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Klöckners Strategie : Plan gegen Verschwenden von Lebensmitteln kommt

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Viel zu oft wird Essen in der Mülltonne entsorgt, findet die Bundesregierung. Die jetzt von ihr beschlossenen Ziele sind ambitioniert, beruhen aber auf Freiwilligkeit – und ernten dafür viel Kritik.

          2 Min.

          Die Bundesregierung will die Lebensmittelabfälle in Deutschland verringern und Wirtschaft und Verbraucher dafür stärker einbeziehen. Das sieht eine Strategie von Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) vor, die das Kabinett am Mittwoch beschlossen hat. Zuvor hatte die F.A.Z. darüber berichtet.

          Vorgesehen ist unter anderem, mit Unternehmen, Verbänden, Ländern und Wissenschaft konkrete Maßnahmen auf freiwilliger Basis zu erarbeiten – zum Beispiel bei Lieferprozessen oder mit passenderen Portionsgrößen in Restaurants. Vor allem Jugendliche und junge Familien sollen mit Informationen über das Internet stärker sensibilisiert werden.

          Klöckner betonte das Regierungsziel, Lebensmittelabfälle auf Ebene von Einzelhandel und Verbrauchern bis 2030 zu halbieren. Das soll auch zum Klimaschutz beitragen.

          Vorbildliche Nachbarländer

          Doch Klöckners Pläne stoßen auch auf viel Kritik, denn die Maßnahmen beruhen auf Freiwilligkeit. Die Grünen-Verbraucherexpertin Renate Künast bezeichnete Klöckners Strategie als „mutlos“. Erneut setze die Ministerin lediglich auf „Freiwilligkeit und Runde Tische, statt auf Verbindlichkeit“. Das von der UNO und der EU vorgegebene Ziel, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren, rücke damit „in weite Ferne“. Nötig seien stattdessen verbindliche Reduktionsziele für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette und ein Ende der Massenproduktion in der Landwirtschaft, forderte Künast.

          Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und foodsharing, eine Internetplattform für das Verteilen von überschüssigen Lebensmitteln in Deutschland, forderten am Dienstag ebenfalls verbindliche Reduktionsziele für Unternehmen sowie Sanktionen bei deren Verstoß. Klöckner habe eine „halbherzige Strategie auf Druck der EU“ veröffentlicht.  Ab 2020 muss Deutschland an die EU berichten, ob das Land seine Lebensmittelverschwendung reduzieren konnte.

          „Wir begrüßen, dass Ernährungsministerin Julia Klöckner sich nun dem Thema Lebensmittelverschwendung widmet. Ihre Strategie greift jedoch zu kurz und setzt allein auf das Wohlwollen von Unternehmen: Diese dürfen sich an runden Tischen eigene Ziele setzen, und gleichzeitig über die Art der Überprüfung entscheiden. Damit ist Willkür Tür und Tor geöffnet“, sagte foodsharing-Vorstandsmitglied Manuel Wiemann.

          „Die Strategie des Ernährungs- und Landwirtschaftsministeriums ist bloß ein halbherziger Schritt in die richtige Richtung“, sagte Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. Nachbarländer seien Deutschland hier Voraus: In Tschechien und Frankreich beispielsweise dürfen Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen, sondern müssen sie an gemeinnützige Organisationen spenden. 

          Bisher werden laut Studien in Deutschland jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – von Privathaushalten, in der Lebensmittelbranche, im Handel und der Gastronomie. Auf die Verbraucher entfallen demnach pro Kopf 55 Kilogramm im Jahr.

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