehr als eine „reflexartige Konsequenz“ von steigenden Infektionszahlen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Die Ausbreitung einzudämmen sei zwar eine dringende politische Aufgabe, „aber nicht um jeden Preis“. In dem Positionspapier der KBV und einiger Wissenschaftler heißt es über die Folgen der Einschränkungen: „Wir erleben bereits die Unterlassung anderer dringlicher medizinischer Behandlungen, ernstzunehmende Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen durch soziale Deprivation und Brüche in Bildungs- und Berufsausbildungsgängen, den Niedergang ganzer Wirtschaftszweige, vieler kultureller Einrichtungen und eine zunehmende soziale Schieflage.“

          Das Hauptziel laute jetzt, die schweren Verläufe in der Pandemie zu mindern, ohne neue Schäden zu verursachen. In Deutschland könnte es zu einem „Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblem“ kommen, wenn Verordnungen widersprüchlich, unlogisch, nicht nachvollziehbar oder von Gerichten außer Kraft gesetzt würden. So gebe es keine einheitliche wissenschaftliche Grundlage dafür, den Pandemieverlauf allein nach der Anzahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen zu bewerten und daraus, wie es bisher geschieht, Einschränkungen abzuleiten.

          Das Papier, das am Mittwoch in Berlin unter anderen von dem Bonner Virologen Hendrik Streeck und von seinem Hamburger Kollegen Jonas Schmidt-Chanasit vorgestellt wird, schlägt stattdessen eine „Corona-Ampel“ vor. Sie würde nach bundesweit einheitlichen Kriterien die Gefährdungslage anzeigen. Und sich aus „allen relevanten Kennzahlen“ speisen, darunter auch den durchgeführten Tests oder den stationären und intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten.

          Die Unterzeichner des Papiers sind überzeugt, dass „eine Pandemie-Bekämpfung ausschließlich im Rahmen einer Kontaktpersonennachverfolgung nicht mehr möglich sein wird“. Stattdessen müssten sich Politik, Medizin und Öffentlichkeit darauf konzentrieren, die Risikogruppen besser zu schützen.

          Konkret gehe es darum, Besuchern in Senioren-, Pflegeheimen und Kliniken in einem Schleusen-Modell nur nach negativem Covid-19-Schnelltest Eintritt zu gewähren. Das Personal müsse ebenfalls regelmäßig getestet werden. Als Leitsatz müsse gelten: „Förderung und Evaluierung von Hygienekonzepten anstelle von Ausgangssperren.“

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