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Klöckner: Kein Exportverbot : Deutsches Holz für die Welt

  • -Aktualisiert am

Fichtenholz wird zum Transport nach China in Überseecontainer verladen. Bild: dpa

Holz ist knapp, die Preise steigen. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lehnt ein Exportverbot dennoch ab. Auch wenn ihre Äußerungen durchaus als Mahnung verstanden werden können.

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          Die hohe Nachfrage nach deutschem Holz und die dadurch steigenden Preise sind ein Ärgernis für alle, die mit diesem Rohstoff bauen wollen. Trotz der verbreiteten Knappheit lehnt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ein Exportverbot für Holz ab. „Staatliche Eingriffe in den Markt halte ich für den falschen Weg“, sagte Klöckner der F.A.Z.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Sie geht davon aus, dass sich der Markt in Deutschland auch ohne ein solches Instrument wieder einpendeln wird. „Für die kommende Zeit erwarte ich, dass das Holz aus deutschen Wäldern wieder verstärkt in der heimischen Holzindustrie verarbeitet wird und auch bei uns zum Einsatz kommt – regionale Wertschöpfungsketten sind gut und sinnvoll.“ Eine Äußerung, die als Prognose, aber auch als Mahnung an die Holzindustrie verstanden werden kann, es mit dem Exportieren nicht zu übertreiben.

          Klöckner erteilt damit Forderungen vor allem aus der SPD eine Absage, die ein Exportverbot für den begehrten Rohstoff zumindest prüfen will. Entsprechend hatte sich die SPD-Bundestagsfraktion Anfang Mai geäußert. Auch aus mehreren Bundesländern kamen in den vergangenen Wochen Forderungen, ein Ausfuhrverbot zu erwägen, wenn auch als letztes Mittel. Der Forstminister in Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, sagte: „Eigentlich müsste man in Deutschland den Export von Holz nach Amerika unterbinden.“

          In Kanada wütet ein Käfer

          Die Vereinigten Staaten sind derzeit ein großer Treiber der Nachfrage. Weil in Kanadas Wäldern ein Käfer wütet, ordern amerikanische Unternehmen ihr Holz verstärkt in Europa. Sie sind auch bereit, die deutlich gestiegenen Preise zu bezahlen. Nach den Zahlen des bundeseigenen Thünen-Instituts lag der Durchschnittspreis für nach Amerika exportiertes Fichten- oder Tannen-Schnittholz im Februar dieses Jahres 50 Prozent höher als im gleichen Monat des Vorjahres. Gegenüber 2019 hätten die Preise sogar um 66 Prozent zugelegt. Aber auch China kauft verstärkt in Deutschland ein, allen voran noch unverarbeitete Baumstämme. Russland hat schon ein Exportverbot für Rundholz auf den Weg gebracht. Dieses soll von Anfang 2022 an greifen.

          An Holz mangelt es in Deutschland theoretisch nicht. Im vergangenen Jahr wurden so viele Bäume gefällt wie noch nie. Noch immer warten viele geschädigte, aber für die Baubranche noch verwertbare Stämme in den Wäldern. Damit der deutsche Wald künftig besser mit Wetterextremen wie langer Trockenheit zurechtkommt, kündigte Klöckner auf dem Waldgipfel am Mittwoch ein weiteres Hilfsprogramm an. Bewirtschaften Forstbesitzer zertifizierte und an Klimaveränderungen angepasste Wälder oder schaffen sie solche, sollen sie dafür finanzielle Unterstützung bekommen. Wer Holz für besonders langlebige Zwecke erzeugt – etwa als Bauholz, das CO2 bindet – soll zusätzlich belohnt werden. Wie groß das Förderprogramm ausfallen soll, ist noch nicht bekannt. Von dem aktuellen, 1,5 Milliarden Euro umfassenden Waldumbauprogramm wurde Klöckner zufolge bislang knapp ein Drittel ausgezahlt.

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