https://www.faz.net/-gqe-91ga1

Ausbildungsstudie : Junge Erwachsene fühlen sich schlecht aufs Berufsleben vorbereitet

  • -Aktualisiert am

Aktuell sehen 77 Prozent der 15- bis 24-Jährigen ihrer eigenen beruflichen Zukunft mit Hoffnungen entgegen. Bild: dpa

Viele junge Leute glauben, dass ihre beruflichen Chancen größer sind als die der Elterngeneration. Die Ansichten von Jugendlichen aus Unter-, Mittel- und Oberschicht unterscheiden sich deutlich.

          Viele junge Erwachsene schätzen ihre beruflichen Chancen besser ein als die ihrer Elterngeneration. Jeder dritte 15- bis 24-Jährige hält seine Aussichten laut einer neuen Ausbildungsstudie alles in allem für besser. Ein weiteres Drittel der Befragten sieht keine Veränderung. Nur jeder Fünfte äußert sich skeptisch und schätzt seine Perspektiven schlechter ein. Im Vergleich zur letzten Befragung vor zwei Jahren hat sich die Bewertung damit etwas verbessert. Dies liegt laut der Studie an der guten und robusten Konjunktur sowie der positiven Lage auf dem Arbeitsmarkt. Der Optimismus hat in den vergangen Jahren zugenommen: Generell sehen 77 Prozent der 15- bis 24-Jährigen ihrer eigenen beruflichen Zukunft mit Hoffnungen entgegen, nur elf Prozent sind skeptisch.

          Allerdings fühlen sich viele junge Erwachsene schlecht aufs Berufsleben vorbereitet. Nur 36 Prozent der befragten Schüler sind zufrieden damit, wie ihre Schule sie auf ihr späteres Berufsleben vorbereitet. Die klare Mehrheit, 56 Prozent, sind damit weniger oder gar nicht zufrieden. Studenten und Berufstätige blicken sogar noch kritischer auf ihre Schulzeit zurück: Von ihnen attestieren jeweils nur 32 Prozent ihrer Schule, dass diese sie ausreichend auf das Berufsleben vorbereitet hat, 64 Prozent der Studenten und 63 Prozent der Berufstätigen verneinen dies ausdrücklich. Am ehesten zeigen sich noch Auszubildende zufrieden mit der beruflichen Qualifizierung durch ihre ehemalige Schule. Immerhin 41 Prozent der Auszubildenden sind zufrieden damit, wie ihre Schule sie auf das Berufsleben vorbereitet hat.



          Das ergab die Ausbildungsstudie des Bildungsforschers Klaus Hurrelmann im Auftrag der Restaurantkette McDonald's, die heute vorgestellt wurde. Für die Studie wurden vom Institut für Demoskopie in Allensbach insgesamt über 1500 mündlich-persönliche Interviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 24 Jahren im Frühsommer 2017 geführt. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung sind repräsentativ für 8,34 Millionen deutschsprachige Menschen in Deutschland im Alter von 15 bis 24 Jahren.

          Die jungen Erwachsenen glauben, dass sie in nahezu allen Branchen größere und attraktivere Chancen als noch vor einigen Jahren haben. Vor allem die Chancen in der Medienbranche und der IT-Industrie werden positiver eingeschätzt. Als weniger aussichtsreich als noch vor vier Jahren werden Banken und Versicherungen angesehen. Hielten 2013 noch 40 Prozent der unter 25-Jährigen den Bereich Banken und Versicherungen für einen attraktiven Wirtschaftszweig für junge Menschen, so sind es aktuell nur noch 36 Prozent. Dies liege insbesondere an der Bankenkrise der letzten Jahre, wie die Studie besagt.

          Finanzielles im Beruf nicht besonders wichtig

          98 Prozent der unter 25-Jährigen wünschen sich vor allem eine Arbeit, die Spaß macht. Jeweils 95 Prozent finden es zudem wichtig, dass sie eine Arbeit ausüben, die ihren Neigungen entspricht, und dass ihr Arbeitsplatz sicher ist – 63 Prozent finden den Sicherheitsaspekt sogar besonders wichtig. Daneben legen 90 Prozent der jungen Erwachsenen auch Wert darauf, dass ihre Leistung anerkannt wird, dass ihre Arbeit sie erfüllt und abwechslungsreich ist und dass sie einen Beruf mit Zukunft ausüben. Die Prioritäten der Berufstätigen machen deutlich, dass ihnen an einer Arbeit Spaß, Sicherheit und Verbindlichkeit wichtiger sind als Materielles: So halten 84 Prozent eine leistungsgerechte Bezahlung für (besonders) wichtig, 78 Prozent gute Aufstiegsmöglichkeiten und 75 Prozent ein hohes Einkommen.



          Die große Mehrheit der jungen Erwachsenen ist davon überzeugt, dass sie durch eigene Leistung etwas bewirken können. So vertreten 68 Prozent der 15- bis 24-Jährigen die Auffassung, dass sich Leistung in unserem Wirtschaftssystem lohnt. 12 Prozent halten dagegen. Während 68 Prozent der jungen Erwachsenen aus der Oberschicht und sogar 69 Prozent der jungen Menschen aus der Mittelschicht die Aufstiegschancen in Deutschland positiv beurteilen, sind die unteren Sozialschichten deutlich skeptischer: Von ihnen gehen nur 55 Prozent davon aus, dass ein Arbeiterkind in Deutschland gute Aufstiegschancen hat, 38 Prozent beurteilen dessen Chancen negativ. 2013 bezweifelten noch 39 Prozent der jungen Erwachsenen aus der Unterschicht, dass der eigene Status trotz großer Anstrengung verändert werden kann. Aktuell sind dies nur noch 28 Prozent.



          Die Flüchtlinge, die nach Deutschland gezogen sind, betrachten die jungen Menschen überwiegend nicht als Konkurrenten im Wettbewerb um freie Ausbildungs- oder Arbeitsplätze. Lediglich 17 Prozent der unter 25-Jährigen befürchten, dass es für sie persönlich auf dem Arbeitsmarkt durch die Flüchtlinge schwieriger wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Mittwoch in London

          Parlament gegen Johnson : Aufstand gegen den No-Deal-Brexit

          Noch ist Boris Johnson nicht Premierminister. Aber er spielt schon öffentlich mit dem Gedanken an einen Austritt ohne Abkommen. Jetzt reagiert das Parlament – und macht ihm eine solche Lösung durch einen Trick schwerer.
          Außenminister Heiko Mass (links) und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow unterhalten sich vor Beginn des Petersburger Dialogs in Königswinter.

          „Petersburger Dialog“ : Maas nähert sich an – Lawrow teilt aus

          Laut Außenminister Maas könnten die dringenden Fragen der Weltpolitik nur mit Russland angegangen werden. Sein russischer Amtskollege wirft Deutschland hingegen vor, sich an „einer aggressiven antirussischen Politik“ zu beteiligen.

          Verhör von Carola Rackete : „Es sollte um die Sache gehen“

          Die „Sea-Watch“-Kapitänin kritisiert nach ihrer Anhörung den Rummel um ihre Person. Der lenke vom eigentlichen Problem ab: dem Umgang mit den Migranten im Mittelmeer. Doch Racketes Äußerungen zur Seenotrettung sind in Italien umstritten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.