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Kabelnetze : Wer soll das bezahlen?

  • -Aktualisiert am

Kabel als Objekt der Begierde Bild: STOCK4B

Die Londoner Beratungsfirma Compere will das Fernsehnetz der Deutschen Telekom kaufen - bislang jedoch fehlt ihr die einschlägige Reputation.

          Eins kann man der Londoner Beratungs- und Investmentfirma Compere Associates sicher nicht nachsagen: mangelnden Ehrgeiz. Das Miniunternehmen aus gerade mal drei Partnern will erreichen, was dem amerikanischen Konzern Liberty Media vom Bonner Kartellamt untersagt wurde: den Kauf des Fernsehkabels der Deutschen Telekom.

          „Im ganzen letzten Jahr haben wir uns mit der Deutschen Telekom beschäftigt“, sagt Thomas Crema, einer der drei Männer, die sich anschicken, in die Fußstapfen von Liberty-Chef John Malone zu treten. „Obwohl Malone exklusiv verhandelte, obwohl er sich mit der Deutschen Telekom einigte. Wir hatten immer Zweifel, dass der Handel letzten Endes durchkommen würde. Deshalb haben wir versucht, am Ball zu bleiben und uns auf die Situation vorzubereiten, in der wir jetzt sind.“

          "5,5 Milliarden angemessen"

          Noch am selben Tag, an dem die Bonner Wettbewerbsbehüter Liberty Media den Einstieg ins deutsche Kabelgeschäft untersagten, ließ Compere wissen, dass sie nach wie vor Interesse am Fernsehkabel der Deutschen Telekom hätten. Zudem hielten sie den zwischen den Amerikanern und den Deutschen bereits vereinbarten Kaufpreis von 5,5 Milliarden Euro weiterhin für „angemessen“.

          Fraglich allein ist, ob Compere Zugang zu solch einer Summe hat. Die Firma entstand 1996 als Ein-Mann-Betrieb des Computeringenieurs Phil Mochan. Mochan kommt aus der Telekombranche. Unter anderem hatte er sechs Jahre lang beim Exmonopolisten British Telecom gearbeitet, wo er „neue Geschäftsfelder mit internationaler Ausrichtung“ entwickelt habe, wie es auf der Website von Compere heißt.

          Gemischtwaren-Unternehmensberatung

          Mochan begann Compere als Unternehmensberatung. In den ersten Jahren nahm er offenbar neben Aufträgen aus seiner Spezialbranche an, was sich ergab. Die Website erwähnt unter anderem Beratungsverträge in der Lebensmittel-, Energie- und Modebranche. Ab 1999 dann versuchte Mochan Compere als „Investmenthaus“ zu „refokussieren“.

          Comperes Problem ist es, dass es keinen einzigen abgeschlossenen Deal vorweisen kann. Telia, das schwedische Telekommunikationsunternehmen, für dessen Kabelnetzwerk Compere mit dem finanziellen Rückhalt der amerikanischen Private Equity Firma Hicks Muse Tate & Furst bot, zog den geplanten Verkauf zurück. Ähnlich will British Telecom derzeit sein Festnetz nicht abstoßen, für das die WestLB geboten hatte - beraten von Compere.

          Gutes Zeugnis

          Immerhin stellt WestLB-Sprecher John Godfrey der Minifirma ein gutes Zeugnis aus: „Ich glaube durchaus, dass Compere gute Beziehungen zur Finanzwelt hat. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie nicht in der Lage sein sollten, 5,5 Milliarden Euro aufzutreiben.“

          Über die besten Beziehungen zu Investoren dürfte Thomas Crema verfügen. Crema begegnete Compere, als Mochan der Investmentfirma des schillernden Finanzjongleurs Gary Klesch nahelegte, für das hessische Kabelnetzwerk zu bieten. Mochans Verhandlungspartner bei Klesch and Company war Crema.

          Wer sind die Finanziers?

          Der dritte der heutigen Partner, John Moreland-Lynn, war damals als Leiter der Abteilung Unternehmensfinanzierung und Investmentbankking der Finanzboutique Arkwright Capital Mochans Finanzberater. „Die beiden waren die eigentliche Antriebskraft hinter dem Deal, sie waren diejenigen, die das ausschlaggebende Geschäftsmodell entwickelten“, sagt Crema. Klesch erwarb im Herbst 2000 dann 65 Prozent des Hessenkabels. Im Januar 2001 wechselten Crema und Moreland-Lynn zu Compere.

          Allerdings hat Crema seitdem den Kontakt zu der Investorengruppe, die Klesch für den Kauf zusammenbrachte, aufgegeben. Die Finanziers für den jetzt geplanten Kauf des Fernsehkabelnetzes seien andere. Welche, sagt Crema nicht. Auch habe Compere noch kein offizielles Angebot eingereicht. Das werde „bald“ geschehen.

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