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Kämpferin für das Grundeinkommen : Alice im Wandelland

Prominent ist Alice Grinda nicht, zumindest kein Vergleich mit Götz Werner, jenem Drogerieunternehmer und Milliardär, der sich zur Aufgabe gemacht hat, das deutsche Sozial- und Steuersystem komplett umzukrempeln mit seiner Idee des „bedingungslosen Grundeinkommens“ (siehe Milliardär mit Grundeinkommen und DM-Gründer Werner: „1000 Euro für jeden machen die Menschen frei“). Wenn Werner über seine Ideen spricht, dann kommen die Leute. Er wirkt so glaubwürdig, weil er auf das Geld nicht angewiesen ist und weil seine Drogeriekette bei ihrer Kundschaft, viele junge Familien mit Kindern, einen guten Ruf hat. Das macht ihn aber auch zu einem Sonderfall (siehe Grundeinkommen: Einkommen, ohne zu arbeiten ).

Typisch für die Bewegung, zu der sich die Idee langsam mausert, ist dagegen Alice Grinda. Und in der Szene hat sie sich bekannt gemacht. Im August hatte sie angefangen, kleine Filmchen zu drehen, zu schneiden und ins Internet zu stellen unter dem Titel „Alice im Wandelland“.

In der ganzen Angelegenheit geht es ums Geld

In den Clips interviewt Alice Wortführer und Sympathisanten der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens oder lässt normale Leute zu Wort kommen. Die Filme haben einen amateurhaften Charme. Sie zeigen eine ernsthafte, sympathische Interviewerin und nette Leute, man ist unter sich. Die Filmchen im Netz haben viele Zuschauer gefunden, und manchmal wird sie jetzt auf der Straße wiedererkannt.

Wenn Götz Werner Vordenker und Finanzier vieler Aktivitäten der Bewegung ist, dann ist Alice Grinda mit ihrem Wasserstoffblond und den runden blauen Augen deren auffälligstes Gesicht.

Die Demonstration für das bedingungslose Grundeinkommen Ende vergangener Woche war eher ein Flop, doch die Bundestagspetition, die eine Greifswalder Tagesmutter auf den Weg gebracht hat, gilt als Erfolg. Die Tagesmutter fand in zwei Jahren mehr als 52 000 Unterschriften, bei der Anhörung in der vergangenen Woche musste ein zweiter Saal geöffnet werden, um die Veranstaltung dorthin zu übertragen. Natürlich geht es in der ganzen Angelegenheit ums Geld, wer es verdient und wer es bekommt. Und Geld spielt eine wichtige Rolle in Alices Leben.

„Wir machen jetzt eine Hartz-IV-Party“

Sie hat, als sie noch Schülerin war, neben der Ganztagsschule gejobbt, um ihr Taschengeld aufzubessern. Dann wurde das Taschengeld gekürzt, und das erinnert sie an Hartz IV: Ein bisschen arbeiten, und schon bekommt sie weniger Stütze. Und allein die Arbeitsamts-Bürokratie, mit der sie nach den in ihrem Metier nicht unüblichen Ein-Tages-Jobs Probleme kriegt, verdirbt ihr die Laune.

Sie hat sich schwergetan, zum Arbeitsamt zu gehen, um Hartz IV zu beantragen. Später hat sie gelernt, dass viele Künstler aus ihrem Berliner Bekanntenkreis von Hartz IV leben. „Wir machen jetzt eine Hartz-IV-Party, haben die Leute geflachst“, an Gästen hätte es keinen Mangel gegeben. Und das war dann wieder erleichternd.

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