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Kämpferin für das Grundeinkommen : Alice im Wandelland

Alice Grinda, deutsche Schauspielerin, vor dem Reichtstag in Berlin: Sie ist aktiv in der Initative Bedingungsloses Grundeinkommen Bild: Julia Zimmermann

Alice Grinda ist eine Berliner Existenz. Sie hat keinen festen Job, aber viel zu tun - und kämpft für das Grundeinkommen: Alle sollen 1000 Euro bekommen, egal was sie machen. Sie selbst auch.

          Alice Grinda ist 27 Jahre alt und lebt in Berlin. Sie ist Schauspielerin, spielt in „Aktenzeichen XY“, Künstlerin - sie stellt unter dem Namen Passbild-Prinzessin seit Jahren Automaten-Passbilder von sich ins Internet - und Model. Sie hat sich die Fähigkeit zum Schneiden von Filmen in Workshops angeeignet und Spanisch selbst beigebracht, bald kommt vielleicht Türkisch dran. „Es leben ja so viele Türken in Kreuzberg.“ Alice widmet sich dem Break Dance und der psychologischen Astrologie. Cheerleading für das Football-Team Berlin Thunder war eine Episode. Und luzides Träumen ist ein wichtiger Teil ihres Lebens. Das ist eine besondere Art, sich mit den eigenen Träumen zu beschäftigen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Alice Grinda ist eine Berliner Existenz. Sie vertritt eine Lebensform, zu der die Aufbaugeneration des vergangenen Jahrhunderts nur schwer Zugang findet. Sie ist Teil einer inzwischen ziemlich aktiven Bewegung, die für das „bedingungslose Grundeinkommen“ kämpft. Mit der Betonung auf „bedingungslos“. Geld gibt es, einfach weil man da ist. Das Interessante an Alice Grinda ist, dass sie versucht, die von der Bewegung idealisierte Lebensform jetzt schon zu verwirklichen. Sie versteht sich als Kreative, als unabhängigen Geist, der auch einmal nein zu einem Jobangebot sagt. Das ist schwer, wenn man von Hartz IV lebt. Leichter wäre es mit 1000 Euro im Monat, egal was man treibt.

          Wenn man Alices Schulleistungen zugrunde legt, dann hat die junge Frau ein großes Talent für Mathematik und Physik. „Ich mag Sachen, die logisch sind.“ Sie hat ein Herz für diese Disziplinen, sagt aber selbst, sie sei zu unbeständig für die Studiengänge.

          Demonstration mit einem „1000-Freuro”-Schein: Protest für ein „bedingungsloses Grundeinkommen”

          Und einen Fernseher hat sie auch nicht

          Praktika, Workshops, Jobs und eine ganze Menge unentgeltliche Rollen in Kurzfilmen kann sie vorweisen, zwei abgebrochene Studien - Informatik und Psychologie - gehören zu ihrer Erwerbsbiographie. In ihren Kreisen ist Erwerbsbiographie allerdings ein Unwort.

          Sie raucht nicht und trinkt nicht, sie isst kein Fleisch, und einen Fernseher hat sie auch nicht. Sie ist intelligent, beredsam und besticht durch eine ruhige Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit, manchmal wandern ihre Gedanken weg.

          Wenn man ihre sämtlichen Aktivitäten auf eine Liste schriebe, könnte man daraus eine Person herauslesen, die voller Tatendrang ist und gleichzeitig durch die bunte Welt irrlichtert. Gleichzeitig strahlt sie große Verlässlichkeit aus.

          Wenn Werner über seine Ideen spricht

          Man könnte sagen, sie kommt aus guten, wenn auch nicht immer ganz einfachen Verhältnissen, ihre alleinerziehende Mutter ist Künstlerin, ihr Vater Computeringenieur, sie hat das Theresianum, ein renommiertes altsprachliches katholisches Privatgymnasium in Mainz besucht und absolviert. Jetzt ist sie in Berlin und erhält Hartz IV.

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